Als der Berliner Christian Siegmund in Anlehnung an die legendäre Performance der Künstlerin Marina Abramovic, im letzten Jahr erstmals ein 1:1 Konzert veranstaltete, konnte er noch nicht ahnen, dass diese Form eines Individualkonzerts wenige Monate später ein hoch aktuelles Konzept sein wird. Im vergangenen Juli fand das musikalische Blind Date erstmals auch in Worms statt.

Die Idee dieses Konzertabends ist denkbar einfach. Ein Musiker und ein Gast sitzen sich mit einem Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern gegenüber. Für die nächsten 15 Minuten wird kein Wort gewechselt, auch kein Musikwunsch geäußert. Die Aufgabe, zu erspüren, was der Gast hören möchte, hat der Musiker. Der Gast hat wiederum später die Aufgabe zu entscheiden, ob er mit einer Spende das Projekt unterstützen möchte oder nicht. Gespielt wird nicht für den eigenen Geldbeutel, sondern derzeit für die Stiftung des Deutschen Orchesterbundes, der mit dem Geld Musiker, die durch die Corona-Krise arbeitslos geworden sind, unterstützt. Begeistert von dieser ungewöhnliche Form der kulturellen Unterstützung und dem einzigartigen Musikkonzept beschlossen die beiden Wormser Ulrike Lahr und Christian Waas, ein sogenanntes 1:1 Konzert auch in Worms zu veranstalten. Der Weg dahin war aber alles andere als einfach. Christian Waas erzählt im Gespräch mit WO!, dass das Hauptproblem vor allem darin bestand, Musiker zu finden, die dieser Idee folgen. Da man dem Vorurteil vorbeugen wollte, dass Musiker bereits glücklich sind, wenn sie in dieser Zeit mal spielen können, kamen nur welche infrage, die in einem festen Arbeitsverhältnis stehen, also z.B. bei einem Symphonie Orchester beschäftigt sind. Während ein Teil Bedenken hatte, seinen Versicherungsschutz zu verlieren, hatten andere wiederum Berührungsängste, in einer solch intimen Atmosphäre zu spielen. Waas schrieb Rundmails, telefonierte sich die Finger wund und suchte den Kontakt zur Lucie-Kölsch-Musikschule, der schließlich zum Ziel führte. Die Zwei, die man für diesen besonderen Abend gewann, waren der Jazz-Gitarrist Thomas Haag und der Cellist Eric Trümpler. Eine nicht minder wichtige Bedeutung kommt dem Veranstaltungsort zu. Mit den Dominikanern der Pauluskirche fand man schnell interessierte Gastgeber. Im Kreuzgang des Dominikaner Kloster St. Paulus trafen sich schließlich Musiker und Zuhörer. Wie Christian Waas erzählt, war für ihn der Gedanke faszinierend, inmitten eines multikulturellen Mischgebiets, der Altstadt, ein Konzert zu veranstalten, das davon lebt, dass sich fremde Menschen wortlos begegnen und nur durch die Macht der Töne miteinander kommunizieren: „Wir führen Dinge zusammen, die normal nicht zusammengehören!“ Zum Auftakt stellten sich insgesamt acht Zuhörer für jeweils 15 Minuten dieser ungewöhnlichen musikalischen Herausforderung. Sowohl Zuhörer als auch Musiker zeigten sich am Ende begeistert. Für Ulrike Lahr und Christian Waas, die von Mathias Steuer von der Kunsthandlung Steuer unterstützt wurden, stand fest, dass es schon bald ein weiteres Konzert geben wird. Ein konkretes Datum gibt es noch nicht, aber dafür die Idee, in welche Richtung man gehen möchte. Inspiriert vom Gedanken der Begegnung würde man gerne eine „interkulturelle Brücke“ schlagen und Musiker mit einem anderen kulturellen Hintergrund zu diesem Abend einladen. Wunschkandidaten habe die Beiden bereits, ob es diese letztlich sind, die sich dieser Herausforderung stellen, werden wir Ihnen, liebe Leser/innen, zur gegebenen Zeit verraten.

Kontaktdaten für Musiker, interessierte Zuhörer oder wer eine Location zur Verfügung stellen möchte: Ulrike Lahr und Christian Waas unter Telefon 170 2713713 oder per E-Mail worms@1to1concerts.de.