Völkerverständigung über die Sprache der Kunst

, , Kommentar schreiben

Konzertkritik zu „Between Cultures“

22. Juli 2019 | Das Wormser Theater:

Im letzten Jahr sorgte der in Ulaanbataar geborene Musiker Enkhjarghal Dandarvaanchig in dem Stück „Siegfrieds Erben“ mit seiner Stimme und der Pferdekopfgeige für so manchen Gänsehautmoment und avancierte zum Publikumsliebling. Insofern war es konsequent, den sympathischen Musiker ein weiteres Mal nach Worms zu holen. Der in Karlsruhe lebende Mongole stellte für die Festspiele ein ganz besonderes Konzert zusammen, das am Ende zu Recht mit frenetischem Applaus belohnt wurde.

Im musikalischen Zentrum des Abends standen neben Dandarvaanchig die Musiker Fabien Guyot, Schlagzeuger aus Frankreich, und der Bulgare Dimitar Gougov (Gadulka, Gesang). Zusammen spielen die Drei seit einigen Jahren unter dem Namen Violons Barbares. Frei nach dem Motto „ich lade gern mir Freunde ein“ sorgten weitere Gastkünstler für Abwechslung, darunter auch der Performancekünstler Mädir Eugster Rigolo. Aber dazu später mehr. Zu Beginn betrat Dandarvaancig die Bühne, so wie ihn letztes Jahr das Publikum lieben lernte, gekleidet in einem traditionellen edlen Gewand, Stiefeln und auf dem Kopf eine mongolische Fellmütze, bei deren purem Anblick man schon Schweißausbrüche bekommen konnte. Auch musikalisch betrat er zunächst für festspielerprobte Ohren vertrautes Terrain. Bereits die ersten Töne, die Dandarvaanchig auf der Pferdekopfgeige spielte, schufen ein Gefühl von Melancholie und Einsamkeit. Sehnsuchtsvoll weckte die Musik Bilder von der Weite der mongolischen Steppe. Dieser Eindruck verstärkte sich, als sich zu den langgespielten Tönen der markante Ober- und Untertongesang des Künstlers hinzugesellte. Es war abermals beeindruckend zu hören, mit welcher scheinbaren Leichtigkeit er zwischen den stimmlichen Extremen wechseln kann. Gehörte die Bühne in diesem Stück ihm alleine, erweiterte sich der musikalische Kosmos bereits im nächsten Titel um seine beiden Mitstreiter, sowie den Pianisten Granzin Rainer und die mongolische Musikerin Purevsuren Byambaa, die das exotische Instrumentarium des Abends um eine Yatga ergänzte, einem mongolischen Zupfinstrument, das mit der uns vertrauten Zither verwandt ist. Bereits in diesem Stück zog das Tempo ordentlich an und gab einen kleinen Ausblick darauf, was das Publikum in der zweiten Hälfte erwarten sollte. Als Meister seines Instrumentes, der zuweilen auch den Gesang übernahm, erwies sich auch der Bulgare Gougov auf der Gadulka, einem bulgarischen Streichinstrument, das der Geige ähnelt, dem er immer wieder erstaunliche Töne entlockte und besonders in der zweiten Hälfte unterstrich, dass man auch mit einem Streichinstrument mächtig rocken kann. Höhepunkt des Abends war die „Sanddorn-Balance“-Performance des Schweizer Künstlers Rigolo. Im Zeitlupentempo bewegte sich dieser auf der Bühne, um aus 13 Einzelteilen ein überdimensionales Palmblatt zusammenzusetzen, das im Anschluss, nur mit einem Finger getragen, frei über der Bühne schwebte. Fast wirkte es so, als sei die Bühne in einem anderen Kosmos, in dem die klassischen Gesetze der Schwerkraft nicht gelten. Begleitet wurde diese spannende Performance von den Musikern. In immer wiederkehrenden Schleifen steigerte sich die Musik sukzessiv ins Rauschhafte, ehe sie abrupt abbrach und ein staunendes Publikum ob des Geschehens zurückließ. Nach der Pause konzentrierte sich die musikalische Reise zwischen den Kulturen auf die Musik der Violons Barbares. In deren Musik verschmelzen Klänge von Osteuropa, Vorderasien und Nordafrika mit Gypsy-Sounds zu einem beispiellosen Musikcocktail, den man so noch nie gehört hat, der aber dennoch aufgrund seiner oftmals rockig bis punkigen Grundausrichtung vertraut wirkte. Da das Tempo konstant hochgehalten wurde, stellte sich phasenweise jedoch eine gewisse Redundanz ein, sodass das Konzert zwar weiterhin auf hohem Niveau stattfand, es aber leider nicht mehr vermochte, die Faszination auszulösen, welche dem ersten Teil innewohnte. Nach knapp zweieinhalb Stunden verdienten sich die Musiker dennoch den allergrößten Respekt des Publikums, das diesen mit minutenlangen stehenden Ovationen bekundete.

Fazit: Ein Konzert so bunt wie die Welt. Selten war der Titel so treffend gewählt wie an diesem Abend. Musik verbindet Menschen mehr als alles andere, insofern ist der mongolisch stämmige Musiker so was wie ein Botschafter der Herzen.