Auf der wundersamen Suche nach dem eigenen Ich

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Theateraufführung „Wer zum Teufel ist Alice?“

17. Juli 2019 | Lincoln Theater:

Im Umfeld der Nibelungen-Festspiele entstanden, präsentiert die Nibelungenhorde jedes Jahr während der Festspiele ein Stück, das unter Anleitung professioneller Coaches entwickelt wurde. In diesem Jahr nahm man sich des britischen Klassikers „Alice im Wunderland“ an und interpretierte diesen im Sinne heranwachsender junger Menschen. Das Ergebnis fiel einmal mehr beeindruckend aus.

Das Besondere an Lewis Carrolls Roman, der 1865 erschien, ist, dass er in vielerlei Hinsicht gedeutet werden kann und bis heute gleichermaßen Kinder wie Erwachsene begeistert. Eigentlich als Kinderbuch verfasst, eroberte das mit satirischen Spitzen gespickte Buch schnell auch die Herzen älterer Leser. In der Version der Nibelungenhorde stand – ganz im Sinne der jugendlichen Teilnehmer – die Frage nach dem eigenen „Ich“ im Mittelpunkt.
Nach einem Unfall liegt Alice im Koma. Als sie aufwacht, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Auf der anschließenden Suche nach ihrer Identität begegnet sie allerhand skurrilen Personen, wie dem Hutmacher, der in seltsam antiquierter Weise spricht und sich bewegt, dem Märzhasen, einer Red Queen, die jederzeit irgendjemanden den Kopf abhauen möchte oder der lebensklugen Grinsekatze, die immer einen weisen Spruch auf den Lippen hat. Im Club der toten Viecher macht sie die Bekanntschaft mit einer ganzen Reihe seltsamer Tiere. Traumgleich wandert Alice durch diese bizarre Welt, immer hoffend, die Antwort darauf zu finden, wer sie ist und wie sie wieder ins Leben findet. In elf Tagen erarbeiteten die Jugendlichen das Stück, das von dem erfahrenen Horde-Regisseur Uwe John angeregt wurde. Eine erstaunlich kurze Zeitspanne, die der Aufführung zu keinem Moment anzumerken war. Als würden die Jugendlichen bereits ihr ganzes Leben auf der Bühne stehen, spielten, tanzten und sangen sie sich durch diese verrückte Welt. Beeindruckende Momente gab es jede Menge, wie z.B. der perfekt choreografierte Fünf-Uhr-Tee oder die einzelnen Gesangsnummern, die stimmlich überzeugen konnten. Selbiges galt für das fantasievolle Bühnenbild oder die gelungenen Masken.

Fazit: Sie sind der wahre Schatz der Nibelungen-Festspiele, die Nibelungenhorde. In diesem Jahr zauberte die Truppe wahrlich ein Wunderland auf die Kleinkunstbühne im Lincoln. Schade, dass es lediglich bei einer einzigen Aufführung blieb.