Pragmatiker und Kümmerer, aber kein Visionär
Die bisherige politische Bilanz von Timo Horst
In wenigen Tagen wird der neue Oberbürgermeister oder -meisterin der Stadt Worms gewählt. Aufgerufen sind rund 63.000 Menschen, von denen wahrscheinlich nicht wenige bereits von der Briefwahl Gebrauch gemacht haben. Dennoch gilt es für die beiden Kandidaten, bis auf die letzten Meter für sich zu bewerben. Eine wichtige Visitenkarte eines Bewerbers sind natürlich nicht nur seine Ziele für Worms und wie glaubhaft oder nachvollziehbar sie für die Wähler sind, sondern auch die bisherigen Referenzen. An dieser Stelle nehmen wir die Bilanz von Timo Horst (SPD) der letzten fünf Jahre unter die Lupe.
Bei keinem Wahlkampf zuvor war dieser Vergleich zwischen zwei Kandidaten so naheliegend wie bei Stephanie Lohr und Timo Horst. Nach vielen Jahren partei- und kommunalpolitischer Arbeit, inklusive eines kurzen Ausflugs in den Landtag für Stephanie Lohr, begannen beide am 1. November 2021 für die Stadt Worms zu arbeiten. Während Stephanie Lohr als Bürgermeisterin vom Stadtrat bestätigt wurde, übernahm Timo Horst die Stelle des Stadtentwicklungsdezernenten und ist seitdem für Stadtentwicklung, Planen und Bauen sowie für das Immobilienmanagement zuständig. Darüber hinaus ist er für den ÖPNV, das Thema Sport, Freizeit- und Tiergartenbetriebe sowie die IDB GmbH zuständig. Auf die Frage, was die wichtigsten Themen seien, die Wormser aus seiner Sicht beschäftigen, erklärte Timo Horst WO! gegenüber: (…) Zweitens geht es um eine funktionierende Infrastruktur für Familien: gute Schulen, verlässliche Kinderbetreuung, bezahlbares Wohnen (…)“. Also jene Bereiche, für die er als Dezernent in Teilen seit fünf Jahren zuständig ist. So lohnt durchaus ein Blick auf Horsts Anspruch, Wohnraum und insbesondere bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Bei seinem Amtsantritt 2021 setzte er in Sachen Wohnraum vor allem auf das Unternehmen Ehret und Klein, das wenige Jahre zuvor das ehemalige Rheinmöve Areal erwarb, um dort das Licht-Luftbad-Quartier zu errichten. 422 Wohnungen sollen dort entstehen, davon sollen 25 Prozent bezahlbarer Wohnraum sein. Ein Traum für jede Stadt, sollte man denken, zumal Ehret und Klein auch noch das Gerberviertel erwarben, auf dem ebenfalls ein Wohnquartier entstehen sollte. Während Horsts Dezernat alles daran setzte, einen Baustart zu ermöglichen, tat sich allerdings von Seiten des Starnberger Unternehmens wenig bis gar nichts. Daran änderte auch die 2025 erteilte Baugenehmigung nichts. Horst kann man freilich diese Entwicklung nicht vorwerfen. Einen kritischen Blick verdient indes die Entwicklung des Baugebiets „In den Lüssen“, das ebenfalls bis heute nicht weiterentwickelt wurde. 2023 wurde beschlossen, einen Bebauungsplan für ein Wohnquartier zu erstellen, das auf städtischer Fläche entstehen soll. Doch das Projekt steckt seitdem in der Planung fest und geriet so sehr in Vergessenheit, dass die CDU Worms irgendwann nachfragte. Doch die Antwort macht wenig Mut und verweist auf zahllose Paragrafen und das Fazit, dass zusätzlich zum Bebauungsplan ohnehin noch ein Erschließungsplan erstellt werden müsse. Übersetzt bedeutet dies, dass noch viel Zeit vergehen wird, sollte das Projekt tatsächlich umgesetzt werden. Da ist der bevorstehende Baustart im Rheindürkheimer Gleisdreieck deutlich erfolgsversprechender. Hierbei handelt es sich um ein Projekt, das durch die Rheinhessen Erschließungsgesellschaft geplant und in diesem Jahr von Horsts Abteilung endgültig genehmigt wurde. Kritische Anmerkungen seitens der Unternehmer gab es mit Blick auf den langwierigen Genehmigungsprozess, wobei Horst stets beteuert, Prozesse im Rahmen der Möglichkeiten zu beschleunigen. Eine solche Möglichkeit ist der Bau-Turbo – eine Maßnahme des Bundes, der vom Stadtrat auch für Worms in diesem Jahr eingeführt wurde. Ziel ist es, durch ein Ausnahmeverfahren den langwierigen Prozess verkürzen zu können. Auch wenn erste Auswirkungen des Turbos noch rar sind, war es von Horsts Dezernat eine richtige Entscheidung, den Turbo auch in Worms zu installieren.
