Die zwei Seiten des menschlichen Wesens

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Kritik zur Theaterinszenierung „Oskar Schindlers Liste“

22. März 2019 | Das Wormser Theater:

Steven Spielberg setzte 1993 dem damals fast in Vergessenheit geratenen Unternehmer Oskar Schindler, der im zweiten Weltkrieg 1200 Juden das Leben rettete, ein filmisches Denkmal. Florian Battermann, Autor dieser Theaterinszenierung, legt zwar Wert darauf zu betonen, dass er – im Gegensatz zum Hollywood Regisseur – den Fokus stärker auf Schindlers Motivation richtet, diesem großen Anspruch wurde er allerdings nur zum Teil gerecht.

Letztlich findet Battermann die gleichen Antworten wie seinerzeit Spielberg. Zugute kam allerdings dem Autor, dass er, durch die zwangsläufige Beschränktheit einer Theaterinszenierung gegenüber einem Kinofilm, gezwungen war, die Geschichte zu verdichten und damit noch stärker Oskar Schindler in das Zentrum der Handlung rückte. Oskar Schindler war natürlich kein Weltenretter und schon gar kein Heiliger. Der Unternehmer, der zu Beginn des Krieges auch als Agent tätig war, wurde von Battermann als Bonvivant in Szene gesetzt, der guten Champagner genauso schätzte wie schöne Frauen. Schindler ist Glücksritter, Spieler und auch ein Opportunist, in dem sich alsbald jedoch ein menschliches Gewissen regt. Spätestens als Battermann den SS-Offizier Amon Göth als Antagonisten in Stellung brachte, war klar, worauf die Inszenierung hinaus wollte. Beide Charaktere werden zu Herrschern über Leben und Tod. Während der Lebemann Schindler sein Gewissen entdeckt, findet Göth den Dämon in sich, der sich gottgleich inszeniert und aus der Laune heraus darüber entscheidet, ob er tötet oder nicht. Wo Spielberg sich mühte, dieser Figur noch ein paar menschliche Facetten abzugewinnen, war Göth hier einfach nur böse und Schindler, trotz seiner Schwächen, der Gute. Insofern wurde der Autor seinem eigenen Anspruch, Fragen zu finden, nur teilweise gerecht. Eine Babypuppe musste als Symbol für Schindlers erwachtes Gewissen reichen.

Fazit: Dass die Inszenierung am Ende dennoch als gelungen bezeichnet werden kann, lag am einnehmenden Spiel der Darsteller, allen voran Stefan Bockelmann in der Rolle des Oskar Schindler, und der straffen Umsetzung der Bühnenvorlage.