Hat Worms zu wenig grün?
Erneut schlechtes Hitzecheck-Ergebnis der Deutschen Umwelthilfe

Grünoase Albert-Schulte-Park
Der Sommer ist endlich da und damit auch der jährliche Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe. Ähnlich wie im vergangenen Jahr befindet sich Worms erneut auf einem der hinteren Plätze. Doch ähnlich wie im vergangenen Jahr wirft das Ranking Fragen auf.
Um dem Ranking neue Würze zu verleihen, hat die Umwelthilfe in diesem Jahr ergänzend zu der „FLÄCHENVERSIEGELUNG“ und einem soge-nannten „HITZEBETROFFENHEITSINDEX“ den „BESCHIRMUNGSGRAD“ hinzugenommen. Der Indikator soll zeigen, wie viele Einzelbäume in den Jahren 2018 – 2025 verloren gegangen sind. Grundlage ist eine Fernerkundungsanalyse des Beschirmungsgrades, also der durch Baumkronen bedeckten Fläche. Die ermittelte verlorene Kronenfläche wird anschließend anhand der durchschnittlichen Kronengröße eines Stadtbaums (70 m²) in eine geschätzte Anzahl verlorener Bäume umgerechnet. Für Worms fällt das Zeugnis nicht gut aus. So liege der Beschirmungsgrad bei weniger als 16 Prozent. Zum Vergleich: Potsdam erreicht als positives Beispiel knapp 34 Prozent. Insgesamt, so die Umwelthilfe, habe die Stadt in Zahlen 2.402 Bäume verloren.
Kritik kommt jedoch von Umweltexperten, da der Beschirmungsgrad kein perfekter Indikator sei. Er misst die von Baumkronen überdeckte Fläche, sage aber wenig über die Qualität, Zugänglichkeit oder räumliche Verteilung der Schattenbereiche aus. Eine Stadt könne daher in einzelnen Bereichen erhebliche Defizite aufweisen, obwohl der Gesamtwert akzeptabel erscheint, da andere Bereiche deutlich grüner sind. In Worms lässt sich das in der Innenstadt am ehesten beim Vergleich Ludwigs-oder Marktplatz gegenüber Lutherplatz und Albert-Schulte-Park beobachten. Ebenso werden neu angelegte Grünzüge oder junge Baumpflan-zungen erst mit zeitlicher Verzögerung sichtbar, da ihre Kronen zunächst klein sind. Die Kennzahl bildet somit vor allem den aktuellen Bestand ab, nicht aber die Dynamik kommunaler Maßnahmen.

Hitze Hotspot Ludwigsplatz
Die Stadt sieht das ähnlich, weist abermals die Kritik von sich und zweifelt die ungenaue Analysetechnik an. Ebenso verweist sie auf zahlreiche Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren unternommen wurden, um dem Problem Hitze entgegenzuwirken. Am Ende gilt, der Hitzecheck liefert durchaus wichtige Hinweise bezüglich struktureller Probleme, sollte aber nicht als abschließendes Urteil über die Klimaanpassung einer Stadt verstanden werden. Dennoch, zum Zurücklehnen reicht es nicht. Wie eine Auswertung des DWD aufzeigt, hat sich die Anzahl der Hitzetage, also heißer als 30 Grad, in den letzten Jahrzehnten verdoppelt. Betraf es in einem Zeitraum von 1961 bis 1990 noch 10,3 Tage, erfassten die Wetterstationen in Worms im Zeitraum 2021 bis 2025 bereits 22,2 Hitzetage. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, müssen wohl noch einige Bäume gepflanzt werden.
Text: Dennis Dirigo Fotos: Andreas Stumpf
Anmerkung der Redaktion: In der Printausgabe schreiben wir: „Wie der DWD in einer Auswertung aktuell aufzeigt, hat sich die Anzahl der Hitzetage, also heißer als 30 Grad, seit 1990 von 20,5 Tage auf 44,4 mehr als verdoppelt. Um dem entgegenzuwirken, müssen wohl noch einige Bäume gepflanzt werden.“ Diese Aussage ist nicht ganz korrekt. Zum einen hatte der Deutsche Wetterdienst eine falsche Zahl festgelegt, die zwischenzeitlich korrigiert wurde. Zum besseren Verständnis möchten wir zudem darauf hinweisen, dass die Zahlen sich auf Zeiträume beziehen, wie im korrigierten Text dargestellt. Wir bitten um Verständnis für diese Irritationen.



Dennis Dirigo WO!





