Und ewig ruft das Jugendzentrum
CDU, SPD und WWW wecken erneut Hoffnung auf Jugendzentrum

Es ist fast schon so was wie der Running Gag der Wormser Stadtpolitik, wenn in schöner Regelmäßigkeit das Wort „Jugendzentrum“ im Sprachgebrauch von Wormser Stadträten auftaucht. Dieses Mal sind es gleich drei Parteien, die den Dauerbrenner erneut aufgreifen und versprechen, wir übernehmen „Verantwortung“ und jetzt wird alles anders. Oder doch nicht?
Auf das schlichte, aber kraftvolle Wort „Verantwortung“ hört die Koalitionsvereinbarung der Stadtratsfraktionen CDU, SPD und Worms will weiter, die im letzten Jahr getroffen wurde (wir berichteten). Darin versprechen sie ein wenig zaghaft: „Die Errichtung eines Jugendzentrums in Bahnhofsnähe wird geprüft. Auch die Anmietung von Leerständen in der Innenstadt wird dabei in Betracht gezogen.“ Das Problem, warum es erstmal nur bei einem „geprüft“ bleibt, ist dabei sicherlich in den leeren Kassen zu finden und dem Umstand, dass ein solches Zentrum letztlich eine freiwillige Leistung ist, die ohne Fördermittel nicht realisiert werden könnte. Ganz nach dem Motto, unverhofft kommt oft, kam dann Anfang Februar zwar
ausnahmsweise kein Förderbescheid, aber glücklicherweise die frohe Botschaft vom Geldsegen aus Berlin.
81 Millionen Euro aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen sollen es sein. Zweckgebunden für kommunale Investitionen, die sich im Rahmen der vom Land definierten Förderbereiche bewegen. Sprich, jedes Projekt, das im Rahmen dieser Summe finanziert werden soll, muss zuvor bewilligt werden. Wie die Koalitionäre in einer gemeinsamen Pressemitteilung schreiben, gehören zu den förderfähigen Bereichen Bevölkerungsschutz, die Bildung, der Ausbau der digitalen Infrastruktur, die Modernisierung von Verwaltungsabläufen, die energetische Erneuerung öffentlicher Gebäude, die Verbesserung der verkehrlichen An bindung sowie Maßnahmen zur Stärkung der kommunalen Daseinsvorsorge. Zu Letzterem dürfte dann das anvisierte Jugendzentrum gehören. Ein erstes Projekt, so die drei Fraktionen, das dann auch auf den Weg gebracht werden soll, ist die konkrete Prüfung der Umsetzungsmöglichkeiten eines Jugendzentrums. Ein Projekt, das auf eine lange Geschichte zurückblicken kann.
Seit 2003…
Als Geburtsstunde dürfte der Oberbürgermeisterwahlkampf 2003 gelten. Damals versprach SPDKandidat Michael Kissel in einer Debatte mit jungen Menschen, ein Jugendzentrum im Falle seiner Wahl zu priorisieren. Kissel wurde gewählt und das Projekt kam in den Prüflimbus. Geprüft werden sollte erstmal ein idealer Standort. Eine Aufgabe, die sich zur unendlichen Geschichte entwickelte. Da ein Großteil der rund 16.500 jungen Menschen aus Worms im Bereich der Innenstadt lebt, hatte man von Beginn an die Idee, irgendwo hinter dem Bahnhof das Zentrum zu bauen oder ein Bestandsgebäude zu sanieren. Die Suche begann, die Jahre vergingen, das Projekt rutschte in der Prioritätenliste nach unten, Kissel wurde abgewählt und Kessel gewählt. Ein Zentrum war aber immer noch nicht in Sicht.
Geprüft wurden zwischenzeitlich immer mal wieder Standorte, wie die Halle eines Gemüsehändlers in der Güterhallenstraße, ein zwischenzeitlich abgebrannter Lokschuppen in der Nähe der PrinzCarlAnlage, aber auch Geländezukäufe von der Bahn. Nachdem die zuvor geprüften Standorte nacheinander aus unterschiedlichsten Gründen ausschieden, fand die Stadt schließlich auf einem ungenutzten Bahngelände, direkt neben dem AuxerrePlatz, ihren Wunschort. Doch der hat einen Preis und muss mit der Bahn ausgehandelt werden. 2024 geriet das Projekt dann wieder ins Stocken. Eigentlich waren zunächst sogar noch 1,6 Millionen Euro Planungskosten im städtischen Haushalt vorgesehen, doch die tauchten wenige Monate später plötzlich im Kontext mit Vorhaben rund um das soziale Projekt „Grüne Schiene“ wieder auf. Da die Bahn zwar Interesse habe zu verkaufen, man sich aber noch nicht abschließend auf einen Preis einigen konnte, habe man die Summe im Stadtrat umwidmen lassen, so die Stadt damals. Und so fiel das Jugendzent
rum wieder der Vergessenheit anheim. Bis jetzt!
Lange Prioritätenliste
Ob der neuerliche Geldsegen allerdings an dem Zustand tatsächlich etwas ändert, bleibt abzuwarten, zumal noch nicht einmal beschlossen ist, ob das Jugendzentrum tatsächlich auf die Prioritätenliste kommt. „Die Koalition will die Fördermittel konzentriert auf zentrale Projekte verteilen und damit einen großmöglichen nachhaltigen Effekt erreichen. Damit kann das Jugendzentrum auch nur ein Projekt sein“, betonen die Parteien. Wie sie weiter erklären, sei die Bedarfsliste der Stadt seit Jahren lang. So stehen der Neubau der Hauptfeuerwehrwache, diverse Schulbauten sowie die Sanierung des Rathauses konkret an. Die Digitalisierung der Verwaltung oder des Klinikums sowie Investitionen in den Wirtschaftsstandort sind ebenso dringlich. Und schon klingt der Geldregen gar nicht mehr nach ganz so viel Segen für ein Jugendzentrum in greifbarer Nähe.
Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf




Dennis Dirigo




