Ein Möchtegern-Tiger, der nicht brüllen kann

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Kritik zur Aufführung „Sexbomb – Das Tom Jones Musical“

19. November | Das Wormser Theater:

Der inzwischen 78-jährige Sänger Tom Jones ist einer der letzten lebenden Popgiganten. Entsprungen einer Ära, in der die Fans reihenweise in Ohnmacht fielen, wenn der Waliser mit dem Spitznamen „Tiger“ die Bühne betrat. Er füllte seitenweise die Spalten der Klatschpresse und reihenweise die großen Arenen. Ein Leben, zu groß für die Bühne, zumindest für die Musicalschmiede Seberg Showproduction.

Am Anfang der Aufführung stand der titelgebende Hit „Sexbomb“, jener Song mit Mousse T., der dem Briten einen zweiten Chartfrühling bescherte. In der Musicalfassung zunächst intoniert von einem Solosaxofon, das wenige Takte später Unterstützung durch eine Sängerin fand, ehe schließlich Schauspieler und Sänger Thomas Papp übernahm, der die gewaltige Aufgabe zu meistern hatte, Tom Jones auf der Bühne in Worms zum Leben zu erwecken. Die Musik von Tom Jones lebt durch seine kraftvolle Art zu singen. Er war nie Komponist oder Texter, sondern ein Leben lang die Stimme, die legendären Hits wie „Delilah“, „Thunderball“ oder „She’s a lady“ ihre Seele gab. Jones‘ gewaltiges, unverwechselbares Organ versprühte Sexappeal, Papps Gesang hingegen die gepflegte Langeweile einer routinierten Stimme eines x-beliebigen Coverbandsängers. Sein Schauspiel passte sich diesem an und so wirkte der „Tiger“ eher wie eine Maus, die versuchte zu brüllen. Hinzu kam eine Inszenierung, der jeder Sinn für Dramaturgie abging. Wie eine unspektakuläre Nummernrevue hangelte sich das Stück träge von einer biografischen Station zur nächsten, dazwischen wurde fleißig gesungen. Hierbei kam Papp zu Gute, dass er Unterstützung von diversen Sängerinnen bekam, die nicht die Bürde zu tragen hatten, sich mit anderen Stimmen vergleichen zu müssen. Die Showband unterstützte die Songs mit mitreißendem Spiel, sodass es zumindest im musikalischen Bereich keinen Totalausfall zu verzeichnen gab.

Fazit: Biedere Musical-Inszenierung, der es zu keinem Zeitpunkt gelang, den Mythos Tom Jones dem Publikum erfahrbar zu machen, sich stattdessen damit begnügte, ein bisschen Nostalgie zu verbreiten.