Sind Frauen die besseren Männer?

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Theaterinszenierung „Die Päpstin“

22. November 2016 | Das Wormser Theater:

Eine Frau auf dem Heiligen Stuhl? Im 9. so unvorstellbar wie im 21. Jahrhundert. Glaubt man der amerikanischen Autorin Donna W. Cross, so ist dies tatsächlich passiert. Die Historikerin widmete dieser Frau einen ziemlich umfangreichen Roman – „Die Päpstin“.

Irgendwo zwischen historisch anspruchsvoll und trivial Literatur rangierend, fand das Buch eine große Leserschaft. 2009 folgte schließlich die nicht minder erfolgreiche Verfilmung von Sönke Wortmann. Zwei triftige Gründe für Regisseur Thomas Luft, daraus ein Bühnenstück zu machen. Luft und sein Ensemble waren mit dem Stück „Die Wanderhure“ in diesem Jahr schon einmal Gast im Wormser Theater. Die Hauptrolle als Johann von Ingelheim übernahm wie in dem vorigen Stück Anja Klawun. Mit viel Verve spielte sie die wissbegierige junge Frau, die sich im 9. Jahrhundert über alle Regeln und zementierten Glaubensformeln hinwegsetzt. Die liest und schreibt und lernt und letztlich, verkleidet in Männerklamotten auf der Karriereleiter bis hinauf auf den Heiligen Stuhl in Rom klettert. Die Inszenierung punktete mit geschickt arrangierten Video-Einspielungen und einer dezenten, aber gleichwohl dem Stück Tiefe gebenden Musikuntermalung von Georg Karger. Zentrales Bühnenelement waren hingegen 9 sargähnliche Holzkisten, die Regisseur Luft jedem Darsteller an die Hand gab. Das erinnerte zwar formal an „Die Wanderhure“, wo es ähnliche Elemente gab, erwies sich dank einer gelungenen choreografischen Idee als toller Einfall. Mal standen die Kisten einfach für die fehlende Bühnenausstattung, mal symbolisierten sie wahlweise Nähe, Intimität oder Tod. Leider gab es noch eine weniger gelungene Ähnlichkeit zu dem anderen Historienstück. Diese betraf die Dramaturgie.

FAZIT: Es ist natürlich ein nahezu hoffnungsloses Unterfangen, einen 600 Seiten Schmöker auf 150 Minuten Theater zu verdichten. Besonders nach der Pause beginnt das Stück, durch die umfangreiche Geschichte zu hecheln. Das ist insofern schade, weil mit dem angezogenen Tempo die emotionale Tiefe komplett flöten geht. Schade!