Musikalische Traumlandschaften von der Insel

, , Leave a comment

Konzertkritik zur „Clannad Turas Tour 2019“

21. Februar 2019 | Das Wormser (Mozartsaal):

Als die Geschwister Moya (Gesang, Harfe), Ciarán (Kontrabass) und Pól Brennan (Flöte, Gitarre, Bongos) begannen, in der Kneipe ihres Vaters Musik zu machen und damit den Grundstein für eine lange Karriere legten, wurde der Autor dieser Zeilen gerademal geboren. Seit knapp 50 Jahren gehören Clannad immer noch zu den namhaften Vertretern des Irish Folk und spielten nun auch erstmals in Worms.

Das samtene, pastellfarbene Licht ließ bereits erahnen, dass dieser Abend seine Zuschauer in eine traumähnliche Welt zwischen grünen Wiesen und unschuldig dahinplätschernden Bächlein entführen soll, wo jeden Moment ein augenzwinkernder Leprechaun das Publikum mit reinem Glück belohnen könnte. Das Glück erschien dann in Form der besagten Band, empfangen von frenetischem Applaus der treuen Fangemeinschaft, kurz nach 20 Uhr auf der Bühne des Mozartsaals. Bereits der erste Song, „Crann ul“, betörte das Ohr mit sanften Harfenklängen, fein abgestimmtem mehrstimmigen Gesang und begleitet von dezentem Gitarrenspiel. Es war ein purer, reduzierter Klang, der federleicht durch den ansonsten eher biederen Mehrzwecksaal wehte. Die Stücke mit den nahezu unaussprechlichen keltischen Namen, variiert aus Adaptionen irischen Liedguts und Eigenkompositionen aus den letzten fünf Jahrzehnten, pendeln stets zwischen melancholisch bis traurig oder geben in seltenen Momenten die allzu bekannte irische Lebensfreude wieder. Für den Gelegenheitshörer hat dies kaum etwas mit den musikalischen Welten zu tun, die Clannad, unterstützt von Elektronik, in den 80er Jahren auch in die deutschen Singlecharts führte und sich somit einem breiteren Publikum empfohlen. Kurz bevor der Abend mit dem beschwingten Traditional „Teir Abhaile Ru“ seinen Abschluss fand, zauberten die Iren schließlich noch jene Chart-Hits („Robin Hood Medley“ und „Harry’s Game“) auf die Bühne und sorgten so für einen rundum befriedigenden Ausflug einmal quer durch die Karriere des Quartetts, das sich im Anschluss an diese Tournee zur Ruhe setzen möchte.

Fazit: Warum Clannad über fünf Jahrzehnte hinweg sozusagen als Klassenprimus der Folkszene galten, untermauerte dieser Abend mit zarten Klängen. Wäre plötzlich ein Einhorn durch den Mozartsaal gesprungen, es hätte niemand verwundert.