Geld diktiert die Wahrheit

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Theateraufführung „Ein Volksfeind“ mit Rufus Beck

19. Januar 2017 | Das Wormser Theater:

Es ist ein Spannungsfeld, das bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat: der Konflikt zwischen Geld und Moral. Verfasst wurde das Stück bereits 1882 von dem norwegischen Dramatiker Henrik Ibsen.

In der Neuinszenierung von Kempf Theatergastspiele wurde das Drama überarbeitet von der TV Legende Rainer Erler („Fleisch“, „Operation Ganymed“), der den Text im historischen Setting beließ, jedoch die Geschichte entschlackte und sprachlich modernisierte. Badearzt Stockmann (Rufus Beck) findet heraus, dass die Quellen seines Heilbades verseucht sind. Die Kurbadgesellschaft vertuscht mit Hilfe eines Politikers, der auch Stockmanns Bruder ist, den Skandal und feuert den Mediziner. Die Macht der Wahrheit muss sich der Wahrheit der Macht beugen, könnte man als Essenz des Stückes formulieren. Stockmann hat von Anfang an keine Chance. Natürlich wollen die Bewohner des Ortes den durch die Quelle liebgewonnen Wohlstand nicht opfern. Als Stockmann die Zeitung involviert, die den Skandal offen legt, beginnt eine Rufmordkampagne, an der sich wiederum die Zeitung beteiligt. Ibsens Stück will viel: Bruderkonflikt, Gesellschaftskritik, die Korrumpierbarkeit der Politik darlegen, Medienkritik und mehr. Dass das Stück nicht an der Last des eigenen Anspruchs kollabierte, lag vor allem an dem konzentrierten Spiel der Darsteller und Erlers pointierten Dialogen.

FAZIT: Es ist ein zeitloses Thema, was das gut aufgelegte Ensemble an diesem Abend im ausverkauften Wormser Theater verhandelte. Ein reduziertes Bühnenbild machte von Anfang an klar, dass hier in erster Linie der Kopf und nicht die Sinne angesprochen werden sollten.