Glauben Sie noch oder denken Sie schon?

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Mit dieser knappen Formel ist bereits Wesentliches zum Thema gesagt. Vor allem das Glauben, als das ältere Element, mehr oder minder überholt sein könnte bzw. sein sollte. Glauben heißt nicht wissen. Wir haben inzwischen so viel an Wissen hinzu gewonnen, dass wir weitgehend auf allen Aberglauben, wozu auch religiöser gehört, gut verzichten können. Ferner ist es für einen denkenden Menschen ein Unding, sich durch passives (!) Glauben in eine unnötige Abhängigkeit zu bringen. Hier unterstützt uns das gute Prinzip: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“

Tatsache ist auch, dass praktisch alle Glaubensanbieter sich untereinander weitgehend bis total widersprechen. Außerdem ist es ein Abenteuer, unter der Riesenzahl von Religionen, die einzig richtige zu finden. Ferner sollte die Kindstaufe verboten werden, weil der betreffende Mensch ungefragt in ein Milieu geworfen wird, aus dem er in der Regel zeitlebens nicht mehr hinaus gelangt. Anzumerken ist, dass fast alle Götter als unsterblich galten, jedoch noch regelmäßig mit der entsprechenden Kultur verschwanden. Auch um den Gott der Christenheit ist es bereits stiller geworden. Eine Fünftelmillion von Katholiken verlassen jährlich ihre Kirche und die Priester werden ebenfalls ständig weniger.

Endlich kommen wir zu dem (besseren) Gegenteil, dem Denken. Hier gibt es keinerlei Zwang. Bei den höheren Formen, Philosophie und echte (!) Wissenschaft gibt es keine Dogmen (Glaubensvorschriften). Vielmehr gelten da Theorien, die nur vorläufigen Charakter besitzen. Ein Glauben-Müssen ist dabei undenkbar. Im Gegenteil: Zweifeln ist nicht nur erlaubt, es wird mehr oder minder zum Zweifel aufgerufen! Und obendrein befinden sich die Religionen mit ihren Lehren seit längerem im Rückzug. Selbst der Vatikan akzeptiert schon die Evolutions- und die Urknalltheorie. Für Laien ist zu erklären, dass Theorien in der Wissenschaft nichts Minderwertiges bedeuten.

Ich muss jetzt aber sagen, dass ich nicht versuche, Gläubige von ihrem Kindheitsglauben abzubringen, weil das nicht meine Art ist und es kaum jemals gelingen kann. Was ich jedoch wieder beabsichtige, ist Denkanstöße zu liefern. Bedenklich und unverständlich für mich ist, dass in der Kirche immer nur der Pfarrer spricht. Und warum darf niemand auch nur eine Verständnisfrage stellen? An dieser Stelle erinnere ich mich an eine Begebenheit, die mein Sohn mir damals erzählt hat. Er berichtete mir da, dass er den Pfarrer im Religionsunterricht die Frage stellte, ob denn auch die Waffen der Feinde gesegnet werden würden, ganz unerwartet dafür eine schallende Ohrfeige erhielt. Das hatte für meinen Sohn die Folge, dass er darauf sich ganz und gar von dieser Kirche verabschiedete. Ich hingegen denke da an das Wort: „An ihren Werken sollt ihr sie erkennen!“

Ich muss und will nunmehr zum Ende kommen, da mein Limit erfüllt ist. Bleibt nur die Frage: Warum muss ich als Nichtmitglied einer der Großkirchen „indirekte“ Kirchensteuern zahlen, die nicht unbeträchtlich sind? Auch unser Staat trägt unterstützend dazu bei, indem er die Sache duldet und fördert.

Ganz zum Schluss ist Heinrich Heine meiner Meinung:

Es wächst hinieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust
Und Zuckererbsen nicht minder.
Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Mit freundlichen Grüßen:
Ihr Heinz Dierdorf