Mit dem Reisebus unterwegs zur Erkenntnis

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Jochen Malmsheimer „Dogensuppe Herzogin – ein Austopf mit Einlage“

22. März 2018 | Lincoln Theater:

Wenn man einen Text über Jochen Malmsheimer damit beginnt, dass er ein Kabarettist von Format ist, entbehrt das natürlich nicht einer Doppeldeutigkeit, denn Malmsheimer verfügt nicht nur über eine formvollendete Sprachgewalt, sondern auch über eine stattliche Statur. Man könnte auch sagen, er hat ein einnehmendes Wesen.

Malmsheimer brauchte dementsprechend auf der Bühne keine unnötigen Requisiten. Kraft seiner Stimmgewalt, die von zärtlich hauchend bis kraftvoll grollend die ganze Palette an Klangfarben abdeckt, und mit seinen geschliffenen, mitunter ein wenig zu selbstverliebten Texten, war es ihm ein Leichtes, das Publikum im ausverkauften Lincoln Theater binnen kürzester Zeit für sich zu gewinnen. Dort stellte er sein aktuelles Programm „Dogensuppe Herzogin – ein Austopf mit Einlage“ vor. Der verschraubte Titel ist hierbei symptomatisch für Malmsheimers Neigung zu absurden Wortspielen, die kaskadenhaft sich auftürmen und den Zuhörer in einen Strudel aberwitziger Situationen zieht. Der Träger des Deutschen Kabarettpreises nahm das Publikum mit auf eine eigenwillige Reise vom Ruhrpott nach Venedig. Eine Busfahrt, die er nur widerwillig gemeinsam mit seiner Frau antrat. Seine Schilderungen, an denen er zwei Stunden lang das Publikum teilhaben ließ, umfassten Alltagsbeobachtungen, Abschweifungen (etwa zur eigenen Kindheit mit „Raumschiff Enterprise“, „Daktari“ und den Karl-May-Filmen) oder philosophische Exkurse. Die Reise gipfelte schließlich in eine irrwitzige Traumsequenz, in der der Bus plötzlich von allerhand literarischen und historischen Helden von Siegfried über Robin Hood bis hin zu Martin Luther bevölkert war.

Fazit: Eine Botschaft gab es am Ende auch noch, nämlich, dass das Unheil auf dieser Welt schlicht und ergreifend auf Dummheit zurückzuführen sei. Das beträfe nicht nur die mangelnde Wissensbildung, sondern vor allem auch die Herzensbildung und er forderte das Publikum dazu auf, Kinder wieder mehr lesen zu lassen. Das war weder originell, noch besonders komplex. Dennoch möchte man dem sympathischen Humoristen nicht widersprechen. Die Zustimmung des Publikums war ihm jedenfalls gewiss.