Funk, Jazz und ganz viel Joy

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Mit 16000 Zuschauern blieb das Festival zwar deutlich unter der Rekordzahl vom letzten Jahr, doch einmal mehr erwies sich das Festival als eine unterhaltsame Angelegenheit für die ganze Familie.

15.08. – 17.08.2014
in der Wormser Innenstadt:

Dabei waren es keine leichten Umstände, mit denen die Veranstalter von „Jazz & Joy“ in diesem Jahr zu tun hatten. Den Anfang machte die Tatsache, dass das Andreasstift aufgrund umfangreicher Sanierungsarbeiten nicht genutzt werden konnte. Bei der diesjährigen Pressekonferenz präsentierte man schließlich die Lösung. Die Hauptbühne wurde auf den Marktplatz verlegt, während die Jazzkonzerte auf einen umgestalteten Platz der Partnerschaft ziehen würden. Kurz vor Beginn des Festivals kam es schließlich zur kurzfristigen krankheitsbedingten Absage des Abschluss-Acts TIL BRÖNNER. Als wären das nicht schon genug Hindernisse gewesen, erwies sich das Wetter ab dem frühen Freitagabend als wenig gnädig und dürfte einen erheblichen Anteil an dem geringeren Publikumszuspruch haben. Sicherlich hat auch die Terminierung mitten in den Sommerferien eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Nichtsdestotrotz machten Musiker, Veranstalter und Zuschauer das Festival erneut zu einem unterhaltsamen Musikwochenende, bei dem es galt, vieles zu entdecken oder einfach mal wieder zu hören.

Foto: Andreas Stumpf
Foto: Andreas Stumpf

Funklegende MACEO PARKER, der auch der Opener des diesjährigen Jazz und Joy war, trotzte dem tristen Wetter und holte das Publikum mit einer gelungenen Mischung aus groovigem Funk und Soul von seinen Sitzen. Mit einer Formation aus fünf hochkarätigen Musikern brachte er den bestens besuchten Weckerlingplatz zum Vibrieren. Tanzen war selbstverständlich Pflicht, was angesichts der herbstlichen Temperaturen keine verkehrte Entscheidung war. Mit Maceo Parker erlebten die Zuschauer eine würdige Eröffnung dieses Festivalwochenendes. Nach dem regnerischen Auftakt am Vortag waren die Zuschauer auch am Tag 2 mit Gummistiefeln, Regenjacken und Schirmen bestens gewappnet, um dem Wetter zu trotzen, das zwischen Sonnenschein und Regenschauern schwankte. Ein bisschen konnte man sich fühlen wie bei Rock am Ring, nur halt nicht am Nürburgring. Einen ersten Höhepunkt gab es auf dem Marktplatz mit dem Auftritt von GREGOR MEYLE, der durch die TV Show „Sing meinen Song“ einem größeren Publikum bekannt wurde. Binnen kürzester Zeit gelang es ihm, trotz schlechten Wetters, eine beachtliche Zahl an Zuschauern vor der Bühne zu versammeln. Als ein plötzlicher Regenschauer einsetzte, nutzte er diese Gelegenheit, um diesen mit dem Klassiker „Singing in the rain“ zu besingen. Meyles Stärke ist natürlich nicht das Singen von Musical- Klassikern, sondern liegt im Schreiben von gefühlvoll melodischen Balladen – und die gab es an diesem Nachmittag reichlich. Mit nachdenklichen Texten und einer kernigen Instrumentation, bei der klar die akustische Gitarre im Vordergrund stand, sorgten Meyle und Band für einen gelungenen Start in den Samstag.

