Ein Klassiker wird zum kalauernden Trash-Spektakel

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Kritik zur Theateraufführung „Baskerville“

19. Januar 2020 | Das Wormser Theater

Als der britische Schriftsteller und Arzt Arthur Conan Doyle gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Figur des hochintelligenten, versnobten Privatdetektivs Sherlock Holmes erdachte, mochte dieser wahrscheinlich in seinen kühnsten Träumen nicht daran denken, dass er einmal als Grundlage für eine kalauernde Komödie dient.

Aber dann kam das Altonaer Theater und unterzog ausgerechnet die berühmteste Geschichte einer radikalen Generalüberholung. Wie man dem britischen Detektiv mit Humor begegnet, zeigte bereits Anfang der 70er Jahre der legendäre Regisseur Billy Wilder in dem Film „Das Privatleben des Sherlock Holmes“. Während Wilders Humor subtil bis ironisch war, arbeitete das Altonaer Theaterensemble mit der groben Kelle und machte aus dem spät-viktorianischen Gruselkrimi „Der Hund von Baskerville“ eine alberne Groteske, in der man selbst vor dem Einsatz eines Stoffhasen (?) nicht zurückschreckte. Die Geschichte blieb zwar die selbe, Henry Baskerville, der Erbe eines Schlosses im Moor, fühlt sich um sein Leben bedroht und bittet Holmes um Hilfe, doch die war im turbulenten Tohuwabohu fast nebensächlich, sodass man ohne Kenntnis dieser schnell mal den Überblick verlieren konnte. Da wurden munter auf der Bühne Kostüme und Perücken gewechselt, der Techniker rannte mit Nebelmaschine über selbige, um die obligatorische britische Gruselatmosphäre zu schaffen, ein Mann als Putzfrau schrubbte sich vollkommen sinnbefreit über die Bühne, die in diesem Moment Holmes Wohnung in der legendären Baker Street 21 darstellte, während im Hintergrund immer wieder jemand Schilder mit den Örtlichkeiten, an denen man sich gerade in der Handlung befand, aufhängte. Das Publikum lachte zwar schallend, aber irgendwie wollte man zugleich auch vor lauter Gram das Gesicht in der Hand verstecken.

Fazit: Dass das Stück nicht vollends entgleiste, war nur den spielfreudigen Darstellern zu verdanken. Lediglich Herbert Schöberl als Holmes Assi Dr. Watson wirkte manchmal, als würde er sich fragen, wie er in diese Trash Version von „Der Hund von Baskerville“ geraten war.