Kitas und Schulen
Deutlich messbarer ist wiederum der Sanierungsstand nebst Neubauten rund um Kitas und Schulen. Hier hatte Horst den Vorteil, dass er zunächst von der guten Vorarbeit seines Vorgängers Uwe Franz profitieren konnte. In dessen Zeit wurden bereits mehrere Schulsanierungen begonnen, wie beispielsweise die Nibelungenschule, die Ernst-Ludwig-Schule oder auch der Neubau der Pfrimmtal Realschule plus. In Horsts Amtszeit wurden wiederum Projekte, wie der Neubau der Kita am BIZ und der Kita Pfiffligheim begonnen und beendet, während im Moment an der Fertigstellung der Kita Carl-Villinger-Straße gearbeitet wird. Möglich ist das Tempo vor allem dadurch, dass Horst eine Modulbauweise durchsetzen konnte. Wie der OB-Kandidat im Interview mit unserem Magazin erklärte, sei Worms bei der Versorgung mit Kita-Plätzen durch diese Projekte in den vergangenen Jahren vom letzten auf einen der vorderen Plätze in Rheinland-Pfalz vorgerutscht.
Sport und Freizeit
Maßgeblich beteiligt war er auch am Erhalt des Paternusbades in Pfeddersheim, das seit 2020 geschlossen ist. Beim Paternusbad wurde unter Horsts Verantwortung bzw. politischer Begleitung die weitere Sanierung vorangetrieben. Für den zweiten Bauabschnitt wurde eine Landesförderung von bis zu 2 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Zusätzlich sind 576.000 Euro KIPKI-Mittel für Photovoltaik und Schwimmbadtechnik vorgesehen. Geplant sind unter anderem ein neuer Nichtschwimmerbereich, eine Wasserrutsche und ein Kleinkinderbereich. Die Wiedereröffnung als modernes, barrierefreies und energieeffizientes Sportfreibad ist für 2028 vorgesehen. In Worms wird derzeit das Heinrich-Völker-Bad umfangreich erweitert und modernisiert. Wichtige Bausteine sind ein neues multifunktionales Lehrschwimmbecken sowie die Erweiterung der Anlage um einen modernen Kleinkinderbereich. Bund und Land beteiligen sich an der Finanzierung, während Horst als zuständiger Dezernent und im Zusammenhang mit den Freizeitbetrieben in die Umsetzung eingebunden war. Auch die Bilanz, was den Ausbau der Sportinfrastruktur angeht, kann sich sehen lassen. Allen voran der Bau der neuen Dreifeld-Sporthalle Carl-Villinger-Straße neben dem Heinrich-Völker-Bad, die im letzten Jahr fertiggestellt wurde und seit August 2025 in Betrieb ist. Die neue Halle ist insbesondere für die Westend-Realschule plus und das Eleonoren-Gymnasium vorgesehen und steht auch zahlreichen Sportvereinen außerhalb der Schulzeiten zur Verfügung. 2022 erfolgte die Sanierung des Kunstrasenplatzes des SV Horchheim, im selben Jahr die Sanierung des rund 16 Jahre alten Kunstrasenplatzes von Wormatia Worms. 2023 gelang unter federführender Beteiligung von Timo Horst eine Vereinbarung zwischen TuS Neuhausen, Rugby Club Worms und SG Eintracht Herrnsheim. Die drei Vereine nutzen seitdem gemeinsam die städtischen Sportanlagen an der Gaustraße. Ziel war unter anderem, die vorhandene Sportinfrastruktur besser auszulasten und die Kosten für Pflege, Bewässerung, Grundsteuer und Flutlicht entsprechend der Nutzung aufzuteilen. Im Frühjahr 2025 wurde das neue Solardach der Haupttribüne