Ein Experiment mit kleinen Schönheitsfehlern

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Konzert „No Borders“ mit Anna Gourari und dem Martin Albrecht Ensemble feat. Asli Kilic

23. Oktober 2016 | Das Wormser Kulturzentrum:

Keine Frage, Russland hat große Komponisten hervorgebracht. Tschaikowsky, Strawinsky oder Prokofjew waren Meister der klassischen Musik. Nicht minder begabt, aber deutlich weniger bekannt ist Alexander Nikolajewitsch Skrjabin (geb. 1872), dem die Kasino- und Musikgesellschaft – in Zusammenarbeit mit dem Lions Club und der KVG – einen ganzen Nachmittag widmete.

Was geboten wurde, war allerdings kein standardmäßiges Konzert, sondern ein Experiment, das wohl allerdings ganz im Sinne des 1915 verstorbenen Russen gewesen sein dürfte. Der exzentrische Russe, der als Hypochonder mit Hang zu Zwangsneurosen wie dem Händewasche nach dem Schütteln selbiger galt, war auch bekannt als Farb-Synästhet. Für Skrjabin waren bestimmte Akkorde oder Töne fest bestimmten Farben zugeordnet. Zeit seines Lebens träumte der Komponist von einem speziell angefertigten Farbenklavier, was aber aufgrund der technischen Möglichkeiten damals nicht umsetzbar war. Zusammen mit dem Videokünstler Richard Geller entwickelte der Jazzmusiker Martin Albrecht ein Konzept, Skrjabins Vision erlebbar zu machen. Während Albrecht mit Unterstützung der Konzertpianistin Asli Kilic die Musik des Russen frei interpretierte, lieferte der Videokünstler die entsprechenden Bilder. Leider funktionierte beides nur bedingt, zumal der Fluss der Musik immer wieder durch ausführliche Erläuterungen einer Moderatorin unterbrochen wurde. Im ersten Teil wurden zuvor die Stücke Skrjabins in den Kontext mit Werken seines Vorbilds Chopins und des von ihm beeinflussten Prokofjew gesetzt. Interpretiert wurden diese von der renommierten Pianistin Anna Gourari. Da diese leider allzu fragmentarisch ausgewählt waren, konnte sich auch hier der entsprechende Hörgenuss nur schwer einstellen.

FAZIT: Technisch einwandfrei inszenierte Werkschau eines weitgehend vergessenen russischen Komponisten, die an einem allzu akademischen Ansatz litt. Dennoch machte das Konzert Lust, sich näher mit dem Komponisten zu beschäftigen, der u.a. atonale Musik, wie sie später der Komponist Arnold Schönberg bekannt machte, vorweg nahm.