Bert Bims

Die Vorzeichen stehen gut, dass wir in diesem Jahr endlich mal wieder einen unbeschwerten Kultursommer, ohne Maskenpflicht, genießen dürfen. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, wie bereiten Sie sich denn auf den Wormser Kultursommer vor?

Neulich war ich in einer Tankstelle, als plötzlich ein Mann mit einer Maske den Verkaufsraum betrat. Im ersten Moment bin ich richtig erschrocken, weil ich dachte, die Maskenpflicht wäre wieder eingeführt worden. Aber dann konnte ich mich beruhigen, es war nur ein ganz gewöhnlicher Überfall. Abgesehen von diesem Erlebnis steht uns wohl ein maskenfreier Kultursommer bevor, auf den ich mich bereits seit Wochen akribisch vorbereite, indem ich jeden Abend einen Schnaps mehr als am Vortag trinke, um meinen Körper für die kommenden Strapazen fit zu machen. Wenn die als partygeil und feiersüchtig bekannten Wormserinnen und Wormser beim Erblicken der ersten Sonnenstrahlen ins Freie strömen, bleibt bekanntlich keine Kehle trocken, und da will ich nicht als ungeeichtes Weichei dastehen. Aufgrund der geografischen Lage unseres schönen Städtchens kann man davon ausgehen, dass auch bei den diesjährigen Festen bestes Kaiserwetter herrschen wird; benannt übrigens nach dem Wormser Kulturgott Sascha Kaiser. Der war nämlich als Erstes auf die Idee gekommen, vor Festivitäten einen offiziellen Antrag auf bestes Wetter, so genanntes Kaiserwetter, einzureichen, nachdem sich die Verantwortlichen der Stadt zuvor jahrzehntelang blind darauf verlassen hatten, dass der Herrgott ja schließlich ein Wormser sei. Kaiser hat es mit seinem Team auch geschafft, Bonnie Tylor kurz vor ihrer Balsamierung noch einmal nach Worms zu locken. Ich habe höchsten Respekt vor der Rockröhre der bekennenden Nichtraucherin, für die andere Sangestalente mindestens 10.000 Zigaretten und Hektoliter weise Whiskey konsumieren müssten. Der Spruch aus den Achtzigern, „Keine singt geiler wie die Tyler“, besitzt also auch 40 Jahre später noch seine Berechtigung. Ich stelle mir gerade vor, wie Bonnie Taylor am 21. August direkt vor dem Wormser Rathaus auf der Bühne steht und lauthals „I?m holding out for a hero“ in den Abendhimmel schreit.

Das könnte man durchaus auch als Ansage an den Oberbürgermeister der Stadt Worms verstehen. Wo ist der Held, der unsere Innenstadt vor dem Untergang bewahrt und dem Volk einen neuen Kaufhof schenkt? Und wo ist überhaupt der Held, der diese aus den Fugen geratene Welt rettet? Da lob ich mir doch ein bodenständiges Fest wie unser Spectaculum, wo sich endlich wieder ein paar Ritter die Köpfe einschlagen – und es sind keine Russen daran beteiligt. Außerdem wird es nach zwei Jahren Corona-Pause mal wieder Zeit, zur Abhärtung der Bevölkerung die aus dem Mittelalter bekannte Seuche Cholera unters Volk zu mischen. Da auch mein Vorschlag aus der letzten Ausgabe, die ehemalige Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zukünftig in einen Massentierhaltungskäfig zu sperren und stattdessen alle Schweine und Hühner freizulassen, auf eine gefühlte Zustimmung in der Bevölkerung stieß, könnte man im Zuge des Spectaculums die Wiese des Wormser Wäldchens für diese Freilassungsaktion nutzen. Selbstverständlich würde dann auch Julia Klöckner zur allgemeinen Belustigung des feiernden Volkes in ihrem Käfig auf dem Äschebuckel ausgestellt.

NEUES BEI DEN NIBELUNGEN

Während also mit Klöckner immerhin eine ehemalige Bundesministerin zum Spectaculum kommt, vermisst man derweil bei den Nibelungen Festspielen ein wenig die großen Namen. Nicht einmal Anouschka Renzi wollte sich nach ihrer missglückten Imagekampagne im „Dschungelcamp“ ihren blendenden Ruf noch mehr versauen. Die Veranstalter haben sogar kurzzeitig (wirklich nur ganz kurzzeitig!) überlegt, André Eisermann einzuladen, damit wenigstens ein Schauspieler mit einem Hauch von Glamour und mit jeder Menge Starappeal im Schauspielensemble zu finden ist. Oder meinte ich etwa Starallüren? Sei’s drum, wer dieses Jahr echte V.I.P.’s bei den Nibelungen sehen will, der stellt sich am besten an den roten Teppich und wartet, bis der Herr Dr. Bert Bims darüber schreitet und sich seinen Siegelring vom Fußvolk küssen lässt. Vielleicht kommt auch ein renommierter Schauspieler der Bad Hersfelder Festspiele, also sprich der lustige Vogel zu meiner Linken, zur Premierenfeier der Nibelungen. Dann wären dort ja immerhin schon zwei A-Promis. Auf keinen Fall werden irgendwelche Z-Promis auf dem roten Teppich auftauchen, schließlich ist das russisch angehauchte „Z“ mittlerweile verboten, weshalb selbst (Z) „orro“ und (ZZ) „Top“ keine Einladung zu den Festspielen erhalten werden. Zudem wird um festliche Kleidung gebeten, wobei auch die Frisur keine unerhebliche Rolle spielt. Um dem Vorwurf der Aneignung kultureller Eigenschaften von Afroamerikanern aus dem Weg zu gehen, haben sich sogar unser Oberbürgermeister Kessel und Nibelungen-Geschäftsführer Sascha Kaiser bereiterklärt, an diesem Abend auf das Tragen von Dreadlocks zu verzichten. Na dann steht doch einem politisch korrekten Kultursommer eigentlich nichts mehr im Weg.

 

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Dr. Bert Bims