WORMS IST ROT, SCHWARZ, BLAU
Ein Blick zurück auf die Landtagswahl am 22. März 2026
Rheinland-Pfalz hat gewählt und damit steht fest, die SPD wird erstmals nach 35 Jahren keinen Ministerpräsidenten stellen. Stattdessen wird wohl bei der konstituierenden Sitzung des Landtags am 18. Mai CDU Spitzenkandidat Gordon Schnieder zum Ministerpräsidenten gewählt. Zeit für einen letzten Blick zurück auf die Landtagswahl 2026.
Selten wirkte eine Landtagswahl in Rheinland-Pfalz so heiß umkämpft wie jene im März 2026. Sich des Rückstands in den Wählerumfragen bewusst, schaltete die SPD auch in Worms einen Wahlkampfgang höher ein, mit der Folge, dass Mainzer Politprominenz, allen voran Ministerpräsident Alexander Schweitzer und Innenminister Michael Ebling, fast schon zu Wormser Stammgästen wurden. Mit im Gepäck: jede Menge Förderbescheide, wie sie Worms schon lange nicht mehr gesehen hat. Mal war es Geld für das Paternusbad, mal für die Liebfrauenkirche oder auch mal für ganz Worms. Die Botschaft war klar: Unser Mann in Mainz, Dirk Beyer, bewegt was. Da hatten es die Herausforderer, wie Björn Krämer, deutlich schwerer. Mit einer Oppositionspartei im Rücken gibt es nun mal keine Förderbescheide zu überreichen, was einen Hauch weniger Aufmerksamkeit erzeugte. Während Alexander Schweitzer als Person sich auch in Worms großer Beliebtheit erfreute, war wiederum sein Herausforderer Gordon Schnieder zunächst vielen Wählern weitestgehend unbekannt. Immer wieder die Nibelungenstadt in Begleitung von Björn Krämer besuchend, wuchs die Bekanntheit zwar, änderte aber nichts daran, dass sich zumindest in Worms am Ende des Wahltages zeigte, dass die SPD weiterhin in der Wählergunst am besten abschnitt. Genutzt hatte der Erfolg am Ende nur dem Direktkandidaten Dirk Beyer.
So hat Worms gewählt
Sechs Direktkandidaten warfen bei der diesjährigen Landtagswahl ihren Hut in die Wahlkampfarena. Gewinnen konnte nur einer und das war am Ende Dirk Beyer, der 2025 von Jens Guth den Sitz im Mainzer Landtag übernommen hatte und nun erstmals zur Wahl stand. Am Ende des Abends konnte er 30,9 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen. Björn Krämer, der politisch lediglich auf sein Ehrenamt als Ortsvorsteher in Rheindürkheim verweisen konnte, schaffte es immerhin, beachtliche 27,1 Prozent der Stimmen für sich zu gewinnen. Auch wenn ein dritter Platz in der Politik genauso nutzlos ist wie ein zweiter, so ist es doch ein beachtlicher Erfolg für Stadtrat Thorsten Endreß (AfD), 25,2 Prozent der Stimmen zu bekommen. Die drei weiteren Kandidaten (Carolin Cloos / Die Grünen 8,5 %, Cara Horsch / Die Linke 5,4 % und Georg Nippert / FDP 2,9 %) waren letztlich nur Zaungäste. Zugleich zeigte sich, dass das Ergebnis bei der Direktwahl nahezu identisch mit der Listenwahl war. Auch hier zeigte sich am Ende: Worms ist politisch Rot, Schwarz, Blau, während die anderen Parteien marginalisiert sind. Insgesamt zeigte sich bei dieser Wahl ein ähnliches Muster wie bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr. Die wichtigste Erkenntnis für das politische Worms lautet, dass die in Teilen rechtsextreme AfD längst in ganz Worms etabliert ist. Auch wenn es sicherlich ein Gefälle zwischen dem Wahlverhalten beispielsweise in Worms Nord bzw. Herrnsheim gibt. So erreichte die AfD im Wormser Norden bei den Landesstimmen stolze 34,1 Prozent, während sie in Herrnsheim immer noch auf beachtliche 23,2 Prozent kam. Am Ende bleibt jedoch die SPD in Worms stärkste Kraft. Bei den Landesstimmen kommt sie auf 27,3 Prozent, knapp vor der CDU mit 25,4 Prozent, sehr dicht gefolgt von der AfD mit glatten 25 Prozent.
Wahlbeteiligung
Die Wahlbeteiligung lag in Worms bei 61,2 Prozent. Damit fiel sie um 4,4 Prozent höher aus als bei der letzten Wahl im Corona-Jahr 2021. Dennoch lag Worms unter dem Landesschnitt. Insgesamt nahmen in Rheinland-Pfalz 68,5 Prozent der Wahlberechtigten ihr Stimmrecht wahr. Ein interessanter Aspekt ist in Bezug auf Worms, dass die AfD besonders in jenen Stadtteilen profitierte, wo die Wahlbeteiligung eher niedrig ausfiel, wie im oben beschriebenen Wormser Norden, wo nur 41,4 Prozent ihre Stimme abgaben.
