Sagen Sie mal, Herr Bims?

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Teil 49: Bauen und Wohnen in Worms

In der letzten Redaktionssitzung wurde mir berichtet, dass „Bauen und Wohnen in Worms“ das Hauptthema dieser Ausgabe sei und ob ich nicht etwas darüber schreiben möchte. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, was haben Sie denn bitteschön mit Bauen & Wohnen am Hut?“

Nix. Eben. „Leute, ich bin in diesem Verlag nicht der Hausmeister, sondern der Society-Experte!“ hab ich unserem Chef daraufhin an die Birne geknallt. Seitdem ich den verlagsinternen Deckel (der Verlag musste wegen mir 4.000.- Euro Schmerzensgeld an den Herrn Kosubek abdrücken) ein Jahr später immerhin schon zu 4,8 % abbezahlt habe, muss ich diese Kolumne nur noch bis 2037 ohne Entgelt schreiben. Das sind doch mal Perspektiven. Da kann man seinem Chef gegenüber auch mal wieder ein freches Maul riskieren. Aber mal ehrlich, Thema „Bauen“: Ich habe meine beiden linken Hände bewusst ein Leben lang von handwerklicher Arbeit fern gehalten. Diese taugen allenfalls dazu, mit der einen Hand einen Cocktail zu halten und mit der anderen zwei neue zu bestellen. Für mich und meine reizende Partnerin. Dagegen bereitet mir das Zusammenbauen des Inhaltes von einem Überraschungs-Ei massive Probleme, bei einem IKEA-Schrank bin ich bereits nach wenigen Minuten mit meinem Latein am Ende. Aber nicht nur der Weg zum goldenen Handwerk blieb mir verwehrt. Auch um als Magier, Maler oder Goldschmied arbeiten zu können, würden mir definitiv die Fingerfertigkeiten fehlen. Allenfalls als Gynäkologe könnte ich mir ein gewisses Talent vorstellen, allerdings hauptsächlich wegen meiner einfühlsamen Art Frauen gegenüber. Doch genug der anstößigen Witzchen, denn wie Sie schon an meinen blumigen Worten erkennen können, hab ich mich in der Blüte meines Lebens dazu entschieden, mein Geld fortan als Wortakrobat zu verdienen. Wer hätte das zu meiner Schulzeit gedacht? Wie oft bin ich in der Schule nervös auf meinem Stuhl hin und her gerutscht, weil mir die Decke fast auf den Kopf gefallen ist. Bildlich gesprochen. Der Witz an der Sache ist: Heute fällt den Schülern in Worms mitten im Unterricht tatsächlich die Decke auf den Kopf. Naja, fast zumindest. Vielleicht machen deswegen viele Schüler gar kein Abitur mehr, weil es ihnen schlichtweg zu gefährlich ist, in einer Bruchbude zu sitzen, die jeden Moment zusammenfallen kann. Auch ich wollte schon früh weg von der Schule, um Geld zu verdienen und habe nach der 8. Klasse meine Lehre zum Schiffschaukelbremser auf dem Wormser Backfischfest begonnen. Gerade mal 14 Jahre alt und ohne Abitur in der Tasche, habe ich schon in jungen Jahren mit den örtlichen Schaustellern ein ums andere Mal einen über den Durst gesoffen. Ohne Abitur und schon früh am Schlucken, brachte ich zwar 30 Jahre später beste Voraussetzungen mit, wurde aber trotzdem vollkommen überraschend nicht zum neuen Kanzlerkandidaten der SPD gewählt, sondern Martin Schulz. Ach nee, der wurde ja gar nicht gewählt, sondern von Sigmar Gabriel bestimmt.

Ich bin aber vom Thema „Bauen und Wohnen in Worms“ abgewichen…
Auf jeden Fall hat mich mein Chef daraufhin angeschnauzt, wenn schon „Bauen“ nicht mein Thema wäre, dann könne ich vielleicht was zum Thema „Wohnen“ beitragen, schließlich würde ich hier in Worms herrschaftlich residieren. Eben. Und genau deswegen ist mir vor allem eines wichtig: Dass die Familie mit ihren süßen Kindern Sylvana, Sarafina, Estefania, Calantha, Loredana, Sarah Jane, Lavinia und Jeremy-Pascal möglichst nicht bei mir in der Nachbarschaft einzieht. Das hab ich auch so in der Redaktionssitzung gesagt und direkt einen verbalen Shitstorm der Kollegen geerntet, die sich gerade darüber aufgeregt hatten, dass es in Worms nicht genügend bezahlbaren Wohnraum für junge Familien gebe. Da ist mir aber die Hutschnur geplatzt. „Habt ihr nicht mitbekommen, dass Worms sogar gleich zwei (!) neue Hotels bekommen soll?“ Also an Wohnraum mangelt es nun wirklich nicht. Wenn alle Stricke reißen, kann man sich doch mal kurzfristig – so für 1-2 Jahre – im Ibis-Styles Hotel einmieten, bis wieder was „Bezahlbares“ frei ist. Das kann man einer jungen Familie durchaus zumuten. Nehmen Sie sich ein Beispiel an einem gebrechlichen, alten Mann wie Udo Lindenberg. Der ist schon 70 und muss schon seit 20 Jahren im Hotel leben. Meine Vermutung ist: Wenn die 60.000 im Stadion mal wieder zu viele Zugaben wollten und der Udo erst um halb eins zurück ins Altersheim schlurft, dann steht er vor verschlossenen Türen. Da ist bei der AWO die Hütte zu und der alte Udo muss im Hotel schlafen. Und soll ich Ihnen was sagen? Ich hab den noch niiiiiiie über seine Situation jammern gehört. Denken Sie mal darüber nach, bevor Sie mal wieder irgendjemandem ihr Leid klagen.

Ihr Bert Bims