Weit mehr als die Rückkehr eines historischen Bauwerks
SchUM-Erbe Mikwe wiedereröffnet

Seit mehr als tausend Jahren ist das in die Erde eingelassene Ritualbad Mikwe ein stiller Zeuge der einstmals stolzen jüdischen Vergangenheit in Worms. Um das Bad auch für die Nachwelt zu erhalten, wurde es einer aufwendigen Sanierung unterzogen und nun wiedereröffnet.
„Die heutige Wiedereröffnung der Wormser Mikwe ist weit mehr als die Rückkehr eines historischen Bauwerks in die Öffentlichkeit“, erklärte Oberbürgermeister Adolf Kessel anlässlich die-ses Moments. „Das Ritualbad gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen jüdischen Lebens im mittelalterlichen Europa. Als Teil von SchUM steht die Mikwe für eine jahrhundertealte Tradi-tion religiösen, kulturellen und geistigen Lebens am Rhein“, unterstrich Kessel die Bedeutung. Gebaut wurde das Bad 1185. Für die jüdische Gemeinde war es ein spiritueller Ort, der, wie Historiker sagen, bedeutender als die Synagoge selbst war.
Die Geschichte meinte es allerdings nicht gut mit dem Bauwerk, das wie ein in die Erde eingelassener Turm gefertigt wurde. Zerstörungen und Umnutzungen ließen den Ort leiden. Zuletzt war es schließlich eine Blaualge, die dem Gemäuer zusetzte und den Erhalt bedrohte. Wie der verantwortliche Dezernent Timo Horst erklärte, sei die Mikwe ein Opfer des Klimawandels. So habe das zunehmende Feuchtklima den schädlichen Bewuchs begünstigt. Ab 2014 begannen konkrete vorbereitende Maßnahmen, ehe schließlich ab 2018 die eigentliche Instandsetzung begann. Heute ist die Mikwe grundsaniert, das Mauerwerk stabilisiert und im Synagogengarten wurde eine Weitwurfdüse installiert. Diese dient zur Belüftung und klimatischen Kontrolle sowie durch Grundwasserpegelmessungen zur Dokumentation des Wasserstands in der Mikwe.
Dennoch bleibt die Mikwe ein sensibles Bauwerk, weswegen eine durchgehende Öffnung der Stätte nicht mehr angedacht ist, sondern nur noch für angemeldete Kleingruppen. Gekostet haben die Maßnahmen rund um die Rettung dieser bedeut-samen Stätte ca. 1,5 Millionen Euro. Während das Bad nun fit für die Zukunft ist, benötigt die Synagoge buchstäblich noch viel Stütze. Da sich an der Nordseite des Turms ein großer Riss quer durch das Mauerwerk zieht, muss dieser derzeit stabilisiert und die Risse wieder geschlossen werden.
Text: Dennis Dirigo Foto: Andreas Stumpf




Andreas Stumpf




