Humanismusbewegungen V:

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Egoismus und Altruismus
Aus dem humanistischen Gesprächskreis (HG K) Worms

Der Egoismus ist definiert als eine Handlungsweise, bei der ausschließlich der Handelnde selbst die Handlungsmaxime, also den persönlichen Grundsatz des Wollens und Handelns, bestimmt. Während man bei Tieren und Pflanzen diese Verhaltensweise als gegeben voraussetzt, gilt sie bei Menschen als unerwünschter Charakterzug. Dabei wird gerne übersehen, dass natürlich auch Menschen prinzipiell aus egoistischen Motiven handeln: Das soll im Folgenden ausführlicher behandelt werden.

Aber schauen wir uns zuerst das Gegenstück zum Egoismus an. Im 19. Jhd. wurde der Altruismus als „uneigennützige, selbstlose, durch Rücksicht auf andere gekennzeichnete Denk- und Handlungsweise“ durch Auguste Comte definiert, allerdings hat diese Definition sich nie allgemein durchgesetzt. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich der Altruismus aus den Prinzipien der Evolution nur unzureichend erklären lässt, so wie angeblich altruistischen Handlungen nie sicher als solche identifiziert werden können. Die hilfsweise Unterteilung in den moralischen oder normativen Altruismus, den Sympathie-, Klugheits- oder Brutpflegealtruismus oder den Pareto-Altruismus macht zudem deutlich, dass eine allgemeingültige Beschreibung nicht möglich zu sein scheint. Das große Manko aller altruistisch genannten Verhaltensweisen liegt darin, dass sie grundsätzlich eine egoistische Komponente tragen, die durchaus eine Triebfeder des vordergründig altruistischen Verhaltens sein könnte, die aber von engagierten Verfechtern des Altruismus vehement bestritten wird, da er dadurch nämlich tatsächlich seinen altruistischen Charakter verlöre. Altruistisches Verhalten muss eine freiwillige Handlung und somit eine freie Entscheidung des Handelnden darstellen. Damit ist die größte Schwierigkeit in der Diskussion um die Existenz altruistischen Handelns schon beschrieben, nämlich der Nachweis des Fehlens dieser Komponente in gegebenen, als altruistische Handlung bezeichneten Situationen. Zielführender ist die Theorie der rationalen Entscheidung wie sie Howard Margolis entwickelt hat. Sie geht von einer rationalen Abwägung zwischen Selbstinteressen und den Interessen anderer aus. Dabei geht es nur um die Frage, wie es um die Rationalität des Verhältnisses zwischen der Verfolgung eigener Interessen und der anderer bestellt ist, unabhängig davon, welche Ursachen angeblich altruistische Handlungen haben, weil sie immer in Abwägung zu eingestandenen egoistischen Motiven zu sehen sind. Und um eine Lanze für den Egoismus zu brechen: Wenn wir bei unserem Gegenüber immer auch egoistische Motive vermuten dürfen, macht das uns Menschen berechenbarer. Gemeinschaften brauchen so etwas.

Karl-Heinz Büchner
für den Humanistischen Verband Rheinland- Pfalz (HVD RLP), Gruppe Worms

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