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„Ich möchte eine Oberbürgermeisterin für alle sein“

Stephanie Lohr gewinnt Wahl zur Oberbürgermeisterin der Stadt Worms

Presseempfang mit Stephanie Lohr nach der Wahl zur Oberbürgermeisterin der Stadt Worms

Nachdem Stephanie Lohr bereits 2021 zur ersten Bürgermeisterin in der Wormser Stadtgeschichte ernannt wurde, folgte nun die Wahl zur Oberbürgermeisterin der Stadt Worms. Damit ist sie die erste Frau in der Geschichte von Worms, die das höchste Amt der Stadt begleiten wird.

Es war 19:50 Uhr, als Stephanie Lohr (CDU) ihren Wahlkampfkonkurrenten und Kollegen Timo Horst (SPD) vor der Tür des Büros des Oberbürgermeisters herzlichst umarmte. Horst gratulierte ihr im Anschluss zur gewonnenen Wahl und beide dankten einander für einen fairen Wahlkampf. Damit endete ein langer Wahlkampf, der bereits Anfang Mai dieses Jahres seinen Anfang nahm, nachdem kurz zuvor der amtierende Oberbürgermeister Adolf Kessel (CDU) bekanntgab, vorzeitig in den Ruhestand einzutreten. In Zahlen bedeutet das, dass am 31. Dezember 2026 seine Amtszeit vorzeitig endet und am 1. Januar 2027 Stephanie Lohr die Amtsgeschäfte übernimmt. Die Wormser Politikerin erreichte bereits beim Wahltermin am 13. September 44,1% der Stimmen, während Timo Horst nur 40,5 Prozent erzielte. Bescheiden war allgemein die Wahlbeteiligung mit 44,1 Prozent. Der AfD-Kandidat Frank Senger erreichte enttäuschende 13,1 %, Ali Kesler (FDP) landete bei 2,2 %. Da keiner der Bewerber eine absolute Mehrheit erreichte, mussten Lohr und Horst am 27. September in die Stichwahl, die Lohr mit 53 % zu 47% für sich entschied, während die Wahlbeteiligung lediglich bei 38,5 % lag. Angesprochen auf das Ergebnis, erklärte TIMO HORST gegenüber der Presse: „Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht. Das ist eine demokratische Wahl, da muss man damit rechnen, dass man verliert. Jetzt habe ich Zeit für andere Sachen.“ Etwas kryptisch ergänzte er noch: „Wenn eine Tür zugeht, geht eine andere Tür auf“. Der Wormser Zeitung teilte er noch mit, dass er sich in Bezug auf den Wahlkampf nichts vorzuwerfen habe und dass es in den letzten Wochen ein enges Rennen war. Eine Rolle bei der Wahlentscheidung einiger Wähler habe aus seiner Sicht das Mann-FrauThema gespielt, manche hätten sich eben eine Oberbürgermeisterin gewünscht. Horst verließ im Anschluss an diese Worte wieder das Rathaus. Kurz darauf wandte sich die Gewinnerin Stephanie Lohr an die Presse und alle Wormser.

Unfassbar glücklich und stolz

„Ich möchte eine Oberbürgermeisterin für alle sein“, betonte Stephanie Lohr gleich zu Beginn gegenüber der zahlreich erschienenen Presse und ergänzte: „Also auch für diejenigen, die heute nicht zur Wahl gegangen sind“. In den letzten Wochen sei ihr bewusst geworden, dass die Bürger sich eine Politik wünschen, die auch unbequeme Wahrheiten ausspreche und die Probleme der Stadt nicht totschweige. Es gehe dabei nicht darum, einfache Antworten auf die komplexen Fragen unserer Zeit zu finden, sondern ehrlich zu sein und zu erklären, was möglich ist und das Machbare dann auch mit voller Kraft zu tun. Erreichen möchte sie die Wormser Gesellschaft, indem sie nahbare Politik mache. Weiter erklärte die 42-jährige Politikerin, dass es sie „unfassbar glücklich und auch stolz“ mache, dieses Amt übernehmen zu dürften. Zugleich empfinde sie aber auch Demut angesichts der Aufgabe. Die Unterstützung von vielen Frauen aus der Stadtgesellschaft, die ihr gesagt hätten, es sei Zeit, dass eine Frau in dieses Amt kommt, habe sie geehrt. Außerdem sei dies ein großer Beitrag gewesen, der letztlich zum Wahlerfolg führte. Auch an Amtsinhaber Adolf Kessel richtete Lohr Dankesworte. Dabei betonte sie seine Nähe zu den Menschen und dass er seinen Mitarbeitern immer wieder großes Vertrauen schenke. Genau das habe es ihr ermöglicht, dass sie in den vergangenen Jahren in ihrem Amt wachsen konnte. Kessel habe ihr immer wieder den Rücken gestärkt und ihr ermöglicht, Entscheidungen zu treffen. Kennengelernt hat sie natürlich auch die Herausforderungen, mit denen die Stadt zu kämpfen hat. Ein nicht unerhebliches Thema ist hierbei die Unterfinanzierung der Stadt und der damit verbundene hochverschuldete Haushalt. Auf die Frage der Wormser Zeitung, wie sie eine Stadt, der es an allen Ecken und Enden an Geld fehle, in die Zukunft führen will, entgegnete sie nüchtern, dass sie natürlich nicht zaubern könne. Auch sie werde den Haushalt nicht aus eigener Kraft in den nächsten Jahren sanieren können. Als ersten Schritt im Amt plant sie, sich mit dem Stadtvorstand zusammenzusetzen, um gemeinsam die richtigen Entscheidungen in den Haushaltsberatungen zu treffen und die wichtigen Projekte umzusetzen. Eine Frage, mit der sich Stadtvorstand aber auch der Stadtrat in nächster Zeit beschäftigen werden, ist sicherlich, wer auf Stephanie Lohr als nächster Bürgermeister oder Bürgermeisterin folgen wird, bevor sie selbst ab dem kommenden Jahr die erste Stadtchefin in der Geschichte der Stadt Worms wird.

 

Text: Dennis Dirigo Fotos: Andreas Stumpf