SCHILDERWÄLDER, VETTERNWIRTSCHAFT, THEMENSUCHE
Beobachtungen zur Landtagswahl 2026
Die Weichen für die Landtagswahl 2026 sind gestellt. Die Wahlunterlagen sind längst verschickt und auch das Briefwahlbüro hat zwischenzeitlich seine Arbeit aufgenommen. Wer wiederum den Gang zur Urne antreten möchte, kann dies am 22. März im jeweiligen Wahllokal zwischen 8 und 18 Uhr tun. Wie üblich haben die Wähler zwei Stimmen. Stimme 1 gilt für einen der sechs Direktkandidaten aus unserem Wahlkreis, während mit der zweiten Stimme eine Parteiliste gewählt wird. Zur Wahl stehen zwölf Parteien, darunter auch erstmals das BSW.
Seit dem 7. Februar dürfte auch dem politisch Uninteressiertesten klar sein, dass Wahlen bevorstehen. Denn das war der Zeitpunkt, ab dem es den Parteien erlaubt war, aus den Straßen von Worms Wahlkampfalleen zu gestalten. Insbesondere neuralgische Verbindungen erfreuen sich seither großer Beliebtheit. Doch taugen die Plakate überhaupt zur Stimmungsbildung oder sind sie lediglich ein Symbol dafür, die Menschen wenig subtil auf die bevorstehende Wahl hinzuweisen? Die Slogans sind austauschbar wie immer und setzen eher darauf, markant und einprägsam zu sein oder die Bewerber mit einem Attribut zu versehen.
So wird aus DANIELA SCHMITT (FDP) „Miss Mut“, während der amtierende Ministerpräsident ALEXANDER SCHWEITZER (SPD) „klar und stark“ ist. BJÖRN KRÄMER (CDU) ist wiederum „Einer von uns“. DIRK BEYER (SPD) will nach Mainz, „Weil mir Worms wichtig ist“, CAROLIN CLOOS (Bündnis 90/Die Grünen) möchte derweil „Anpacken für Mensch und Natur“ und CLARA HORSCH (Die Linke) fordert „Beste Bildung für jedes Kind“. THORSTEN ENDRESS (AfD) behauptet indes „Lügen bekommst du anderswo“. Ein Slogan, der im Übrigen tonal – entgegen den anderen Wahlkämpfern– der einzig negativ geprägte Slogan ist. Inhaltlich steht in diesem Plakatierungswahlkampf vor allem das Thema Bildung im Blickpunkt, womit Horsch voll im Trend liegt. Auch die CDU möchte „Bildung stärken!“. Die Freien Wähler fordern „Lernen statt experimentieren“ und die SPD „Kostenlose Schulbücher für unsere Kinder!“ Ob das Meer an Slogans und Plakaten letztlich Wählermeinungen beeinflusst, ist eher unwahrscheinlich, zeigen sich doch nach sechs Wochen intensiver Begleitung in Form des freundlichen Lächelns von Politikerinnen und Politiker durchaus auch Abnutzungserscheinungen.
Andererseits spiegelt die Austauschbarkeit der Slogans und das Fehlen von wirklich prägnanten Themen den Eindruck eines bleiernen Wahlkampfs. Greifbare Perspektiven für RheinlandPfalz und damit auch für Worms fehlen. Auch wenn die CDU in Umfragen derzeit vor ne liegt, scheint eine echte politische Wende nicht in greifbarer Nähe zu sein. Da eine Koalition mit der AfD wohl eher nicht in Frage kommt, dürften sich politisch interessierte Bürger schon längst auf eine Große Koalition vorbereiten, was allerdings bei vielen Wählern keine allzu positiven Emotionen auslöst. Laut aktuellen Prognosen hat die SPD gegenüber der letzten Wahl erheblich an Zuspruch eingebüßt, womit ein „Weiter“ für die bisherige Ampelkoalition wohl eher ausgeschlossen ist, zumal die FDP um ihre Sitze im Landtag bangen muss. Der AfD prognostizieren die Meinungsforschungsinstitute einen Zuwachs von rund zehn Prozent.
Überschattet wird allerdings der AfD Wahlkampf in RheinlandPfalz von Diskussionen rund um Vetternwirtschaft. Während die Partei erwartungsgemäß Stimmungsmache wittert und in den Sozialen Medien potentielle AfD Wähler reflexhaft beschwichtigt, „das machen die anderen Parteien doch auch“, weckt das Vorgehen Erinnerungen an eine Geschichte in Worms. Zwar beschäftigt hier kein Stadtrat seinen Opa für ein stattliches Salär auf Steuerzahlerkosten, dennoch zeigte das Vorgehen von Stadtrat Toni Ras Parallelen. Ras wurde 2024 über die Liste der AfD zusammen mit seiner Ehefrau in den Stadtrat gewählt. Noch bevor sich die neue Fraktion im Stadtrat zusammenfand, verkündete er ohne erkennbaren Grund, zusammen mit seiner Frau eine eigene Fraktion zu gründen. Bis heute ist der Landwirt wiederum AfD Mitglied und unterstützt auch im Wahlkampf. Im Gegensatz zu den Fällen auf landes und bundespolitischer Ebene, hält sich der finanzielle Schaden für den Steuerzahler aufgrund der überschaubaren Ehrenamtspauschalen in Grenzen.
Freilich kann sein direktkandidierender Parteikollege Endreß nichts für die kleine Charade. Dennoch stellt sich dem Autor beim Schreiben dieser Zeilen die Frage, ob solche Verhaltensweisen, egal ob im Kleinen oder im Großen, letztlich nicht auch die Verachtung gegenüber einem System ausdrücken, an dem man sich genau deswegen bedienen kann? Und das ist eine Frage, die sich auch jeder Wähler stellen muss.
Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf








