Der scheidende Dieter

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Dieter Wedel – ehemaliger Intendant der Nibelungen Festspiele

Im Juli 2014 nahm Dieter Wedel nach stolzen 13 Jahren als Intendant der Nibelungen Festspiele seinen Abschied und kündigte an, dass er sich nach dem Festspielstress erst mal auf das Schreiben von Geschichten und Drehbüchern konzentrieren werde. Sprach’s und unterschrieb zwei Monate später bis 2018 in Bad Hersfeld, weil er Intendant der dortigen Festspiele wurde.

Natürlich sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass Wedel zum Abschied nicht nur von den Wormsern gefeiert wurde, sondern auch von den Feuilletons des Landes mit überraschend viel Lob versehen wurde. Gemeinsames Fazit: Endlich habe Wedel verstanden, worum es beim Theater ginge. Entsprechend ließ der Erfolgsregisseur in „Born this Way“ die Burgunder mit Maschinengewehren auflaufen, ehe sie – wie heute im Nahen Osten – Opfer eines Gasanschlags wurden. Was so manchen Zuschauer mit dem Kopf schütteln ließ, sorgte bei den Kritikern für Schenkelklopfer. Auch das Land Rheinland-Pfalz ließ sich nicht lumpen, denn aus den Händen von Ministerpräsidentin Malu Dreyer erhielt Wedel den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz. Der ließ keine Gelegenheit aus, die „tolle Zeit in Worms“ zu loben, auch wenn er immer wieder durchklingen ließ, wie anstrengend und kräfteraubend solche Festspiele doch seien. Umso überraschter durfte man sein, als dann bekannt wurde, dass ausgerechnet Dieter Wedel in der Kurstadt Bad Hersfeld die Scherben der dortigen Festspiele zusammen kehren soll. Ex-Intendant Holk Freytag musste nach einem heftigen Streit um einen gekürzten Etat mit Bürgermeister Thomas Fehling (FDP) gehen. Aufgrund dessen gingen die Bad Hersfelder auf die Barrikaden und sammelten 10.000 Unterschriften von Leuten, die für eine Wiedereinstellung des beliebten Intendanten plädierten, was bei 38.000 Einwohnern durchaus beachtlich ist. Pikanterweise wurde Bürgermeister Fehling nur von 3.500 Leuten gewählt, boxte aber im Alleingang die neue Lösung, Dieter Wedel, durch. Der alte Regiefuchs stellte nun Ende November das neue Programm vor und betrat die Kundenhalle der dort ansässigen Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg, wo die Pressekonferenz stattfand, standesgemäß mit einer Sonnenbrille. Das an sich war noch nicht überraschend, aber dafür Wedels Coup, zur Überraschung aller den alten Intendanten Freytag mit ins Boot zu holen, der das Stück „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist auf der Bühne der Stiftsruine inszenieren wird. Ein cleverer Schachzug Wedels, der zumindest zum Teil zu einer Befriedung der Situation beiträgt. Wie die Osthessen-News einen Tag später verkündeten, wollte Wedel seine Wormser Zeit nicht so kommentarlos stehen lassen: „Dieter Wedel plauderte aus seinem reichen Erfahrungsschatz, kehrte gedanklich immer wieder zu den von ihm erfolgreich geführten Nibelungen Festspielen in Worms zurück, aber sein Hauptthema waren natürlich die Bad Hersfelder Festspiele.“

Was jedoch seine „neuen Ideen“ in der Kurstadt angeht, hat Wedel offensichtlich auf „das Beste aus Worms“ zurückgegriffen. Zum ersten Mal werden die Bad Hersfelder Festspiele den Park rund um die Stiftsruine als Spielort nutzen. Mit glanzvoller Beleuchtung und gastronomischen Angeboten verwandelt sich der Park zu einem attraktiven Foyer im Grünen und wird ein Ort der Begegnungen. Da möchten wir aus Worms doch ganz heftig mit unseren „Heylshof“-Schildern protestieren. Aber da gute Ideen nicht unbedingt die neuesten sein müssen, hat Wedel in Nordhessen für großes Staunen gesorgt. Im Übrigen wird auch sein Assistent Joern Hinkel mit Schauspielern, Musikern und Jugendlichen „Sommernachts-Träumereien“, frei nach Shakespeare, inszenieren. Auch die aus dem Vorjahr bekannte Nibelungendarstellerin, Lottofee Franziska Reichenbacher, wird in Bad Hersfeld ein Märchenstück für Kinder aufführen. Man muss sicher kein Prophet sein, um zu mutmaßen, dass in den nächsten Monaten noch der eine oder andere bekannte Nibelungendarsteller aus den Vorjahren in der Besetzungsliste auftauchen wird. Das bringt uns zu einer im Jahr 2015 für uns Wormser ungemein spannenden Frage: Findet André Eisermann eine neue Festanstellung in Bad Hersfeld?