„Sagen Sie mal, Herr Bims…“

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Erlebnisse eines Vorstadtschreiberlings Teil 20: Missverständnisse

Autor: Bert Bims

Überall im Netz sieht man Menschen, wie sie sich einen Eimer mit eiskaltem Wasser (mit ganz viel Eiswürfeln) über den Kopf kippen, um damit auf die Krankheit ALS aufmerksam zu machen. Ich höre Sie deshalb schon zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal Herr Bims, haben Sie sich auch eine Schüssel mit eiskalter Brühe über die Birne gekippt?“

Ja,auch ein Society-Reporter wie ich wurde nominiert. Selbstverständlich nicht von Lieschen Müller aus de Gernotstrooß, sondern von der zweifachen Venus-Award-Gewinnerin Michaela Schaffrath („Maximum Perversum“, „Im Rausch des Orgasmus“, „Jahrmarkt der Perversen“), mit der ich mich bei der Nibelungen-Premiere 2013 ausführlich im Park beschäftigt hatte. Lieber wäre ich natürlich von Helene Fischer nominiert worden, dafür hat die auch die heißeste ICE BUCKET CHALLENGE aller Zeiten (auch der, die noch folgen werden) abgeliefert. Alleine der Moment, als die Eiswürfel mit einem Zischen auf ihrem heißen Körper zersprungen sind, war das beste, was uns allen bei dieser ICE BUCKET CHALLENGE passieren konnte. Und urplötzlich schoss mir eine Frage in den Kopf, die sich, wie ich später feststellen musste, auch andere gestellt hatten: „Warum der Silbereisen? WARUM???“. Denn mir fiel auf, dass diese Frage schon ein anderer gepostet hatte und dafür in der ersten Stunde bereits 2989 „gefällt mir“ erhalten hatte. Lirum larum – Fakt ist, dass ich mir natürlich keine Eiswürfel über den Kopf gekippt habe, denn die brauche ich natürlich viel dringender für meine Cocktails oder wenn ich zum Beispiel – so wie jetzt – früh morgens am Küchentisch über meiner Kolumne grüble und dabei einen gepflegten Cuba Libre trinke. Dafür hab ich auch brav gespendet, so wie das ja sein soll. Ich nominiere deshalb Ex-Papst Ratzinger, Andrea Berg (im kurzen schwarzen Latexrock!) und unser neues Stadtratsmitglied Michael W. aus W. von der NPD – in der Hoffnung, dass die Eiswürfel seine Synapsen wieder frei machen und er vielleicht doch noch irgendwann ernst genommen werden will. Wer will denn schon als Stadtratskasper in die Geschichte eingehen? Wobei. Sind wir ehrlich: Der einzige wäre er ja nicht.

Apropos. Da fällt mir gerade ein Dialog ein, den ich kürzlich mit einem Wormser Lokalpolitiker geführt habe, der mal wieder symptomatisch dafür ist, wie man manchmal aneinander vorbei reden kann. Und zwar hatte der sich mächtig über den NPD Mann echauffiert: „Das gibt’s doch nicht! 21 Jahre alt, aber schon bei diesen Leuten gelandet, die gar nicht an gescheiter Politik interessiert sind und die Demokratie verachten.“ Da konnte ich nur beipflichten: „Genau! Außerdem landet man dort normalerweise erst, wenn man überhaupt keine Perspektiven mehr hat und schon weit über 50 ist!“ Da ist mein Gegenüber etwas stutzig geworden: „Naja, die NPD rekrutiert ihre Leute teilweise schon zur Schulzeit…“ Erst dann wurde mir das Missverständnis klar: „Ach so, sie meinten die NPD. Und ich dachte wir reden über den Wormser Stadtrat…“

Ich denke, man sollte das mit diesem jungen strammen, gar nicht mal so blonden Burschen von der NPD ein bisschen entspannter sehen denn wie wir alle wissen: „Auch seine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit.“ Womöglich hat auch er nie gelernt, sich artizukulieren. Aber wenn ich mich so umhöre, denke ich manchmal, dass so manche Parolen seiner Partei durchaus eine Zustimmung in der Bevölkerung finden würden. „Geld für die Oma, statt für Sinti und Roma“ zum Beispiel. Gibt es hier irgendjemanden, der nicht will, dass seine Oma mehr Geld bekommt? Der Mensch denkt halt immer zuerst an seinen eigenen Nutzen, denn wenn eine Oma mehr Geld hat, wachsen die Chancen, dass sie davon etwas an ihre Enkel abgibt. Meine Theorie ist eine andere, denn ich bin davon überzeugt, wenn die Oma zuviel Geld hat, gibt sie das mit zunehmender Senilität für irgendwelche Heizdecken auf Kaffeefahrten oder bei dubiosen Haustürgeschäften aus. Und wer hat das Geld dann wieder? Richtig, doch wieder die Sinti und Roma. Trotzdem halte ich es diesbezüglich mit den „Ärzten“ und möchte dem 21-jährigen Michael W. aus W. von der NPD den Tipp geben: „Du musst deinen Selbsthass nicht auf Sinti und Roma projizieren. Damit keiner merkt, was für ein lieber Kerl du bist… Unterm Lorbeerkranz mit Eicheln, weiß ich, schlägt ein Herz…“