in der EWR-Arena von Wormatia Worms fertiggestellt. Neben der Beseitigung von Sicherheitsmängeln wurde eine Photovoltaikanlage mit knapp 130 kWp sowie Batteriespeicher installiert. Dadurch soll das Stadion künftig rund 130.000 kWh Solarstrom pro Jahr erzeugen können und die Notstromversorgung der Sicherheitsbeleuchtung verbessert werden. Die Stadt unterstützte das Projekt finanziell; Horst hob ausdrücklich die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Land und dem VfR Wormatia 08 Worms hervor. In diesem Jahr begann die Umwandlung des bisherigen Hartplatzes der SG Kickers Worms in der Karl-Marx-Siedlung in ein modernes Naturrasenspielfeld und soll 2027 abgeschlossen sein. Auf dem Gelände der Pfrimmtal-Realschule plus / Diesterweg-Grundschule entsteht derzeit eine komplett neue Bezirkssportanlage mit Kunstrasenplatz, Doppelweitsprunganlage, Hochsprunganlage, Kugelstoßanlage, einer zusätzlichen Calisthenics-Anlage und einem Streetball-Feld. Die Anlage soll sowohl dem Schulsport als auch den Wormser Sportvereinen zur Verfügung stehen und im nächsten Jahr fertiggestellt sein. Ein Blick auf die Liste der Projekte zeigt, dass unter der sportpolitischen Verantwortung von Timo Horst mehrere bedeutende Sportplatzprojekte mit nach außen hin ruhiger Hand fertiggestellt wurden.
Ungelöste Probleme
Auf der anderen Seite gibt es aber auch die Liste der ungelösten Baustellen, sei es die Tiefgarage Ludwigsplatz, die Tiefgarage Friedrichstraße oder das Nibelungenmuseum und die ehemalige Gewerbeschule, die beide seit Jahren verkauft werden sollen. Getan hat sich bisher nichts. Ins Stocken geraten ist auch die Weiterentwicklung des Domquartiers. Anfang des Jahres hoffte Investor Tim Brauer noch, im Sommer mit dem Abriss des ehemaligen Gesundheitsamtes starten zu können. Zwischenzeitlich hat das Gebäude allerdings immer noch nicht den Besitzer gewechselt, womit der Beginn der Abrissarbeiten wohl in das kommende Jahr rücken wird. Für Verwirrung sorgte in diesem Zusammenhang aber auch die Änderung der Verkehrsregelung in der Andreasstraße. Was viele Jahrzehnte eine unauffällige Straße war, wurde über Nacht 2025 zu einer 30er Zone, inklusive baulicher Veränderungen auf und an der Fahrbahn – nebst einer neuen Ampelschaltung. Die Folge waren Staus, brenzlige Situationen und verärgerte Anwohner. Einer davon ist Daniel Hölzel, der in dem Gebäude gegenüber der Adler Apotheke wohnt und seinen Unmut in einer Mail an unsere Redaktion ausdrückte. Dabei erklärte er, dass er sowohl Stephanie Lohr als auch Timo Horst bezüglich der Straße angeschrieben habe, allerdings nur von Horst eine Antwort erhielt. Letztlich führte der Austausch zu einem Treffen vor Ort zwischen unserem Magazin, Daniel Hölzel und Timo Horst, bei dem der Dezernent durchaus selbstkritisch die Situation vor Ort im aktiven Straßenverkehr beobachtete, zugleich aber auch die Entscheidungen der Straßenverkehrsbehörde, deren Vorgesetzte Stephanie Lohr ist, verteidigte. Doch Hölzel hielt bei dem Treffen ein weiteres Problem bereit, nämlich das innerstädtische Parken, für das Dezernent Horst ebenfalls in Teilen zuständig