Ein wichtiges Sprachrohr für Menschen mit Beeinträchtigungen

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Beirat für Menschen mit Behinderungen traf sich zur konstituierenden Sitzung

Wahrscheinlich dürfte den meisten Wormsern bekannt sein, dass das wichtigste Organ der demokratischen Mitbestimmung auf kommunaler Ebene der gewählte Stadtrat ist. Dieser prägt mit seinen Entscheidungen das Leben in Worms maßgeblich. Weniger bekannt dürften die drei Beiräte (Senioren-, Migrations- und Integrations- sowie der Behindertenbeirat) sein, die ebenfalls wichtige Funktionen übernehmen.

Bereits Ende Oktober 2019 wurden der Seniorenbeirat sowie der Beirat für Migration- und Integration von wahlberechtigten Bürgern gewählt und bestätigt. Beim Behindertenbeirat, oder wie er offiziell heißt „Mitglieder des kommunalen Beirates für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen“, ist der Vorgang wiederum etwas anders. Über einen Aufruf fordert die Stadt Menschen mit Beeinträchtigungen auf, sich bei Interesse für den Beirat zu bewerben. Möglich sind auch Bewerber, die familiär im direkten Zusammenhang mit dem Thema stehen. Die Fachstelle für Senioren und Inklusion stellt nach Eingang dieser eine Liste zusammen, in der man die Bewerber in stimmberechtigte Mitglieder und deren Vertreter einteilt. Diese wird im Anschluss dem Sozialausschuss und letztlich dem Stadtrat zur Bestätigung vorgelegt. Wichtig ist der Stadt, dass möglichst viele unterschiedliche Formen von Beeinträchtigungen vertreten sind.

Am 10. Februar fand schließlich die konstituierende Sitzung statt, in der die acht stimmberechtigten Mitglieder und deren Vertreter von Oberbürgermeister Adolf Kessel per Handschlag für die vierjährige Amtszeit verpflichtet wurden. Als sogenanntes „geborenes Mitglied“ ist auch Sozialdezernent Waldemar Herder in dem Beirat stimmberechtigtes Mitglied. Ebenfalls in beratender Funktion beteiligen sich fünf Vertreter freier Träger oder von Wohlfahrtsverbänden. Nach einer geheimen Abstimmung wurden Wolfgang Schall und Silke Geppert einstimmig zum Vorsitzenden und dessen Vertreterin gewählt. Beide waren in diesen Funktionen bereits die letzten fünf Jahre für den Beirat tätig. Adolf Kessel betonte in der Sitzung, dass der Beirat ein wichtiges Sprachrohr für Menschen mit Beeinträchtigungen ist. Sabine Steffens, Abteilungsleiterin der Fachstelle für Senioren und Inklusion, unterstrich dies mit dem Satz, dass das Thema Inklusion weiterhin in die Stadt getragen werden muss. Zuletzt erregte der Beirat Aufmerksamkeit, in dem er sich für eine behindertengerechte Toilette im Wormser Rathaus einsetzte. Für Adolf Kessel eine Selbstverständlichkeit, weshalb er unlängst dafür sorgte, dass im städtischen Haushalt 100.000 Euro für die Umsetzung eingestellt wurden. Trotz widrigen Wetters kann man auch getrost das erste Inklusionsfest, das im vergangenen Jahr zum ersten Mal stattfand, als Erfolg betrachten. Im Austausch zwischen den Anwesenden wurde schnell klar, dass das Thema immer noch zu wenig im Fokus vieler Bürger steht. So klagten einzelne Mitglieder über nicht barrierefreie Busse, sodass eine Mitnahme mit Rollstuhl erst gar nicht möglich ist, oder über zugeparkte Gehwege, die ein problemloses Fortkommen kaum ermöglichen. Eine Wormserin merkte im Gespräch mit WO! an, dass es immer wieder vorkommt, dass Behindertenparkplätze von nichtbehinderten PKW-Fahrern blockiert werden.

Wie Sabine Steffens informierte, leben in Worms derzeit 15.482 Menschen mit registrierten Beeinträchtigungen. Eine stattliche Zahl. Umso wichtiger ist es, dass diese Menschen ein Sprachrohr erfahren. Der Vorsitzende Schall steht diesen Menschen auch in seinen zweimal im Monat stattfindenden Sprechstunden zur Verfügung (erster und dritter Montag eines Monats). In der knappen Zeit, die ihm zur Verfügung steht, konnte er so allein im vergangenen Jahr 64 Sprechstunden anbieten mit ca. vier Personen pro Sprechstunde. Für die nächsten Jahre hat der Beirat bereits einige Vorhaben. So möchte man einen barrierefreien Stadtführer, inklusive App, auf den Weg bringen, ein Barrierekataster schaffen und eine Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat anstreben, der sich oftmals mit ähnlich gelagerten Problemen auseinandersetzt. Des Weiteren möchte man den Aktionsplan zur Inklusion behinderter Menschen überarbeiten. Der Beirat übernimmt auch in den verschiedenen Ausschüssen, wie dem Bauausschuss, eine beratende Funktion. Letztlich brachte es ein Mitglied während der Sitzung auf den Punkt: „Meckern kann jeder, aber ich kann mich einbringen und vielleicht auch was bewirken.“