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Wormser Mikwe offiziell wiedereröffnet

Foto: (v.l.n.r.:) Stadtentwicklungsdezernent Timo Horst, Oberbürgermeister Adolf Kessel und die Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz – Rheinhessen Anna Kischner im Rahmen der Wiedereröffnung der Wormser Mikwe. © Stadt Worms / Kommunikation und Marketing

 

Die Wormser Mikwe wurde nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen offiziell wiedereröffnet. Die Wiederinstandsetzung erfolgte unter größter Sensibilität für den historischen Bestand und die sensiblen Oberflächen der Anlage. Da die Begehung der Mikwe nur eingeschränkt möglich ist, gelten Gruppengrößen von zehn bis 15 Personen, wobei maximal zehn Personen gleichzeitig in dem Ritualbad anwesend sein dürfen, um Schäden an den Oberflächen zu vermeiden. Damit wird der Schutz der einzigartigen Stätte unmittelbar mit der Öffnung in Einklang gebracht.

 

Das Bauvorhaben begann mit einem ersten Bauaufmaß im Jahr 2007. Ab 2014 zogen konkrete vorbereitende Maßnahmen mit statischen Untersuchungen sowie umfangreicher Bauforschung nach sich. Von 2016 bis 2018 lief das DBU-Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Steinkonservierung (IFS), das den Zustand des dauerhaft feuchten Mauerwerks der Mikwe untersuchte. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für das anschließende Instandsetzungsprojekt, das zunächst eine unterirdische Schutzabdeckung gegen Niederschlagswasser vorsah. Zwischen Grasnarbe und Mauerwerk war eine solche Abdeckung geplant, doch archäologische Befunde führten Ende 2020 zu weiteren Grabungen, die bis 2022 dauerten und eine grundlegende Neuplanung dieser Schutzmaßnahme erforderlich machten.

 

Ein wichtiger kultureller Meilenstein folgte 2021: Im Juli des Jahres nahm das UNESCO-Welterbekomitee die SchUM-Stätten in Speyer, Worms und Mainz in die Welterbeliste auf, womit die Mikwe fortan unter Welterbeschutz steht. Ab 2023 begann die eigentliche Instandsetzung des Mauerwerks mit vertieften restauratorischen Untersuchungen, einem Riss­monitoring sowie klimatischen Messungen innerhalb der Mikwe. Die bauliche Umsetzung konnte erst Ende 2024 beginnen. Neben der Instandsetzung des historischen Mauerwerks wurden technische Anlagen installiert, darunter eine sog. „Weitwurfdüse“ zur Belüftung und klimatischen Kontrolle sowie Grundwasser­pegelmessungen zur Dokumentation des Wasserstands in der Mikwe im Vergleich zum Grundwasserstand im Synagogengebiet.

 

Die Mikwe selbst wurde konservatorisch instandgesetzt: Stark beschädigte Steine wurden nur dort ausgetauscht, wo es aus statischen oder konservatorischen Gründen zwingend erforderlich war. Eine Tiefenverfugung stabilisierte das Mauerwerk, ohne sichtbare optische Veränderungen herbeizuführen. Der Handlauf wurde instandgesetzt, und eine neue Beleuchtung installiert – alles ohne Eingriffe in den historischen Bestand. Für den sicheren Zugang zur Mikwe und zum Garten wurden ein temporärer Steg, eine temporäre Absturzsicherung sowie ein Schutz der Weitwurfdüse geschaffen. Die Gestaltung orientiert sich an den bestehenden Metallarbeiten von Tor und Geländer im Synagogengarten.

Die Sanierungskosten allein für das Bauwerk betrugen bisher rund 1,5 Mio. Euro.

 

Oberbürgermeister Adolf Kessel und die Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz – Rheinhessen Anna Kischner dankten in ihren Grußworten allen Beteiligten für ihr Engagement und ihren Beitrag zum Erhalt des bedeutenden Kulturerbes.

 

Stadtentwicklungsdezernent Timo Horst führte aus: „Die Mikwe wird künftig dauerhaft restauratorisch überwacht und dokumentiert. Gleichzeitig arbeiten wir mit unseren Partnern an den notwendigen Planungen für einen dauerhaften Schutz vor Niederschlagswasser. Die Mikwe wird als Ort der Geschichte und des interreligiösen Dialogs auch zukünftige Generationen inspirieren und erinnern.“