Der Hugo und die rechte Hand

, , Kommentar schreiben

Theateraufführung „Aufguss“, eine Komödie von René Heinersdorff

20. Februar 2016
Das Wormser Theater in Worms:

Es ist schon ein ungewöhnliches Setting, dass der Düsseldorfer Autor und Schauspieler René Heinersdorff für seine Komödie „Aufguss“ ausgewählt hatte, nämlich den Wellnessbereich eines Hotels. Genauer gesagt die Sauna. Dort trafen zwei Frauen und drei Männer aufeinander, die sich offenbar hoffnungslos im Netz der Missverständnisse verhedderten.

Dieter (Hugo Egon Balder) ist Mitte sechzig und Geschäftsmann in gewissen Nöten. Nicht mehr ganz auf der Höhe seiner Männlichkeit, hat er seiner Geliebten Mary (Madeleine Niesche) einen Samenspender in das Hotel bestellt. Zur gleichen Zeit halten sich dort auch der etwas schrullige Kinderarzt Dr. Lothar und seine attraktive Assistentin Emelie (Jeanette Biederman) auf. Die hoffen wiederum auf eine Geldspende des Geschäftsmannes. Da aber grundsätzlich nur von einer Spende und diversen anderen Doppeldeutigkeiten gesprochen wird („Darf ich vorstellen, meine rechte Hand!“), kommt es wie es kommen muss und die Verwirrung ist irgendwann komplett. Dabei ist der Weg bis zum Happy End ein mehr als schlüpfriger, bei dem die Pfade des guten Geschmacks auch schon mal deutlich verlassen wurden. Es war schon erstaunlich, zu beobachten, wie es Autor Heinersdorf schaffte, aus einem einzigen Wortwitz ein rund zweistündiges, gut gelauntes Boulevard Theaterstück zu basteln. Dass dies gelang, lag vor allem an dem gut eingespielten Quintett, das es mit perfektem Timing verstand, sich die Bälle gekonnt zuzuspielen. Besonders Biedermann und Heinersdorff begeisterten mit einer erstaunlichen Präsenz, während der Zoten erfahrene Balder ein wenig unter der etwas zu leisen Aussprache litt. Dass das Stück nicht zur schlüpfrigen Nummernrevue verkam, lag aber auch an Heinersdorffs behutsamer Regie, die den Schauspielern ausreichend Raum gab, um eine Bindung zum Publikum aufzubauen. Für das Publikum gab es am Ende kein Halten mehr und es ergab sich dem Ensemble in euphorischem Applaus.

Fazit: Es dürfte wohl die erste Saunakomödie auf deutschen Bühnen gewesen sein, die an diesem Abend die Wormser Bühne in ein schlüpfriges Feuchtgebiet verwandelte. Gut gelaunte Darsteller sorgten derweil für einen unterhaltsamen Abend.