Der Kater nach der Wahl
Für die SPD wäre es nicht das erste Mal gewesen, dass ein Rückstand bei Wählerumfragen in Rheinland-Pfalz sich am Ende des Wahltages zu einem Sieg dreht. Hoffnung gab es allemal, galt doch Schweitzer bei den Personenwerten mit rund 40 Prozent Zustimmung im Land als deutlich beliebter und vor allem bekannter als sein Herausforderer Gordon Schnieder. Genutzt hatten ihm diese Werte nichts. Dass Schweitzer wohl bis zuletzt hoffte, den Rückstand noch drehen zu können, zeigte sich bemerkenswert offensichtlich nach seinem verspäteten ersten Auftritt vor TV-Kameras. Zunächst alle TV-Termine absagend, trat erst 90 Minuten nach Schließung der Wahllokale ein sichtlich angefasster Schweitzer vor Genossen und TV-Kameras, während die Freude der CDU kaum zu fassen war. Doch gibt das Ergebnis wahrlich Grund zur Freude? Am Ende entschied die rheinlandpfälzische CDU mit 31 Prozent der Stimmen die Wahl für sich. Auch wenn damit klar ist, dass der neue Ministerpräsident Gordon Schnieder heißen wird, ist dessen Ausgangslage eine durchaus schwierige. Gerade mal vier Parteien haben es in den neuen Landtag geschafft. Vertreten sind zukünftig nur noch CDU, SPD (25,9 %), Die Grünen (7,9 %) und eine AfD, die ihr Wahlergebnis mit 19,5 % nahezu verdoppeln konnte. Da Schnieder eine Koalition mit der AfD bereits am Wahlabend definitiv ausschloss, bleibt ihm nur die Zusammenarbeit mit einer SPD, die wiederum an einem historischen Wendepunkt ihrer politischen Laufbahn steht. Maßgeblich beeinflusst vom negativen Image der Bundes SPD, dürfte die eigentlich erfolgsverwöhnte SPD RheinlandPfalz kein leichter Partner werden, schließlich gilt es, die nächste Wahl wieder für sich entscheiden zu können.
Brandmauer schadet der CDU
Viel dramatischer zeigt sich allerdings die Entwicklung rund um die AfD und vor allem die Erkenntnis, dass die Brandmauer als gescheitert gelten dürfte. Nicht nur für Schnieder, sondern auch für die Bundes CDU ist das ein gewaltiges Problem. Längst ist für die Union die Brandmauer ein nicht nur selbst gewähltes Gefängnis geworden, da immerhin rund 81 Prozent der CDU Wähler klar gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD sind. Andererseits sind sie damit auf Gedeih und Verderb den linksgerichteten Parteien ausgeliefert, da sie politisch auf ihre Zustimmung angewiesen sind. Letztlich hat die sogenannte Brandmauer vor allem eine positive Doppelfunktion für Rechte und Linke, schwächt aber die Union. Für die AfD ist die Brandmauer im Grunde ein Solidarisierungsinstrument, für die linken Parteien ein Machterhaltungsinstrument. Der große Trick der AfD ist dabei, nicht wirklich Inhalte liefern zu müssen, da sie längst von vielen Wählern als Systemgegner gelesen wird, die es endlich mal dem „Politsumpf“ zeigt. Dass sie dabei mit ihren neoliberalen Inhalten selbst die FDP als Chorknaben erscheinen lassen, wird von der Wählerschaft konsequent ignoriert. Im Gegenteil, wie keine andere Partei versteht es die vermeintliche Alternative, auch bisherige Nichtwähler, oftmals aus einfachen Verhältnissen, an die Urne zu treiben – also überwiegend Menschen, die am Ende wohl eher negative Erfahrungen mit ihrer Partei machen würden. Es reicht offenbar, wenn man als gemeinsames Feindbild, „die da oben“ und Migranten in den Fokus nimmt. Die einstige Arbeiterpartei SPD hat sich hingegen längst von ihrer Urklientel entfremdet. Wahrgenommen wird sie nur noch als Steuererhöhungs und Schuldenpartei für soziale Wohltaten, die Arbeitslosen, Bürgergeldempfängern und Migranten zugutekommen. Allesamt Gruppen, die im Übrigen ebenfalls der AfD zugeneigt sind. Man könnte also sagen, die Tragik der SPD ist es, eine Politik für Menschen zu machen, die sie längst nicht mehr wählen. Das führte auch unlängst Tim Klüssendorf, Generalsekretär der BundesSPD, mal wieder zu der Suche nach dem Markenkern der Sozis. Doch man fragt sich, wird die Partei, die schon seit längerem auf dieser Suche ist, irgendwann fündig werden? Zweifel sind da, genauso aber auch die ungelöste Frage, wie es zukünftig weitergeht? Im Herbst finden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (06.09.) und Mecklenburg-Vorpommern (20.09.) statt, die Vorzeichen versprechen der AfD weitere Erfolge. Zugleich zeigt sich eine Tendenz zur Zuspitzung der Probleme im politischen Deutschland. In diesem Klima dürften die jüngsten Pläne einer Mehrwertsteuererhöhung eher wie ein Brandbeschleuniger wirken. Wir werden sehen…
Kommentar: Dennis Dirigo , Foto:Andreas Stumpf