Foto: Andreas Stumpf
Foto: Andreas Stumpf

Nicht minder gelungen der Auftritt der großartigen JUDITH HOLOFERNES, die als Sängerin von „Wir sind Helden“ reichlich Bühnenerfahrung sammelte. In Worms präsentierte sie allerdings keine Helden Songs, sondern konzentrierte sich auf ihr Soloalbum „Ein leichtes Schwert“. Unter diesen unschönen Wetterbedingungen wirkten die oft quirlig verspielten Songs der Holofernes wie eine erfrischende Prise, die von einer spielfreudigen Band getragen wurde. Talente zeigte die Berliner Künstlerin auch als Interpretin von Coverversionen. Selbstverständlich sang sie einen Song ihres großen Vorbildes Dolly Parton, mit dem Ergebnis, dass die Sängerin auch in der Country Szene eine gute Figur machen würde. Augenzwinkern und respektvoll umgedichtet sang sie auch eine gelungene Version von Elvis Costellos „Catherine the waitress“, das nun „Jonathan der Kellner“ hieß. Weniger augenzwinkernd und musikalisch etwas ruppiger ging es auf der Renolit Bühne vor der Jugendherberge zu. Die Berliner Band LUIS LASERPOWER, die ihre Musik selbst als Neopop bezeichnet, heizte dem zahlreich versammelten Publikum mit ihrer Mischung aus HipHop und Rock ordentlich ein. Das wirkte zwar zuweilen etwas flach und litt unter einem etwas schwachen Ton, ging aber mit knackigen Beats kräftig in die Hüften. Knackige Beats gab es auch von der ebenfalls aus Berlin kommenden Band LAING. Das Frauenquartett verwandelte binnen weniger Minuten den mittlerweile übervollen Platz in eine pulsierende Freiluftdisco. Dass die Texte der Songs dabei ein wenig an die Einfältigkeit von Tic Tac Toe erinnerten, spielte an diesem Abend keine Rolle. Unbestrittener Joy Höhepunkt des Abends war jedoch der Auftritt der Band MIA. Nach einem anfangs noch zögerlichen Publikumszuspruch entwickelten sich der mitreißende Sound der Band und eine rauschhafte Lichtshow zu einem wahren Publikumsmagneten. Belohnt wurde der Besucher mit einer eindrucksvollen Techno Party, die von der extrovertierten Sängerin MIEZE KATZ selbstbewusst beherrscht wurde. Kurzum: eine atemberaubende Show, die allein schon das Festivalticket für diesen Tag gerechtfertigt hätte.

Foto: Andreas Stumpf
Foto: Andreas Stumpf

Da hatten es die anderen Haupt-Acts des Tages nicht einfach, allerdings beschritten die musikalisch auch gänzlich andere Wege. Mit ihrer Mischung aus Soul, Jazz und Pop, unterlegt mit Clubsounds, spielte sich die Formation DEPHAZZ durch einen soliden Gig, leider wollte der Funken nur selten auf den sehr gut besuchten Weckerlingplatz überspringen. Eindruck machte die Band, wenn sie die Schwelle zur Rockmusik überschritt und sich zu den Songs zuweilen eine E-Gitarre gesellte.

Foto: Andreas Stumpf
Foto: Andreas Stumpf

Wer lieber auf Party verzichten wollte, wurde vom MATHIAS EICK QUINTETT auf dem Platz der Partnerschaft dazu eingeladen, auf ihre Klangreisen zu folgen. Wer dies tat, erlebte eine virtuos gespielte Reise, die mit dem ein oder anderen Klangexperiment überraschte.

Nach einem regnerischen Samstag zeigte sich das Wetter endlich gnädig und bescherte dem Festivalsonntag einen versöhnlichen Abschluss mit milden Temperaturen. Passend dazu gab es auf dem Markplatz einen sommerlich leichten Cocktail aus Reggae und Dub. Präsentiert wurde dieser von der vielköpfigen Band JAMARAM. Der beschwingte Mix aus den verschiedensten Zutaten garantierte kurzweilige Unterhaltung. Kurzweilig zeigte sich auch der Auftritt von BB AND THE BILLYBOYS. Die drei wohlbekannten Wormser Musiker BACHMANN, MAAS und KLINGLER bewiesen einmal mehr, dass sie den Groove in den Fingern haben. Das zahlreich erschienene Publikum zeigte sich schlichtweg begeistert und dankte es mit ordentlicher stimmlicher Unterstützung. Ganz im Zeichen des klassischen Songwritings stand an diesem Sonntag die Renolit Bühne. Drückten die regionalen Rocker von UNCLE HERB noch ordentlich aufs Tempo, wurde es mit dem Newcomer JORIS deutlich nachdenklicher und ruhiger. Manchmal kurz vor der Schwelle zum Kitsch, wirkten seine Songs jedoch ein wenig zu beliebig. Schmelzende Melodien und gefühlvoller Gesang sorgten dennoch für gepflegte Unterhaltung, gelegentliche Ausbrüche der E-Gitarre schufen willkommene Abwechslung. Klarer Gewinner des Joy Preises am Sonntag war der ehemalige Reggae Musiker MAXIM, der mit raffinierten Melodien, opulenten Bandarrangements sowie mit Power und Charisma ausnahmslos überzeugen konnte. Da fiel es dann plötzlich auch nicht mehr so ins Gewicht, dass Trompetenstar TIL BRÖNNER seinen Auftritt mit DIETER ILG absagen musste.

FAZIT: Natürlich war das hier nur ein kleiner Abriss eines bunten Festivalprogramms, teilten sich immerhin 40 Bands dieses Wochenende die fünf Bühnen rund um den Wormser Dom. Klarer Gewinner war das Publikum, das ein gut organisiertes Festival genießen konnte. Für Unverständnis sorgte lediglich der Umstand, dass es einem nicht gestattet war, sein Weinglas von einer Bühne zur anderen zu tragen. In der Beziehung zeigte sich der Sicherheitsdienst gnadenlos.