Geburtstagsparty mit der großen, kleinen Marla Glen

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Konzertkritik „Marla Glen“

15. November 2019 | Das Wormser Theater:

Es war der Höhepunkt der Wormser Jazztage, die von der BlueNite in Zusammenarbeit mit der Kultur- und Veranstaltungsgesellschaft (KVG)  organisiert wurden, das Konzert mit der Sängerin Marla Glen. Zugleich war es auch ein würdiges Jubiläumskonzert, denn die Jazzinitiative BlueNite e.V. feierte ihren 20. Geburtstag.

Sichtlich stolz kündigte der Vereinsvorsitzende Volker Wengert dann auch die knapp 60-jährige Blues- und Jazzsängerin mit einem breiten „Bühne frei für Misses Marla Glen“ an. Die quittierte die höfliche Geschlechtsnennung mit einem amüsierten Lachen, da die gebürtige Chicagoerin in der Vergangenheit immer wieder mit ihrem androgynen Äußeren für Verwirrung sorgte. Höhepunkt hierbei das Gerangel mit einem Polizisten in der Schweiz, der sie auf der Damentoilette verhaften wollte, da man sie für einen Mann hielt. Nicht weniger mythenumrankt ist Glens Vorliebe für derbe Sprüche und drogen- oder alkoholinduzierte Ausfälle bei Konzerten. Davon war jedoch beim Konzert im nahezu ausverkauften Theater nichts zu merken, ganz im Gegenteil. Bereits nach wenigen Takten hatte sie das Publikum für sich gewonnen, begeisterte mit ihrer markanten Reibeisenstimme, die wiederum Ausdruck eines bewegten Lebens ist. Geradezu zierlich wirkte sie in ihrem typisch etwas zu groß geschnittenen Anzug und dem zuweilen tief ins Gesicht gezogenen Hut, umso mehr überraschten die kraftvolle Stimme und die Lebenslust, die ihre Bewegungen verströmten, wenn sie sich zum Sound ihrer routiniert aufspielenden Begleitband bewegte. Gegen Ende hatte das zur Folge, dass nicht wenige Zuschauer sich von diesem Musikfieber anstecken ließen und begannen, sich ausgelassen zwischen den Sitzreihen zu bewegen. Einen Höhepunkt fand dies, als sie einen besonders euphorischen Gast auf die Bühne bat, um bei funkigen Klängen ausgelassen das Leben zu feiern.

Fazit: Starkes Konzert mit einer ausdrucksstarken Musikerin, das mit einer fulminanten Version des Muddy Waters-Klassiker „It’s a man’s world“ endete. Die Legende besagt übrigens, dass die kleine Marla vom großen Muddy einst ihre erste Mundharmonika geschenkt bekam und damit das musikalische Feuer entfacht wurde.