Wer liest, ist klar im Vorteil!

, , Leave a comment

Theaterkritik zu „Die Analphabetin, die rechnen konnte“

12. März 2019 | Das Wormser Theater:

Wer das Buch „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ gelesen hatte oder zumindest den Film sah, weiß, dass der schwedische Autor Jonas Jonasson mit einem Sinn für besonders absurde Komik gesegnet ist. Diesem Faible frönt der Autor auch in seinem zweiten Roman, der in einer Theaterfassung auch den Weg auf die Wormser Theaterbühne fand.

Ein wesentliches Element der Geschichte ist das Spiel mit der Verwechslung. Das beginnt bereits mit den beiden männlichen Hauptpersonen, die beide auf den Namen Holger hören und eineiige Zwillinge sind. Weil das alleine nicht reicht, tragen sie auch noch die gleichen Klamotten. Ein besonderer Augenfänger ist hierbei ein mit Kreuzen bestickter Pullover. Nur in Hinblick auf ihren Durchblick unterscheiden sie sich enorm. Holger 1 ist ein ausgemachter Trottel, dessen einziger Lebensinhalt der Kampf gegen den schwedischen König ist. Holger 2 ist deutlich smarter, wird durch den Bruder und dessen durchgeknallte Freundin Celestine aber immer wieder in peinliche Situationen gebracht. Vollends chaotisch wird es, als die südafrikanische Asylantin Nombeko mit einer großen Kiste auftaucht. Eigentlich sollte darin Antilopenfleisch sein, aber da Nombeko genauso wie die südafrikanischen Grenzer einen fatalen Hang zur Leseschwäche hat, passiert es eben, dass ihr Koffer mit einem weitaus gefährlicheren Koffer vertauscht wird. Inhalt: eine Atombombe. Natürlich möchte sie diesen brandgefährlichen Koffer schnellstmöglich loswerden, was gar nicht so einfach ist. Die junge Schauspielerin Lennora Esi in der Rolle der Nombeko war dann auch zugleich das darstellerische Highlight dieser Aufführung. Mit natürlicher Ausstrahlung war es ihr ein Leichtes, das Wormser Publikum für sich zu gewinnen. Zugleich kam ihrer Figur, die übrigens über ein außerordentliches Rechentalent verfügt, die Aufgabe zu, im Handlungschaos etwas für Ordnung zu sorgen, was nicht unbedingt einfach war.

Fazit: Jonassons Geschichte strotzt geradezu vor überraschenden Wendungen, Ortswechseln und unterschiedlichsten Personen, sodass man schon mal den Überblick verlieren konnte. Dennoch sorgte das Stück für gute Laune und begeisterte mit einer fantasievollen Regieleistung und tollen Darstellerleistungen.