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„ES LEWE GLEICHT ME KARUSSELL“

Kritik zu dem Theaterstück „Erna – Wer schreibt, der bleibt“

19. September 2026 | Sportheim SV Worms-Horchheim: „Es lewe gleicht me Karussell, dreht sich langsam un mol schnell“, hieß es gleich zu Beginn der dreieinhalbstündigen Inszenierung (inkl. Pause). Ganz in diesem Sinne zauberte das Ensemble des Dramödical e.V. ein turbulentes Portrait der fiktiven Wormserin Erna auf die Bühne und begeisterte abermals.

Nachdem in den vergangenen Jahren das Kreativensemble mit den beiden selbstgeschriebenen Stücken „Nibelunge nei besunde“ und „Wow – die Zukunft ist unser!“ überzeugte, stemmten sie in diesem Jahr mit dem clever geschriebenen Portrait einer einfachen, wenn auch mutigen Frau ihr bisher ambitioniertestes Stück. Schließ-lich widmete man sich dem Anspruch, ein knapp 100-jähriges Leben in wenigen Stunden nachvollziehbar auf der Bühne zu skizzieren. Im Mittelpunkt stand die titelgebende Erna. 1926 im Wormser Kiautschau geboren und 100 Jahre später verstorben, zeichneten die Autorinnen Mechthild Vogel und Sandra Hoh nicht nur das Bild einer mutigen empathischen Frau, sondern zugleich gelang es den Autorinnen, ein Portrait dieser Stadt zu zeichnen und dabei immer mal wieder Ausflüge zur großen Weltpolitik zu unternehmen. So durfte natürlich ein kleiner Schlenker von Hitlers Volksempfänger zu Trumps Truth Social nebst Song („So en Kerl wie du, gheert uff alle Fäll, direkt in die Hell“) und Tanzchoreografie nicht fehlen. Eben ein echtes Vogel/HohStück.

Die Hauptspielzeit galt allerdings der Reise durch das vergangene Worms, über die Weimarer Republik, den Zweiten Weltkrieg, den wirtschaftlichen Aufschwung durch die Lederindustrie. Und natürlich dem Leben Ernas, wie sie nach Selbstbestimmung strebt, ihr Talent zum Schreiben entdeckt sowie ihr soziales Gewissen, was sie im Laufe der Handlung auch zur Stiftungsgründerin und Kommunengründerin machte. Zugleich war es ein berührendes Stück über Freundschaft, Liebe, aber auch den Tod. Ganz im Sinne eines Karussells inszenierte das Ensemble das Stück als mitreißende Revue, immer wieder pendelnd zwischen klassischem Theater, Tanzchoreografien (verantwortlich Daniel Usner) und bekannten Songs, die mit Texten im besten Wormser Dialekt ausdrucksstark vorgetragen und von der Band Cabrio gespielt wurden.

Fazit: Die sympathisch aufspielenden Hobby-schauspieler schafften es mühelos, einem die Charaktere vertraut erscheinen zu lassen. Kurzum, ein großartiges Stück, das untermauerte, warum das Ensemble im kommenden Jahr von der kleinen Bühne in Horchheim auf die große Bühne im Wormser Theater wechseln wird.