Ein Familienevent, so zäh wie ein Marathon

, , Kommentar schreiben

Theateraufführung des Musicals „Der kleine Prinz“

10. Dezember 2016 | Das Wormser Theater:

Fliegen war die Leidenschaft des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry, so dass es nicht verwundert, das Fliegen bzw. Reisen ein zentrales Element seines bekanntesten Buches, dem Kunstmärchen „Der kleine Prinz“, ist.

Angekündigt als Musical für die ganze Familie, entpuppte sich die Bühnenadaption der bekannten Opernsängerin Deborah Sasson als ein für Kinder anstrengendes Unterfangen. Gerne wird die Geschichte um den außerirdischen Prinzen, dessen Reise zur Erde ihn über verschiedene Asteroiden führt, als Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit gesehen. Das Buch ist einem Millionenpublikum bekannt und somit ein begehrtes Objekt für Bearbeitungen. Die jüngste Fassung, ein Musical, das Sasson in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Jochen Sautter schrieb, wurde passend zur Weihnachtszeit im Wormser Theater gezeigt. Mit einer Netto-Spielzeit von mehr als zwei Stunden zeigten sich jedoch viele jüngere Zuschauer überfordert. Zwar begeisterten die farbenprächtigen Kostüme und das fantasievolle Bühnenbild, das aus der Not eine Tugend machte und das fehlende Budget durch gelungene Computereffekte ausglich, erzählerisch stolperte die Inszenierung allerdings an einigen Stellen. Das begann bereits bei der Musik. Nett orchestriert und immerhin live gespielt, waren es vor allem die Melodien der Gesangsnummern, die eine unschöne Nähe zum Schlager zeigten und jegliche Größe vermissen ließen. Zudem konnte auch die Tonmischung nicht immer überzeugen, so dass die Texte oft nur schwer verständlich waren. Das hatte zur Folge, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene – ohne ausreichende Kenntnisse der Geschichte – dieser nur schwer folgen konnten. Zwar bemühten sich die Schauspieler redlich, doch das rettete das überambitionierte Musical auch nicht mehr. Ein Event für die Familie war das mitnichten. Generell ist die Geschichte des kleinen Prinzen, der auf seiner Reise u.a. einen Alkoholiker, einen egoistischen Workaholic und letztlich eine Giftschlange trifft, eher für Jugendlichen als für Kinder geeignet.

FAZIT: Die zähe Inszenierung gab den Ambitionen den Rest, so dass man sich am Ende erschöpft wie nach einem Marathon fühlte.