Ein Slam im Angesicht der Nibelungen

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„Poetry Slam“ im Rahmenprogramm der Nibelungen Festspiele

14. August 2015
Kesselhaus Worms:

Zum ersten Mal fand auch der Poetry Slam die entsprechende Beachtung im Rahmenprogramm der Nibelungen Festspiele. Im Grunde ein logischer Schluss, ist doch das Nibelungenlied so etwas wie eine Spoken Word Performance. So folgte nach dem Schüler-Slam im nahezu ausverkauften Lincoln Theater nun das Treffen der Slam-Titanen im EWR Kesselhaus, wo die Resonanz eher übersichtlich war.

Fünf Slammer waren aus ganz Deutschland angereist, um ihre Texte zu präsentieren, die sich thematisch mit den Nibelungen beschäftigten. Moderiert wurde von Jens Wienand, der den Slam nach Worms brachte, unterstützt von dem ebenso erfahrenen Slammer Ko Bylanzky. Bevor der Dichterstreit starten konnte, fassten die Beiden die Sage noch einmal zusammen, was ein wenig zu ernst und zu lang geriet. Das war man von Wienand schon besser gewohnt. In der ersten Hälfte, die nicht Teil des Wettbewerbs war, suchten sich die Dichter aus den 39 Aventurien des Nibelungenliedes jeweils eine aus, um diese in ihrer eigenen Sprache vorzutragen. Leider zog sich dieser Part ein wenig, wobei sich einem der Sinn der Vorträge nicht so ganz erschließen wollte. Im zweiten Teil war der eigentliche Poetry Slam deutlich unterhaltsamer. Als hätten die Poeten zuvor mit angezogener Handbremse gedichtet, zeigten sie nun nachdrücklich ihr Talent und bewiesen, welch Potential in dem üppigen Sagenstoff steckt. Derbe ging es bei dem Essener Frank Klötgen zu, bei dem auch mal die Innereien freigelegt wurden, Hagen aus der Grafschaft Thestosteronje stammte und sich am Ende eine Krankheit namens Nibelungenkrebs breit machte. Max Kennel (Bamberg) reflektierte über Kriemhild, in der er eine rachsüchtige Schnepfe sah, während es bei Franziska Holzheimer sogar zu einem Todesmarsch vor dem Kanzleramt kam. Theresa Hahl aus Bochum machte es den Zuhörern nicht leicht und sinnierte über die Funktion des auktorialen Erzählers. Sieger wurde der Hamburger David Friedrich, der im nuschelnden Dieter Nuhr Duktus über Siegfried sinnierte, der im „Bud Spencer Style“ einfach auf die Fresse hauen würde. Etwas eigenwillig wirkte sein Blick auf die derzeitige Flüchtlingsproblematik, den er dank eines leisen, fein formulierten Witzes etwas kaschieren konnte. Bei der Abstimmung fiel übrigens der Ex Fußballer Jimmy Hartwig besonders ins Gewicht. Dieser integrierte gleich die Stühle in den Applaus, so dass man ein wenig Bedenken um das Interieur haben musste.

Fazit: Eine gelungene Premiere für die Nibelungen-Poeten mit einer etwas zweifelhaften Umsetzung, an der noch ein wenig gefeilt werden muss. Es war jedoch erfrischend zu hören, wie eigenwillig zuweilen der Blick auf das Nibelungenlied sein kann.