ist. Das letzte städtische Parkhaus wurde unter Horsts Vorgänger Uwe Franz fertiggestellt. Wie der Anwohner berichtete, ist es zwischenzeitlich nicht mehr möglich, einen Dauerparkplatz im besagten Parkhaus zu bekommen. Horst räumte zwar ein, sich des Problems bewusst zu sein und erläuterte auch einige Ideen, aber eine greifbare Lösung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, durch weitere bauliche Maßnahmen, wie am Adenauerring oder zukünftig am Fischmarkt, wird sich das Problem weiter verschärfen, während das Dezernat Lohr im gleichen Atemzug unter Zustimmung des Stadtrats die Anwohnerparkausweise erheblich verteuert hatte. Da die Stadt selbst in absehbarer Zeit wohl kein Parkhaus mehr bauen wird, ist Horsts Hoffnung, eine Lösung für das Parkraumproblem zu finden, unweigerlich auch mit externen Partnern verknüpft.
Zustand der Schultoiletten & ÖPNV
Ein oftmals zurecht kritisiertes Thema war in den vergangenen Jahren immer wieder der Zustand der Schultoiletten. Das Thema kam Anfang des Jahres unter dem Namen „Sanierungsprogramm Schultoiletten“ auf die Agenda von Timo Horst. Mit der Neugestaltung der Schultoiletten im Eleonoren-Gymnasium und der Grundschule Heppenheim konnten schon mal erste Fortschritte vermerkt werden. Zugleich wurde zwischen dem Dezernenten, der Schule und den Schülern eine Vereinbarung getroffen, dass Schüler gezielt als „Toilettenaufsichten“ in die Verantwortung eingebunden werden. Nun könnte man sicherlich, ähnlich wie bei Lohr, auch hier fragen, warum ein solches Projekt nicht bereits früher angestoßen wurde? Entscheidend ist aber letztlich, dass in diesem Fall eindeutig messbaren Ergebnisse des Programms vorliegen. Messbar ist auch der Rückgang von Beschwerden in Verbindung mit dem öffentlichen Busverkehr, nachdem dieser in der Amtszeit Horst neu ausgeschrieben und organisiert wurde. „Zeitweise hatten wir rund 300 Beschwerden im Monat über den Busverkehr. Heute sind es weniger als zehn“, erklärt Horst. Tatsächlich sind die Tage von DB Regio, als ein Bus auch mal gar nicht kam, mittlerweile vergessen.
Der Kümmerer
Als wir uns Anfang des Jahres bei Mitarbeitern der Stadt Worms umgehört haben, fiel im Zusammenhang mit Timo Horst immer wieder der Satz, dass er sich um bestehende Probleme kümmern würde. Auch wir haben bei Anfragen von Lesern die Erfahrung gemacht, dass sich Horst zuverlässig um eine Lösung der jeweiligen Probleme bemüht hat. Womöglich ist Timo Host mehr ein Pragmatiker als ein Visionär und man könnte argumentieren, dass ein Baudezernent vermutlich mehr glänzen kann als eine Dezernentin, die für Sicherheit und Ordnung zuständig ist. Das stimmt auch. Auch bietet das Zukunftsprogramm von Timo Horst keine spektakulären Ideen, die nicht auch Stephanie Lohr in ähnlicher Form zu bieten hätte. Aber wenn man den Maßstab anlegt, ob Horst in den letzten fünf Jahren infrastrukturelle Probleme in Worms beseitigen konnte – egal ob bei Sportvereinen, Schulen oder Kindertagesstätten – dann kann sich seine Bilanz der umgesetzten Bauvorhaben durchaus sehen lassen.
Kommentar: Dennis Dirigo, Frank Fischer




Dennis Dirigo



