Gewaltiger Sound, kleines Instrument

, , Leave a comment

Konzertkritik zu: The Ukulele Orchestra of Great Britain

26. Januar 2019 | Das Wormser Theater:

Lange bevor Stefan Raab seine Gäste mit der kleinen hawaiianischen Gitarre zum gemeinsamen Musizieren nötigte, waren es acht wagemutige Engländer, die sich zu einem einmaligen Projekt zusammenschlossen, um zu zeigen, was mit dem Mini Instrument alles möglich ist. Aus dem Projekt wurden mittlerweile 34 Jahre. Zugleich beweisen sie bis heute, dass man mit dem Instrument – im Gegensatz zu Stefan Raab – sehr virtuos umgehen kann. Ende Januar taten sie das auch im bestens gefüllten Wormser Theater.

In Anbetracht der euphorischen Rufe und des begeisternden Applauses, der das Wormser Theater erfüllte, hätte man zunächst glauben können, ein paar Rock’n’Roll-Stars würden gleich die Bühne entern. Doch Pustekuchen, sechs Männer im edlen Smoking und zwei Damen in dunkler Abendgarderobe betraten jeweils mit ihrem niedlichen Instrument in der Hand die Bühne. Wahrscheinlich können tatsächlich nur Engländer auf die irrwitzige Idee kommen, ein solches Mini-Orchester zu gründen. Entsprechend trocken war auch der Humor an diesem Abend, so brachte man den ersten Song des Abends „Psycho Killer“ gleich mal mit dem Brexit in Zusammenhang! Gleichzeitig setzte dieser Talking Heads Klassiker die musikalische Duftnote für den weiteren Abend. Zu den unverzichtbaren Zutaten des Ensembles gehören ein Hang zum Schrägen, eine Portion Witz und ganz viel Originalität. Gleichwohl ist jeder dieser acht Musiker ein wahrer Meister, sowohl stimmlich als auch an der Ukulele oder am akustischen Bass, der virtuos von Jonty Banks bearbeitet wurde, der sich wiederum als deutsche Stimme der Gruppe an diesem Abend betätigte. Der Reiz der Musik des Ukulele Orchestra besteht vor allem im Widerspruch, den unwahrscheinlichsten Song einer musikalischen Metamorphose zu unterziehen. Dazu gehört es auch, Hardrock Nummern wie „Highway to Hell“ oder „Silver Machine“ von Hawkind einer radikalen Musikkur zu unterziehen. Das Famose dabei, den Briten gelingt es dadurch, den Songs neues Leben einzuhauchen, ohne das Original lächerlich zu machen. Kann man sich Kraftwerks Song „Das Model“ als akustische Nummer vorstellen? Sicherlich schwer denkbar, aber für das Mini Orchester kein Ding der Unmöglichkeit.

Fazit: Dieses Ukulele Ensemble ist einfach eine Wucht. Im Finale verschmolzen sie acht Songs (für jeden Musiker einen Song) zu einer Einheit. Was für eine Meisterleistung. Auch beim zweiten Besuch in Worms demonstrierte die Band ihre Ausnahmestellung. Sofern es zu einem dritten kommt, sollte man nicht zögern und sich ein Ticket sichern. Es lohnt sich!