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Ernüchterung… und ein klein wenig Hoffnung

Wormatia Worms steht zur Winterpause auf Platz sechs

Mit einem Feuerwerk mitsamt Pyroshow verabschiedeten sich die Sups noch einmal gebührend. Foto: Wormatia Worms

Geht man nach den nackten Zahlen, dann hat Wormatia Worms zur Winterpause eine ähnlich enttäuschende Bilanz vorzuweisen wie im Jahr 2024. Während jedoch im Vorjahr die Enttäuschung über ein von Anfang an chancenloses Team riesengroß war, konnte man in der aktuellen Saison zumindest zwölf Spieltage lang sehen, dass mehr Potential in der Mannschaft steckt, als sie dann in den letzten acht Spielen gezeigt hat.

In der aktuellen Saison hat Wormatia Worms in 20 Spielen 30 Punkte eingefahren (9 Siege, 3 Unentschieden / 8 Niederlagen bei 41:34 Toren) und liegt zur Winterpause auf Platz sechs, mit einem Rückstand von 16 Punkten zu Relegationsplatz zwei. Der Abstand zum ersten Abstiegsplatz beträgt derweil acht Punkte. Damit hat man gerade mal einen Sieg mehr als im Vorjahr (8 S / 3 U / 9 N) erzielt. Während jedoch im Jahresrückblick 2024 das große Trübsal blasen angesagt war, weil der neue Trainer Marco Reifenscheidt erst kurz zuvor nach einer desolaten Vorrunde von Peter Tretter übernommen hatte und der Abgang von Toptorjäger Jan Dahlke bevorstand, stehen die Vorzeichen diesmal besser. Denn mit 28 Punkten aus den ersten 12 Spielen zählte Wormatia Worms in der aktuellen Saison zumindest eine Zeitlang zum engsten Kreis der Titelkandidaten. Dass dann nach dem tragischen Pokal-Aus im Elfmeterschießen gegen den FK Pirmasens alle Dämme brachen und nur noch zwei Punkte in den restlichen acht Spielen erreicht wurden, gilt es, in der Winterpause aufzuarbeiten und wieder zur alten Stärke zurückzufinden.

Die unumstößliche Wahrheit lautet, dass die beiden Spitzenteams FK PIRMASENS (46 P.) und Tabellenführer 1. FC KAISERSLAUTERN II (47 P.) – gemessen an der Substanz des Kaders – weit vor der Wormatia liegen. Ob man noch zu den danach folgenden Teams wie den FV ENGERS (38 P.), TUS KOBLENZ (34 P., zwei Spiele weniger) oder EMMELSHAUSEN-KARBACH (33 P.) aufschließen kann, werden die restlichen Spiele nach der Winterpause zeigen. Dass der aktuelle sechste Platz der Wormatia nicht die Ansprüche des Vereins widerspiegelt, ist das eine. Dass aber nach 20 Spieltagen selbst die knapp dahinter liegen-den Aufsteiger TSV GAU-ODERNHEIM (30 P.), FC HERTHA WIESBACH (29 P.) und FC COSMOS KOBLENZ (29 P.) mittlerweile auf Augenhöhe mit der Wormatia agieren, sollte, in Anbetracht deutlicher niedrigerer Spieleretats als bei der Wormatia, ein wenig nachdenklich stimmen.

