100 Tage König Kessel

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Das Spektakulärste in einem, für Wormser Verhältnisse, bisher recht unspektakulären Jahr war der Amtswechsel im Rathaus am 1. Juli 2019. Nach 16 Jahren Amtszeit hat Michael Kissel das Zepter der Stadt an Adolf Kessel übergeben. Der konnte nun Mitte Oktober, nach knapp 100 Tagen, ein erstes Fazit ziehen.

Während sein Vorgänger im (unfreiwillig) letzten Jahr seiner Amtszeit noch einmal richtig Gas gegeben und den Rheinland-Pfalz-Tag und Weltstar Terence Hill nach Worms geholt hatte, verliefen die ersten Monate unter Adolf Kessel wenig aufregend. Als sich der neue OB den einzelnen Abteilungen der Verwaltung vorstellte, fand Kessel eine in Kissel-Günstlinge und Kissel-Gegner gespaltene Belegschaft vor. Von daher sieht es Kessel als eine seiner Hauptaufgaben an, die zuletzt eher gegeneinander arbeitende Verwaltung und den Stadtrat auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören. Gleichwohl: Außer der Aufstellung eines Worms-Plans von CDU und SPD, der viele Bekundungen enthält, was man alles unternehmen und bauen möchte, ist politisch noch nicht allzu viel passiert. Bei all den Zielen, die sich die Wormser GroKo im Worms-Plan gesteckt hat – und bei denen es mitunter an der Umsetzung hapern könnte – fragt man sich sowieso, wo das Geld herkommen soll. Wie immer im Herbst finden aktuell die Haushaltsplanungen der Stadt Worms statt. Der neue Haushalt der Stadt weist mit 6,7 Millionen Euro ein deutlich niedrigeres Minus als im Vorjahr aus. Das ist doch schon mal was. Dass es aber noch ein weiter Weg bis zu einer schwarzen Null ist, das weiß auch Kessel. Mindestens genauso schwierig wird die angestrebte Digitalisierung der Stadtverwaltung oder die Umsetzung des Mobilitätskonzepts, das eine deutliche Reduzierung des Individualverkehrs in der Innenstadt vorsieht. Vor allem aber hat die Stadt ein Personalproblem, denn man findet schlichtweg zu wenig Bewerber für ausgeschriebene Stellen. Über all die Probleme, die sich bereits nach 100 Tagen als OB auftürmen, haben wir uns ausführlich mit Adolf Kessel unterhalten. Es gibt viel zu tun für den neuen OB.

In Worms tut sich was. In Zeiten, in denen in den Supermärkten immer noch viel zu viel Plastik verwendet wird, eröffnen Mitte November im Herzen der Stadt ein paar engagierte Wormser/innen den Unverpacktladen „Lotte & Klara“. Und weil die Stadt von dem Engagement ihrer Bürger lebt, haben wir für unseren RÜCKBLICK hauptsächlich Locations besucht, die die Wormser Subkultur repräsentieren (Die Fabrik, Die Funzel, Burger Kitchen, „Wohnzimmerkonzert“ in der Friedrich-Ebert-Straße oder bei Heaven Records/WO! 10/19). Abseits der großen Fleischtöpfe bei den Nibelungen Festspielen oder dem Jazz & Joy sind es gerade diese engagierten Wormser, die das kulturelle Leben der Stadt immer wieder aufs Neue bereichern.

PS: Unser langjähriger Kolumnist Heinz Dierdorf, der unser Magazin sechs Jahre lang mit seiner „Seite für Nachdenker“ bereichert hat, wurde am 13. Oktober 90 Jahre alt. Wir gratulieren sehr herzlich und wünschen alles Gute und vor allem Gesundheit!! Im nächsten Monat gibt es redaktionsintern noch mehr zu feiern. Aber dazu mehr im Dezember…

Viel Lust auf Politik beim Lesen der 167. Ausgabe von:
WO! – DAS Wormser Stadtmagazin

wünscht Ihnen
Frank Fischer | Chefredakteur