Bert Bims

Überall wird nur noch gegendert, die vielen Gendersternchen überfluten geradezu unsere schöne deutsche Sprache. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, wollen Sie nicht auch Ihre/n Senf*in zum Thema Gendern dazu geben?“

Die Gleichstellungsbeauftragte unseres Verlages hat uns in der letzten Redaktionssitzung aufgefordert, ebenfalls ein wokes Magazin zu wer- den. „Woke“ kommt aus dem Englischen und bezeichnet zum Beispiel Publikationen, die dahingehend „erwacht“ sind, dass man durch die Sprache andere Menschen diskriminieren kann. Klar, hatten auch wir schon länger erkannt, dass der „Negerkuss“ als Schaumkuss noch genauso lecker schmeckt wie ein als Paprikaschnitzel getarntes „Zigeunerschnitzel“. Man kann also durchaus auf diese beiden verpönten Begriffe verzichten, ohne einen geschmacklichen Qualitätsverlust zu erleiden. Aber muss das mit dem Gendern wirklich zwingend sein? Der Finanzchef unseres Verlages hat als Argument gegen das Gendern an- geführt, dass es natürlich immens viel (unnötige) Druckerfarbe kostet, wenn bei allen Artikeln die männlichen Begriffe mit einem *innen versehen werden. Stellen Sie sich mal vor, man würde in der Bibel bei je- dem Gott den Zusatz „bzw. Göttin“ anfügen, dann wird der Wälzer ja noch dicker. Eine gendergerechte Sprache soll für mehr Gerechtigkeit auf der Welt sorgen, verkompliziert aber in erster Linie die Kommunikation. Und hey Leute*innen, jetzt mal ehrlich, das sieht doch einfach Kacke aus. Wollen Sie im Hotel begrüßt werden mit „Willkommen, liebe Gäste und Gästinnen“? Oder wollen Sie Sätze lesen wie: „Bevor ich in der/die/das Bett gehe, zünde ich mir eine Zigarett*in an und trinke ei- ne*n Schluck*in von dem/der köstlichen Wein*in. Morgen früh klingelt wieder mein*e Wecker*in.“ Dass hier eine Verhunzung der deutschen Sprache stattfindet, Herrschafts- bzw. Frauschaftszeiten, das müssen doch die durch unsere Wortwahl jahrhundertelang unterdrückten weiblichen Geschöpfe aus aller Herren (und Damen) Länder einsehen. Dazu kommen gewisse sprachliche Tücken, wenn man wirklich rigoros alles gendert. Der Klassiker im Supermarkt sind hierbei die „Hähnchen-innen-filets“. Auch unser Bundeskanzler Olaf Scholz kann Ihnen dazu ein Lied von den Krankenschwestern und -schwesterinnen“ sin- gen. ich persönlich kann mich von jeglicher Schuld freisprechen, dass ich Frauen zu irgendeiner Zeit sprachlich diskriminiert habe, wenn ich über die „Bürger dieser Stadt“ geschrieben habe. Denn komischerweise hatte ich dabei schon immer im Hinterkopf, dass damit Männer UND Frauen gemeint sind – heute, genauso wie vor 20 Jahren. Gut okay, heute denke ich dabei aus politisch korrekten Gründen auch an Trans*, Inter* und nicht-binäre Menschen. Apropos: Kürzlich hat ein Mensch mit nicht-binärer Geschlechtszugehörigkeit gegen eine Tochter der Deutschen Bahn geklagt, weil am Fahrkartenautomaten nur die Anreden

„Frau“ oder „Mann“ möglich waren und bekam vom Oberlandesgericht Frankfurt 1.000 Euro Entschädigung zugesprochen – wegen unmittelbarer Benachteiligung aus Gründen des Geschlechts und der sexuellen Identität. Experten schätzen die Zahl der intergeschlechtlichen Personen in Deutschland auf etwa 0,2 % der Bevölkerung. Ich kann ja verstehen, dass alle Menschen dieser Welt ihre Rechte einfordern. Aber richten wir hier unsere Gesellschaft nicht zu sehr nach einer (ziemlich lauten) Minderheit aus? Der Mehrheit der Bevölkerung wäre es viel lieber, wenn es auch mal Entschädigungen für verspätete Züge geben würde. Ich kann ja die Forderung verstehen, dass auch Straßen oder Gebäude verstärkt nach Frauen benannt werden sollen, die immerhin knapp die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen. Andererseits waren es halt nun mal überwiegend Männer, die die Politik beherrscht oder große Erfindungen gemacht haben. Schalkes legendärer, bereits verstorbener Manager Rudi Assauer wurde mal gefragt, warum eigentlich keine Fußballstadien nach Frauen benannt werden. Darauf antwortete der bekennende Macho: „Das würde sich halt blöd anhören: Ernst Kuzorra seiner Frau ihr Stadion.“

WENN SCHON, DENN SCHON…

Im Sinne der Gleichberechtigung fordere ich, dass man nicht nur Gewinner*innen, Abteilungsleiter*innen oder Zuschauer*innen gendert, sondern auch weniger schöne Begriffe wie Steuerhinterzieher*innen, Raser*innen, Exhibitionist*innen oder Gefängnisinsasse*innen. Apropos: Gefängnis. Seit ich kürzlich gehört habe, dass 90% aller Insassen*innen in deutschen Gefängnissen aus Männern bestehen, halte ich die Forderung für absolut legitim, dass auch hier eine höhere, staatlich festgelegte Frauenquote Einzug halten sollte. Wenn schon Gleichberechtigung, dann aber richtig. Ich kann deshalb an dieser Stelle nur an die Vernunft der weiblichen Wesen unter meiner Leserschaft appellieren, dass wir doch schon 113 Ausgaben lang völlig problemlos auch ohne Gendersternchen miteinander ausgekommen sind. Man muss sich auch mal in die Männerwelt hineinversetzen, die aufgrund der #MeToo Debatte und dem zunehmenden Gendern verwirrt ist, was denn nun richtig oder falsch ist. Auch ich komme noch aus einer Zeit, als man einer Frau nicht nur ein ehrliches Kompliment über ihr Aussehen gemacht hat, sondern durchaus auch ein nett gemeintes „Du Lu- der“ hinterherschieben konnte. Quasi die alte Horst Schlämmer Schule. Heute wäre so etwas undenkbar. Wenn ich in Erinnerung rufen darf, hat DIE PARTEI vor ein paar Jahren einen wahren Shitstorm für ihre Anzeigenkampagne „Für Feminismus, Ihr Fotzen!“ geerntet. Auf Worms umgemünzt muss man zukünftig die Frage stellen, ob alte Brauchtumslieder wie „In Worms am Rhoi, ham die Mädscher digge Boi!“ diskriminierend sind? Dagegen steht allerdings der eiserne Wormser Grundsatz:

„Was wohr is, derf ma saa…“ Sie merken schon, auch ich bin verwirrt.

 

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Dr. Bert Bims