Gewinner und Verlierer

Die Gewinner der bisherigen Runde sind die Spieler, deren mögliches Fehlen für einen Qualitätsverlust sorgt, der mit dem aktuellen Kader (noch) nicht zu kompensieren ist. Dazu zählen Torhüter TOBIAS EDINGER, Abwehrchef und Kapitän ALTIN VRELLA, Allrounder LAURENZ GRAF, Regisseur MERT ÖZKAYA sowie NICO JÄGER in der Offensive. M. Özkaya (8 Treffer, 10 Torvorlagen) und Jäger (7 Tore, 3 Vorlagen) sind auch die Top-Scorer der Wormatia. Auch Graf (3 Tore, 3 Vorlagen) und Vrella (2 Tore, 1 Vorlage) konnten sich als Scorer hervortun, ebenso wie die positiv auffallenden MARC-MICHAEL NAUTH (3 Tore, 1 Vorlage) auf Rechtsaußen sowie „Achter“ TOM FLADUNG (1 Tor, 1 Vorlage), wobei der dritte Platz der internen Scorerliste mit jeweils vier Treffern an gleich drei Spieler ging, die allesamt zeitweise als Mittelstürmer agierten: NIKLAS MEYER (zus. 4 Vorlagen), NOAH MAIER (2 Vorlagen) und Edeljoker BOBBY EDET (1 Vorlage).

Für alle drei gilt allerdings, dass sie nach der Winterpause noch eine Schippe draufpacken müssen. Was die Defensive angeht, waren die Außenverteidigerpositionen Schwachstellen und in der Innenverteidigung bleibt die Rückkehr von LEO KLEIN abzuwarten, der bis zu seinem verletzungsbedingten Ausscheiden am 4. Spieltag positiv aufgefallen war. Da der VfR bereits vor der Winterpause personell nachgelegt hat (siehe unten) und noch weitere Neuzugänge zu erwarten sind, wird der aktuell 27-köpfige Kader sicherlich noch ausgedünnt werden und die eine oder andere Vertragsauflösung anstehen. Geht man nach den Einsatzzeiten in den bisherigen 20 Punktspielen, dürften aus dem aktuellen Kader THOMAS ROETYNCK, MALIK YERIMA, MORITZ GOTTHARDT,  AJET  GRAJCEVCI  und  DAVID SCHEHL zu den Wackelkandidaten zählen.

Aufräumarbeiten

Der bisherige Saisonverlauf brachte die Erkenntnis, dass die aktuelle Mannschaft der Wormatia mehr zu leisten imstande ist, aber Verstärkungen unabdingbar sind, wenn man in der nächsten Saison oben mitspielen will. Um die Planungen voranzutreiben, wurde die wichtigste Personalie frühzeitig geklärt: ANOUAR DDAOU bleibt auch über die Saison hinaus Trainer des VfR Wormatia. Hierzu erklärte der Sportliche Leiter Aydin Ay„Wir wollen den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen und Strukturen schaffen, die uns langfristig erfolgreich machen. Das bedeutet auch, Zeit zu geben, damit etwas wachsen kann. Anouar ist ein Fachmann, er kennt die Liga und nun auch den Verein. Er kommt mit seiner Art gut an in der Mannschaft und im Verein, hat aber auch klare Vorstellungen und Erwartungen an seine Spieler.“ Für frisches Blut im Kader sollen externe und interne Neuzugänge sorgen. Bereits vor der Win-terpause kam FRIEDEL RALDA DE OLIVEIRA, der von der eigenen U19 dazu gestoßen ist, in zwei Spielen als Rechtsverteidiger zum Einsatz und machte seine Sache gut.

Zudem wurde Ende November der 19-jährige Kanadier ALAZAR MULUGETA, der zuletzt für den Victoria Highlanders FC aktiv war, von der U21 ins Oberligateam übernommen und kann im zentralen Mittelfeld oder in der Innenverteidigung spielen. Ein externer Neuzugang ist JABEZ MAKANDA (zuletzt VfR Mann-heim). Die Jugendstationen des heute 24-Jährigen aus Angola waren u.a. FSV Frankfurt, 1.FC Nürnberg und Eintracht Frankfurt, wo er einen Profivertrag unterschrieb, aber nur in einem Test-spiel zum Einsatz kam. Für den FK Pirmasens und den FC Gießen schnupperte der 1,86 Meter große Jabez Regionalliga-Luft (19 Einsätze), danach war er zwei Jahre lang Stammkraft beim luxemburgischen Zweiligisten Berdenia Berburg (56 Spiele, 16 Tore, 17 Vorlagen). So machte er Alemannia Aachen auf sich aufmerksam, dort lief er letzte Saison zweimal in der Dritten Liga auf. Eigentlich ein gelernter Stürmer (22 Tore in der U17-Bundesliga), ist er heute aufgrund seiner Statur eher im defensiven Mittelfeld zuhause. Bereits im Oktober wurde für die offensive Außenbahn mit JONATHAN MUIOMO (vereinslos) ein Nationalspieler aus Mosambik verpflichtet, der aber bei seinen bisherigen Kurzeinsätzen den Nachweis seiner Oberligatauglichkeit schuldig geblieben ist.

