EINE TRAURIGE REISE NACH MITTELERDE
Kritik zu „Der Hobbit/Herr der Ringe – Live in Concert“

25. März 2026 | Das Wormser Theater: Es war einmal ein Komponist, der verbrachte Jahre damit, die Musik zu sechs Blockbustern zu komponieren. Er gewann für die ersten drei zahlreiche Preise und brachte die Musik auf die Konzertbühnen. Doch nicht alles, was wie Ringgold aussieht, ist es auch…
Der Komponist ist der Kanadier Howard Shore, der die Musik zu der „Herr der Ringe“Trilogie sowie zu der „Hobbit“Trilogie schrieb und für die RingeFilme mit insgesamt drei Oscars ausgezeichnet wurde. Die Filmmusik gilt bis heute als eine der eindrucksvollsten Kompositionen der Filmgeschichte. Shore verbrachte Jahre mit dem Komponieren und schuf alleine für die „Herr der Ringe“ Filme rund neun Stunden Musik. Der Materialaufwand war enorm. Eingespielt wurde die Musik von einem hundertköpfigen Orchester, unterstützt von einem rund sechzigstimmigen Chor. Das Ergebnis, sichtlich beeinflusst von Wagner, definierte Epik im Kino neu. Bis heute ist die Musik ungebrochen beliebt und lockt damit auch zweifelhafte Konzertveranstalter an.
Seit einigen Jahren tourt ein Orchester im Auftrag von Star Entertainment in wechselnder Besetzung durch Europa und lehrt das Publikum, was es bedeutet, einer vom Komponisten ausdrücklich nicht autorisierten Umsetzung beizuwohnen. Ganz im Gegenteil erklärte Howard Shore bereits: „Es gibt eine aktuelle Klage, um die Konzerte zu stoppen.“ Überdies streute man in den ersten Teil zwei Kompositionen ein, die überhaupt nichts mit Shores Werk zu tun hatten, ehe man das sichtlich irritierte Publikum bereits nach 30 Minuten in die erste Pause entließ. Nach der Unterbrechung rumpelte das Orchester noch 45 Minuten durch Mittelerde, sodass die traurige Reise nach mageren 75 Minuten endete. Aber das erlebte der Autor dieser Zeilen nicht mehr, da er sich in der Pause dazu entschied, lieber zuhause noch einmal die Originaleinspielungen zu genießen.
Fazit: In dieser Westentaschenvariante eines epischen Konzertes schrumpfte das Orchester auf knapp 30 Personen zusammen, was sich auch im teils desaströsen Klangbild widerspiegelte.Insbesondere die wichtigen Paukenschläge klangen eher nach verzweifelten Tritten auf die Bassdrum eines Schulschlagzeugs. Originalmelodien wurden vielmehr interpretiert und glichen atmosphärischer Filmuntermalung, die dann jäh von einer bekannten Melodie, wie dem „Gefährten“ oder dem „Auenland“ Thema, aufgebrochen wurde, nur um ebenso abrupt wieder zu enden. Den Chor traf es noch schlimmer. Oftmals nur zaghaft an den Mundbewegungen zu erkennen, versank er bei den dramatischen Momenten im dumpfen Klangbild des Orchesters. Am Ende brachte es bei Facebook ein Nutzer auf den Punkt: „Na, da wurden wir ordentlich gescammt!“
Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf




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