Drei Frauen für ein Königreich

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Uraufführung des Stückes „Die Isländerin“

17. Juli 2016
Lincoln Theater:

Nachwuchsförderung, das war eines der hehren Ziele, die sich Intendant Nico Hofmann bei der Übernahme der Festspiele ganz oben in seine Agenda eintrug. Aus diesem Grund wurde im letzten Jahr erstmals ein Autorenwettbewerb ausgelobt. Von einer fünfköpfigen Jury (darunter Natalia Wörner und Autor Albert Ostermaier) wurde schließlich das Stück „Die Isländerin“, verfasst von der jungen Österreicherin Irene Diwiak, zum Sieger gekrönt.

Lohn der Mühe war die Uraufführung des selbigen im Kulturprogramm der diesjährigen Festspiele. Die Prämisse der Geschichte ist dabei so simpel wie genial. Statt sich mit der gesamten ausufernden Geschichte der Nibelungensage zu beschäftigen, lenkt die in Graz geborene Autorin den Blick in Gänze auf das weibliche Hauptpersonal der Geschichte, was der Nibelungensage eine erfrischend andere Lesart vermittelt. „Die Nibelungen“ als Stück über Migration, Vorurteile und die eigenen gescheiterten Träume. Angelegt als Kammerspiel dreht sich alles in dem Stück um die titelgebende Isländerin Brünhild, deren Ankunft am burgundischen Hof unmittelbar bevorsteht. Damit verbunden sind die unterschiedlichen Perspektiven der Königsmutter Ute und deren Tochter Kriemhild. Während Letztere voller Neugier auf die Fremde aus dem Norden wartet, sieht Ute deren Ankunft skeptisch. Für sie ist klar, Brünhild will das sorgsam geordnete und gepflegte Burgunderreich früher oder später „islandisieren“ und hat es nur auf den Reichtum ihres geliebten Sohnes, König Gunter, abgesehen. Kriemhild erhofft sich indes eine Freundin, die ihr neue Perspektiven bietet und bestenfalls sogar der Ausbruch aus dem öden Heimatland. Doch dann kommt alles anders. Ehe das Stück in den üblichen Nibelungen Wahnsinn abdriftet, überrascht es mit viel Humor und einer erfrischend minimalistischen Inszenierung. Lediglich in der Mitte schlichen sich ein paar Längen ein, die das Frauentrio jedoch mit großer Lust am Spiel ausgleichen konnte.

FAZIT: Nicht immer sind Millionen von Euros nötig, um eine gelungene Inszenierung auf die Beine zu stellen. Fantasie und Mut sind kostenlos und über beides verfügt die Autorin Irene Diwiak ausreichend.