Streitfrage des Jahres:

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Gibt es zu wenige Parkplätze in der Wormser Innenstadt? - Ordnungsbehörde bekommt Parken im Halteverbot nicht in den Griff

Es ist ein Reizthema, das 2020 genauso leidenschaftlich diskutiert werden wird wie auch 2019 – die Parksituation in der Wormser Innenstadt. Unterscheiden muss man dabei zwischen Menschen, die Erledigungen in der Stadt tätigen und der Problematik der Anwohner, insbesondere in der Altstadt und rund um die Wollstraße.

Ins Visier der Kritik gerät indes bei beiden Gruppen immer wieder die Stadt, die zu wenig Parkraum zur Verfügung stellen würde bzw. immer mehr Parkflächen verhindert. Tatsächlich gab es mal ein Worms, das ein El Dorado für Autofahrer gewesen sein muss, die ihr Auto gerne in der Nähe ihrer Erledigung abstellen wollten. Der Markplatz wurde genauso als Parkplatz genutzt wie der Obermarkt. Statt einem Parkhaus am Café Ohne Gleichen und einem hinter dem Bahnhof konnte man beim Verlassen des Autos den Wind um die Ohren und den Schlamm um die Füße auf den damals ausgewiesenen Parkflächen genießen. Doch das ist lange her. Aber ist deswegen der Parkraum, insbesondere für Touristen und Einkaufserledigungen, Mangelware? Wohl kaum! Rund um die Innenstadt bieten Parkhäuser Stellflächen für 1.900 PKWs – ohne das Parkhaus am Dom, das im Juni 2020 seine Pforten öffnen soll und die Tiefgarage in der Friedrichstraße. In den seltensten Fällen sind aktuell die Kapazitäten vollständig erschöpft, dennoch kommt es rund um die Innenstadt immer wieder dazu, dass Gehwege oder gar Rettungswege rücksichtslos zugestellt werden. Kurz vor Weihnachten wandte sich die Stadt an die Öffentlichkeit, prangerte diese Situation an und räumte ein, dass es trotz täglicher Kontrollen – zwischen dem Ludwigsplatz und der Martinskirche sowie der Martinsgasse – immer wieder zu Parkverstößen käme. Alleine in der Zeit von August bis Dezember 2019 wurden in der engen Martinsgasse 547 und am Ludwigsplatz gar 613 Knöllchen erteilt. Geändert hat sich nichts, von Einsicht offenbar keine Spur. Man kann sagen, dass das Verkehrsverhalten vieler Bürger Sinnbild ist für einen wachsenden gesellschaftlichen Egoismus. Geparkt wird dort, wo es bequem ist, gerne auch auf den wenigen Behindertenparkplätzen in der Innenstadt. Dass man dabei Menschen mit Gehbehinderungen das Leben erschwert, denen ein problemloses Fortkommen auf dem zugeparkten Gehweg nur schwer möglich ist, oder dass sich Behinderte einen weit entfernten Parkplatz suchen müssen oder sogar Rettungseinsätze erschwert werden, scheint offenbar egal zu sein.
Problematisch sieht es durchaus für Anwohner aus. Besonders angespannt ist hier die Situation rund um die Wollstraße. Doch die könnte Entspannung finden, denn im Frühjahr soll der Bodenbelag im Parkhaus am Dom endlich fehlerfrei aufgetragen werden, sodass ab Juni den geplagten Anwohnern dort Dauerparkplätze zur Verfügung stehen. Dennoch sollte jedem Bürger bewusst sein, dass es nicht die Aufgabe der Stadt ist, Parkflächen zur Verfügung zu stellen, sodass auch das Zweitauto, das mittlerweile in vielen Familien Standard ist, ein knuffiges Plätzchen zum Verweilen findet. Selbiges gilt auch für die Sommermonate, wenn das Naherholungsgebiet im Wormser Wäldchen in den Fokus vieler motorisierter Bürger gerät und es regelrecht zum Verkehrskollaps kommt.
Vielleicht sollte einfach jeder Autofahrer sein Verkehrsverhalten überdenken, ob es zwingend notwendig ist, überall mit den eigenen vier Reifen hin zu rollen, oder einen Zweitwagen zu führen.
Vor allem bleibt zu hoffen, dass die Stadtverwaltung, im Kontext mit der Situation im Wäldchen, davon Abstand nimmt, den Verkehr durch den Ausbau von weiteren Wegen zu entzerren, denn es gilt nach wie vor die Regel: Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten!