„ES GIBT LEIDER KEINE DEPPENOBERGRENZE“

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Kritik zu „Michael Mittermeier: Lucky Punch – Eine Todeswuchtl schlägt zurück“

13. Februar 2020 | Das Wormser Theater:

Es war der furiose Tour-Abschluss des Comedy Profis Michael Mittermeiers mit seinem aktuellen Programm und zugleich eine Lehrstunde in Sachen Stand up Comedy. Zu Recht wurde der Bajuware nach über zweieinhalb Stunden intelligentem Humor vom Publikum gefeiert.

Vor mehr als 20 Jahren war er einer der wichtigsten Entertainer, die in Deutschland das amerikanische Konzept der Stand up Comedy etablierten. Nun fand er erstmals den Weg nach Rheinhessen; ein Wort, das er gleich zu Beginn aufgriff und dabei natürlich die Seele des Wormsers streichelte, der in der Regel viel Wert darauflegt, sich von der Pfalz abzugrenzen. Warum ihm eine Zuschauerin den Begriff Rheinhessen-Pfalz an den Kopf warf, bleibt indes deren Geheimnis. Doch bereits in diesen Momenten zeigte sich, welch ein meisterlicher Improvisator er ist. Immer wieder band er den ganzen Saal ein, statt sich in Zwiegespräche zu verstricken – wie zuletzt sein etwas unbeholfener jüngerer Comedy Kollege Faisal Kawusi. Mittermeier versteht es, eine Dramaturgie zu schaffen und mit der Macht der Worte und seiner Gestik und Mimik großes Kino im Kopf zu schaffen, während Faisal einfach Anekdoten brachte, die er so wahrscheinlich auch beim Dönerladen um die Ecke erzählt. Comedy lebt vom Timing, das Mittermeier in Perfektion beherrscht, auch wenn ihm Väterchen Zufall an einer Stelle grandios in die Hände spielte. Als er gerade begann, einen Gag bezüglich des RTL-Formats „Der Bachelor“ vorzubereiten, stand in der ersten Reihe ein Mann auf, der mutmaßlich zur Toilette musste. Eine Situation, die den Komiker kurz aus dem Konzept brachte. Nach kurzen spielerischen Gedanken über das Wort Bitch, wie man dieses auf einen Mann übertragen könne, und so aus dem Bachelor einen Bitchelor macht, begab er sich auf die Zielgerade der Pointe, in der der Bachelor erwartungsfroh auf seine 25 Damen wartete, die gerade durch die Tür die Villa beschritten. In diesem Moment ging die Tür auf und der Toilettengänger kehrte zurück, was Mittermeier spontan einbaute „…unter den 25 Traumfrauen auch ein glatzköpfiger Mann!“ Das Publikum tobte. Die Themen waren vielfältig, manchmal flach (Bachelor, Chuck Norris), manchmal politisch (Greta: „Ja, ich mag Greta. Ich verstehe den Hass nicht. (…) Unsere gesamte fucking Bundesregierung ist nicht fähig, (…) und wir haben nichts Besseres zu tun, als über Greta zu meckern?“). Ein kaum übersehbares Lieblingsthema: Die Verblödung der Gesellschaft , was ihn zu dem Gedanken führte, dass es leider keine Deppen-Obergrenze gibt. Da hat er wohl recht.

Fazit: Entscheidend waren bei dem Auftritt vor allem das hohe Tempo und dass Mittermeier einfach verdammt lustig war. Chapeau!