Wie viel Unwissenheit dürfen wir uns leisten?

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Wissen ist Macht und ohne Wissen sind wir ziemlich machtlos. Zwar ergänzen Witzbolde: „nix wissen macht auch nix“, was eben nur Witz ist. Ohne ausreichendes Wissen sind wir den Wissenden ausgeliefert. Und so oder so auf der Verliererseite. Für die Oberen in Staat, Wirtschaft und Kirche wären wir sehr sympathisch, doch um unsere eigenen Interessen stünde es umso schlechter. Besser nun wäre es, wir hielten uns an meine beiden Sprüche: „Lieber ein schlechter Gewinner, als ein guter Verlierer!“ und der andere rät: „Überlegen schafft bei Gelegenheit meist Überlegenheit.“

Erst gestern hörte ich bei einem kleinen Problem wieder den oft gebrauchten Satz: „Ach, das ist ja sooo schwer.“ Aber, wenn wir vor jeder Schwierigkeit kapitulieren, wie sollen wir denn vorwärtskommen? Man kann wohl manchen Kampf verlieren, doch ist jeder Kampf verloren, dem wir uns nicht stellen. Wie kommen wir schließlich zu nötigem und gutem Wissen? – Ganz klar: durch mehr Nachdenken und Lernen, was allerdings beides einigermaßen mühselig ist. Das lateinische Wort „Studium“ bedeutet denn auch: sich bemühen. Dafür gibt es auch Erfreuliches, dass das richtige Bemühen doppelten Vorteil bescheren kann. Nach und nach fällt fast alles leichter und lohnt sich am Ende.

Wie es neuerdings ständig heißt, besteht das Leben u.a. aus lebenslangem Lernen. Es stellt sich das Problem, wo finde ich die rechte Lehre und den rechten Lehrer? Dazu hörte ich einmal die Bemerkung eines namhaften Medienmannes: „Die Hälfte aller Informationen sind schlicht und einfach falsch.“ Ja, und jeder kennt doch die typischen „Zeitungsenten“, die sich offenbar reichlich vermehren. Ich habe in jungen Jahren noch das Dritte Reich mit seinem so genannten Propagandaminister erlebt. Dessen Aufgabe und Ziel war es, das Volk zu täuschen, indem deutsche Angelegenheiten ständig schöngeredet und die feindliche Seite diffamiert wurde.

Ein anderer bemerkenswerter Satz ist, dass es Organisationen und Menschen gibt, die aus übler Absicht jegliches Wissen und alle Klugheit gerne miesmachen. Als ein Beispiel für viele, hier nur das bekannte Bibelwort „selig sind die Armen im Geiste“, das Bände spricht. Und dieses Wort wirkt auf mich recht „armselig“. Im totalen Gegensatz dazu müssen die Geistlichen beider Großkirchen ziemlich viel und lange studieren, um die Gläubigen ausreichend zu manipulieren sowie von Fragen und Zweifeln fernzuhalten. Hier kann man jedem nicht oft genug mit J. Kant zurufen: „habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Außerdem sei die Titelfrage an dieser Stelle beantwortet: „Wir können uns nirgends und nie irgendeine Unwissenheit leisten.“ Lassen wir uns auch nicht den möglichen Vorwurf gefallen, wir seien (zu) egoistisch! Die das sagen, sind gewöhnlich die schlimmsten Egoisten…

Um‘s kurz zu machen und zu einem guten Ende zu gelangen, sei noch eine andere positive Seite zum Kapitel Wissen zu erwähnen, nämlich: Weisheit und Wissenschaft. Allerdings bleiben uns auch dabei Schwierigkeiten und Probleme nicht erspart. Nur sollte man nicht zu sehr auf die Weisheit im Alter hoffen. Sie kommt nicht automatisch und immer. Besser und sicherer ist es, so früh wie möglich sich denkerisch zu üben. Wie heißt es doch seit altersher? „Übung macht den Meister“. Um zum Schluss noch eine Empfehlung: Statt sich an großen und erfolgreicheren Dichtern und Denkern zu messen, freu dich an eigenen, wenn auch kleinen Fortschritten. Packen wir’s also an!

Wieder soll Wilhelm Busch das letzte Wort haben:
„Dummheit, die man bei anderen sieht, wirkt meist erhebend aufs‘ Gemüt.“

Freundliche Grüße: Ihr Heinz Dierdorf