Keine Erfolge, keine Fans

Ein wenig passte es zur Tristesse der letzten, we-nig erfolgreichen Spiele vor der Winterpause, dass der einzige aktive Fanklub der Wormatia, „Sups Worms 97“, vor dem vorletzten Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern II. seinen vorzeiti-gen „Ruhestand“ erklärt hat. Als Gründe für die Einstellung sämtlicher Aktivitäten gab die seit 28 Jahren bestehende Fangruppierung u.a. „fehlenden Nachwuchs“ und eine „Veränderung der deutschen Ultrasbewegung“ an. Mit einem Feuerwerk mitsamt Pyroshow verabschiedeten sich die Sups noch einmal gebührend. Auch wenn die Pyroshow die Wormatia viel Geld gekostet hat, so sorgte das angefertigte Video mit knapp 600.000 Aufrufen in den Sozialen Medien für eine Aufmerksamkeit, die der VfR mit seinen Leistungen auf dem Fußballplatz schon lange nicht mehr generieren konnte. Zwar betonen die „Sups Worms 97“, dass man dem Verein erhalten bleibt und auch weiterhin bei den Spielen präsent sein wird. Aber die Wahrheit ist auch, dass bereits in den letzten Jahren viele Gründungsmitglieder, die längst in alle Richtungen verstreut sind, allenfalls noch zu den Topspielen erschienen sind.

Wobei sich die Frage stellt, was in der Oberliga überhaupt die Topspiele sind? Denn außer TuS Koblenz und eben Wormatia Worms gibt es keinen Verein in der Oberliga Rheinland-Pfalz-Saar mit einer aktiven Fanszene. FK Pirmasens liegt zwar – dank konstanter starker Leistungen – in der Zuschauertabelle auf Platz drei, aber Fans, die Stimmung machen, sucht man im Framas-Stadion vergebens. Von daher hinterlässt der Rückzug der Sups eine große Lücke, war doch die Atmosphäre bei den Heimspielen ein zusätzliches Argument für Spieler, sich für den VfR zu entscheiden. Die Oberligajahre haben ihre Spuren hinterlassen und zeigen, dass man mit Spielen gegen Diefflen, Auersmacher oder Gau-Odernheim keine jungen Leute hinterm Ofen hervorlocken kann. Die können stattdessen, weniger als eine Autostunde entfernt, Bundesligafußball in Frankfurt, Mainz oder Hoffenheim sehen. Der 1. FC Kaiserslautern, Waldhof Mannheim oder Darmstadt 98 sind gerade mal in einer halben Stunde zu erreichen. Im Gegensatz dazu ist die fünfte Liga einfach zu unattraktiv.

Wie geht’s 2026 weiter?

Der VfR Wormatia startet am Montag, 12.01.2026 um 17:30 Uhr in die Vorbereitung zur Oberliga-Restrunde. Aktuell sind sieben Testspiele geplant. Den ersten Auftritt hat ein Teil der Mannschaft allerdings schon am 10.01.2026 beim Christian-DIK-Immobilien-Cup der TSG Pfeddersheim im BIZ Worms. Dort heißen die Gegner in Gruppe A Ludwigshafener SC, FSV Schifferstadt und VfR Frankenthal.

Text: Frank Fischer

Aktuelle Infos finden Sie auf:

www.wormatia.de