Verbände fordern Mittelfreigabe aus Sondervermögens für Maßnahmen zum Hitzeschutz.
Eine Pressemitteilung des AWO Kreisverbands:
Als eine „Generalprobe“ bezeichnete Dr. Hans Kluge, Regionaldirektor für Europa der World Health Organization (WHO), die Gluthitze im Juni mit Rekordtemperaturen nahe dem Ende des Messbereiches eines Fieberthermometers. Obendrein prognostizierte der Mediziner, dass Hitzewellen künftig häufiger, härter und länger sein werden. „Hitzeperioden belasten die Menschen besonders in dicht bebauten städtischen Räumen, weil Gebäude und versiegelte Flächen Wärme speichern“, mahnt ergänzend der Volkswirt, Stadtforscher und Politikberater Dr. Peter Jakubowski, welcher das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) leitet.
Ältere Menschen, Pflegebedürftige und Personen mit chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen leiden unter zunehmenden Hitzeextreme am stärksten. Wenig überraschend hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) nach ihrem Gutachten von vor rund anderthalb Jahren nach Angaben des AWO-Kreisvorsitzenden Hans Herbert Rolvien in diesem Sommer nochmals dazu aufgerufen, unverzüglich in klimaresiliente Krankenhäuser zu investieren. Das Gutachten habe deutlich gemacht, dass wirksamer Sonnenschutz sowie zum Beispiel moderne Wärme- und Kälteversorgung unverzichtbar seien, damit Krankenhäuser bei langanhaltenden Hitzewellen ihre Versorgungsaufgaben uneingeschränkt erfüllen könnten.
Rasche Mittelfreigabe geboten
Vor dem Hintergrund der bundespolitischen Debatte über die Nutzung des im März 2025 beschlossenen 100-Milliarden-Euro-Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität fordert der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt Worms ebenfalls die rasche Mittelfreigabe für Maßnahmen gegen die Hitze. Dass der rheinland-pfälzische Ministerrat, auch Kabinett genannt, den Entwurf für die erforderliche Verordnung zur Durchführung des Landesgesetzes über die Errichtung eines Sondervermögens „Rheinland-Pfalz-Plan für Bildung, Klima und Infrastruktur“ vor wenigen Tagen im Grundsatz gebilligt hat, begrüßt der AWO-Kreisvorsitzende. Der Rheinland-Pfalz-Plan fußt größtenteils auf den Bundesmitteln des 100-Milliarden-Euro-Sondervermögens.
Bereitstehende Gelder müssten im weiteren Verlauf endlich unbürokratisch und zeitnah abgerufen werden können, so Rolvien. Nötig seien schnelle Investitionen in solarbetriebene Klimaanlagen, bauliche Verschattungen, zu begrünende Fassaden und zu entsiegelnde Außenflächen. „Auch zum Beispiel in Bremen ersonnene Klimatürme, vertikale Luft-Wasser-Großwärmepumpen, deren nachhaltige Wärme und Kälte für jeweils bis zu 200 Haushalte im Bestand respektive bis zu 400 Neubauten ausreichen, sind in der künftigen Stadtentwicklung zu überlegen“, so der stellvertretende AWO-Kreisvorsitzende Florian Helfert.
Klimagerechter Umbau nötig
„Ein reiner Hitzeschutz auf dem Papier ist im Sommer für die Menschen in keinster Weise hilfreich“, zitieren Rolvien und Helfert mit Dr. Markus Juch den Vorsitzenden der Liga der freien Wohlfahrtspflege Hessen. Wenn der Bund auf Milliardenmittel aus dem Infrastrukturtopf verweise, dann müssten diese Gelder auch sozialen Organisationen zur Verfügung gestellt werden. Am größten sei der Bedarf als eine akute Schutzmaßnahme für die Menschen in Pflegeheimen, Kitas und weiteren sozialen Einrichtungen.
Maßnahmen schützen Budgets
Wohlfahrtsverbände, wie etwa die Liga der Freien Wohlfahrtspflege im benachbarten Bundesland Hessen, warnen nämlich auch vor den langfristigen wirtschaftlichen Folgen: Bleiben die Investitionen in die Klimaanpassung aus, drohen dem Sozial- und Gesundheitssystem durch hitzebedingte Notfälle und steigende Betriebskosten gravierende finanzielle Schäden. Oder, wie es Tobias Fuchs als Vorstand für Klima und Umwelt beim Deutschen Wetterdienst (DWD) formuliert: „Die Anpassung an den Klimawandel ist essentiell, um die Folgen für die Gesellschaft möglichst gering zu halten“.




