Visuelle Zeugen einer untergehenden Zeit

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Ausstellungseröffnung Horst Hamann „Legends“

13. September 2019 | Kunstverein – Worms:

Profi Fußballspieler oder Fotograf? Der gebürtige Mannheimer Horst Hamann entschied sich, Letzteres zu werden. Als solcher brachte er es zu höchsten Weihen und erhielt bislang als einziger Deutscher eine Ausstellung im Museum of the City of New York. Nun bekam der Künstler, der in allen wichtigen Städten dieser Welt schon seine Fotografien präsentierte, auch eine Ausstellung in Worms, die noch bis zum 13. Oktober im Kunstverein betrachtet werden kann.

Berühmt wurde der Fotograf mit der eigentlichen simplen Idee, seine bevorzugte Kamera, eine Linhof Technorama, senkrecht zu halten, um so einen Eindruck der eindrucksvollen Häuserschluchten New Yorks zwischen den Wolkenkratzern fotografisch zu vermitteln. „Verticals“ nannte sich die Bilderreihe und sorgte für viel Aufmerksamkeit. Nicht minder eindrucksvoll sind die Bilder, die der 61-Jährige in der Ausstellung „Legends“ präsentiert. Auch in dieser Reihe widmet er sich Amerika, einem Land, dem er seit den 70er Jahren verbunden ist. Die Ausstellung ist in zwei Blöcke gegliedert. Während im großen Ausstellungssaal das Objekt seiner visuellen Begierde den Aufnahmen von alten, längst vergessenen amerikanischen Straßenkreuzern gilt, finden sich im Studio Bilder verlassener Orte wie Tankstellen. Es sind Symbole, die einst für den „American Way of Life“ standen und nun den Niedergang einer Konsumgesellschaft illustrieren. Mit ihrer monochromen Farbgebung und der räumlichen Tiefe, mit denen Hamann seine Bilder ausstattet, erwecken sie zugleich ein Gefühl von Weite und Einsamkeit. Hamann erläuterte den anwesenden Gästen, dass seine Bilder von einem melancholischen Blick gefärbt sind. Sie entstanden im vergangenen Jahr, kurz vor seiner Abreise aus Amerika, wo er viele Jahre lebte.

Fazit: Fotografien als großes Kino. Als wären seine Fotos eine visuelle Entsprechung zu den Worten des amerikanischen Schriftstellers John Steinbeck, schafft es der Fotograf, seinen Bildern eine epische Dimension zu vermitteln. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind Sa / So von 15 Uhr bis 18 Uhr.