Als die Frauen noch Petticoats trugen und die Männer Pomade im Haar

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Konzert der Band „The Baseballs“

03. November 2016 | Mozartsaal in Worms:

Schon auf dem ersten Blick war klar, dass dieser Abend kein gewöhnlicher wird. Vor dem Wormser Kulturzentrum tummelten sich Frauen in tuffigen Petticoats, während die Männer aussahen, als seien sie gerade aus dem Casting für ein Remake des James Dean Klassikers „…denn sie wissen nicht was sie tun“ gekommen. Der Grund war aber mitnichten die Besetzung eines Films, sondern ein Konzert der Berliner Formation „The Baseballs“.

Die Spezialität der Band ist es, jüngeren Popklassikern einen süffigen Rock’n’Roll Anstrich zu verpassen. Mit diesem Rezept feiern sie seit 2009 große Erfolge und sorgten schon 2010 bei Jazz und Joy für beste Stimmung. Doch es ist nicht nur der neue Anstrich, der die Konzerte dieser Band so attraktiv erscheinen lässt. Vielmehr ist es der nostalgisch verklärte Blick auf eine Zeit, die scheinbar unbeschwerter war. Als sehnten sich die Fans in diese Ära zurück, kleidete man sich entsprechend, während die Band dafür sorgte, dass man sich über zwei Stunden in ihren Stimmen und Instrumenten verlieren konnte. Dementsprechend glich der prächtig gefüllte Mozartsaal einer ausgelassenen Partymeile. Die drei Sänger fanden im Wormser Publikum dankbare Backgroundsänger. Andere, die ihre Stimme schonen wollten, zeigten, was sie einst in der Tanzschule gelernt hatten und ließen ordentlich die Hüften kreisen. Musikalisch lag der Reiz darin, Songs, die man in ihren gefälligen Poparrangement bestens aus dem Radio kennt, mit einem neuen Charakter auszustatten. Statt im glattgebügelten Popkleid erklang z.B. der No Angels Hit „Daylight“ in einer groovigen Version, während der 90er Jahre Disco Feger „Let’s talk about sex“ in einer lasziv gesungenen A-Capella-Version ein Comeback feierte. Clever arrangiert mit einer Chuck Berry Gedächtnisgitarre versprühte auch das abgenudelte Britney Spears Debüt „Hit me Baby…“ neuen Esprit.

FAZIT: Zwar wirkte die Rock’n’Roll Maschine der Baseballs zuweilen ein wenig zu gut geölt und routiniert, das änderte aber nichts am Spaßfaktor. Ein weitestgehend gut gelauntes Publikum bedankte sich am Ende des sorgenfreien Abends mit frenetischem Applaus.