Mit 13 Hildes durch die Geschichte der Frauen

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Theaterprojekt „Hilde und Hilde“ im Kulturprogramm der Nibelungen Festspiele 2016

28. Juli 2016
Das Wormser Kulturzentrum (Mozartsaal):

Als der Regisseur Nuran David Calis im Gespräch mit WO! erklärte, dass Theater ein politisches Statement sei, dachte er zwar wahrscheinlich nicht an das Theaterprojekt der jungen Regisseurin Jasmin Schädler. Andererseits trifft es sehr genau den Ansatz, den die Regieabsolventin aus Ludwigsburg mit ihrer Inszenierung „Hilde und Hilde“ verfolgte.

Wer einen gewöhnlichen Theaterabend erwartete, war an diesem Donnerstag an der falschen Adresse. Schädler interessierte weniger das Narrativ der Geschichte, vielmehr ging es ihr darum, auszuloten, zu was modernes Theater in der Lage ist bzw. sich mit der Geschichte der Frau in unserer nach wie vor männlich dominierten Gesellschaft auseinanderzusetzen. Als Aufhänger verwendete sie die Nibelungensage mit Fokus auf die beiden Frauen Brünhild und Kriemhild. Darüber hinaus integrierte die junge Regisseurin elf Wormser Frauen in das Geschehen. Diese bekamen die Aufgabe, Texte zu verfassen, die sich mit dem eigenen Erleben oder Beobachten auseinandersetzten. Heraus kamen elf sehr intime Texte, die gleichzeitig vom Mut der Frauen zeugten, diese inmitten eines großen Publikums vorzutragen. Teils politisch geprägt handelten sie von der Frauenquote, Verarmung alleinerziehender Mütter oder von emotional aufgeladenen Themen wie der Frauensolidarität (siehe auch Seite 17), Schönheitswahn oder der Entscheidung für oder gegen ein Kind. Die Nibelungengeschichte selbst wurde kraftvoll gespielt von den beiden jungen Schauspielerinnen Elisa Ueberschär und Godje Hansen. Dass das Stück trotz so viel Engagement dennoch nur bedingt funktionierte, lag vor allem an der abstrakten Inszenierung, die mit ihren über zwei Stunden Spielzeit ohne Pause nicht wenige Zuschauer überforderte.

FAZIT: Eine gute Idee, die durch den abstrakten Ansatz der Regisseurin ins Schlingern geriet. Dies war besonders schade in Anbetracht der selbstgeschriebenen Texte der elf Wormserinnen, die sich selbstreflexiv mit der Rolle der Frau in unserer Zeit beschäftigten. Ein wichtiges Thema, das leider zu verkopft abgehandelt wurde, um emotional zu berühren.