Sollbruchstellen

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Das sind Schwachstellen an Geräten, Maschinen und Anlagen, die absichtlich hergestellt werden und dem Schutz von Mensch und Maschine dienen. Solche Bruchstellen gibt es schon länger und sie sind heute ganz selbstverständlich und zum Teil auch gesetzlich vorgeschrieben. Für den Laien am bekanntesten sind hier elektrische Schmelzsicherungen oder auch Sicherungsautomaten im Haushalt. Sie werden in der Regel zwar nicht zu den Sollbruchstellen gerechnet, aber sie erfüllen einen ähnlichen Effekt.

Ganz im Gegensatz zu solchen Exemplaren, die zu Nutz und Schutz für Jedermann geschaffen sind, gibt es seit jüngerer Zeit vermehrt auch solche Schwachstellen an Geräten, die dem Nutzer bzw. Eigentümer bewusst Schaden zufügen. Diese sind allerdings noch nicht unter dem obigen Namen bekannt geworden, aber sie sollten möglichst bald ebenso bezeichnet werden. Nach so viel erklärender Vorrede jetzt schnell in die heikle Materie selbst. Ich selbst und etliche Bekannte beobachten seit längerem, dass immer mehr Geräte in immer kürzerer Zeit „ihren Geist aufgeben“, was für den Betreffenden sehr ärgerlich und mit empfindlichen Unkosten verbunden ist.

Außerdem wurde das Kapitel erst neulich im ZDF bei „Wiso“ und „Frontal 21“ eingehend behandelt. Also kann man dazu sagen: „Irrtum ausgeschlossen“. Nun endlich ganz korrekt und greifbar stelle ich meine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen vor. Da sind u.a. Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde, die vor zirka 2 bis 4 Jahrzehnten klaglos und ohne Reparaturen mindestens 10 bis 15 Jahre ihren Dienst taten, „verenden“ heute in wenigen Jahren. Öfter erfahre und erlebe ich sogar, dass Geräte im Jahr nach Ende der Garantiezeit „kaputt“ gehen. Wenn es sich stets um Zufälle handeln sollte, will ich „Meier“ heißen!

Als Techniker in Theorie und Praxis schaue ich bei den meisten meiner defekten Exemplare in das Innere hinein. Da entdeckte ich bei meiner elektrischen Schreibmaschine (Fa. Brother) in kürzeren Abständen dreimal deutlich zu schwach ausgelegte Bauteile, die dann auch zum (beabsichtigten!) frühen Tod der Maschine geführt haben. Allerdings gelang mir noch jedesmal mit großer Mühe und viel Arbeitszeit, jeweils das Ding wieder zu reparieren. Was also ist aus diesem Umstand zu schließen? Hier und bei recht vielen Haushaltsgeräten wurden vom Hersteller „gekonnt“ Schwachstellen geschaffen, die dem Ganzen ein vorzeitiges Ende bescheren mussten.

Und sowas bezeichne ich klar als „Betrug“. Soeben erfahre ich, dass das Problem doch schon weiter bekannt ist und behandelt wird. Auch die Bezeichnung ganz oben für das Phänomen sei bereits üblich. Die Betrügereien der Hersteller schaden nicht nur allen Verbrauchern, sondern auch unserer Umwelt, indem die Müllvermehrung erheblich gesteigert wird. Die vernichtende Bezeichnung unserer Bevölkerung durch das Wort „Wegwerfgesellschaft“ findet nun erneut traurige Bestätigung.

Hierzu mein Kommentar: „Eine Wegwerfgesellschaft ist eine solche, die zum Wegwerfen ist!“ Wenn die Verantwortlichen in Regierung und Wirtschaft den o.g. Betrügereien kaum oder gar nichts dagegen tun, sind sie – wohl oder übel – Komplizen der Hersteller. Leider muss ich nunmehr abbrechen, obwohl ich weitere interessante Dinge zu berichten hätte. Alsdann ist das Schlusswort fällig, das ich wieder einem Größeren überlasse. Es stammt von dem französischen Dramatiker Jean Anouilh und lautet: „Ein kleiner Betrüger wird Betrüger genannt, einen großen Betrüger nennt man Finanzgenie.“

Ihr Heinz Dierdorf

 

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