Mögen die Festspiele beginnen

, , Kommentar schreiben

Ein kurzer Ausblick auf das Kulturprogramm der Nibelungen Festspiele 2016

Eigentlich liebäugelte Thomas Schadt bereits im letzten Jahr mit der Gestaltung des Rahmenprogramms der Nibelungen Festspiele, doch dann kam alles anders. Die ursprünglichen Wunschkandidaten für die Regie konnten nicht und so übernahm er die Regentschaft über die Nibelungen und inszenierte „Gemetzel“, während der Autor Albert Ostermaier das Kulturprogramm kuratierte. Dabei gab es einige Experimente, wie die örtliche Neuausrichtung im Herrnsheimer Chateau Schembs, sowie die Fokussierung des Programms auf ein Wochenende.

Nun ist nicht alles Neue zwangsläufig schlecht, dennoch stießen die Änderungen auf geteilte Meinungen. In diesem Jahr heißt es wieder: Zurück zu Altbewährtem, d.h., das Programm erstreckt sich wieder auf die gesamte Festspielzeit und die gern gesehenen „Theaterbegegnungen“ kehren wieder zurück. Neben Thomas Schadt ist auch Petra Simon, künstlerische Betriebsdirektorin, für die Zusammenstellung des Programms zuständig. Unterteilt wurde es in drei Themenbereiche. Passend zu dem aktuellen Stück „Gold – Der Film der Nibelungen“ wird das Thema „Film im Film“ eingehend behandelt werden. Hierzu werden in der Wormser Kinowelt ausgesuchte Filme (u.a. „Rossini“ von Helmut Dietl oder „Die amerikanische Nacht“ von Francois Truffaut) gezeigt (18.bis 20. Juli). Thomas Schadt wird die Filme jeweils anmoderieren. Unter dem Titel „Der Nibelungenstoff – über die Möglichkeiten zeitgemäßer Filmerzählung“ (17. Juli) wird bei den Theaterbegegnungen im Heylshof diskutiert werden. Nachdem die Nibelungen vor allem in der Fassung von Friedrich Hebbel vermehrt wieder an Theatern gespielt werden, stellen sich die Diskutanten der Frage, ob dieser Stoff als Vorlage für einen zeitgemäßen Film dienen könnte. Wie müsste man sich diesem annähern? Filme und Serien wie „Der Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ zeigen, dass die Themen der Nibelungen auch bis heute nichts an Reiz verloren haben. Neben Nico Hofmann, Ostermaier und Nuran David Calis werden noch weitere Filmschaffende sowie Mario Adorf zu Gast sein. Einen ganzen Abend (27. Juli) wird Intendant und Filmproduzent Nico Hofmann dem Filmjournalisten Rüdiger Suchsland im Mozartsaal Rede und Antwort stehen. In diesem Rahmen wird auch ein ausgesuchter Film des studierten Dokumentarfilmers Hofmann gezeigt werden.

Wie im letzten Jahr wird auch die Nachwuchsförderung ein großes Thema sein. Erstmals in der Geschichte der Festspiele wird es neben dem Hauptstück drei weitere Theaterinszenierungen geben. Beim Autorenwettbewerb im letzten Jahr als Sieger ausgelobt, wird das Stück „Die Isländerin“ der Autorin Irene Diwiak am 17. Juli uraufgeführt und am 30. Juli ein zweites Mal im Lincoln Theater gespielt. Bereits bei der Lesung im Vorjahr bestach Irene Diwiak mit subtilen Wortwitz und einem untrüglichen Gespür für die tragikomische Situation der Ausländerin Brunhild, die sich plötzlich wieder an einem deutschen Königshof wiederfindet, nebst sprachlicher Verwirrung. Nicht minder spannend dürfte das Stück „Hilde und Hilde“ ausfallen, das am 28. Juli ebenfalls im Lincoln Theater aufgeführt wird. Bei dem Stück handelt es sich um eine Kooperation der Filmakademie Ludwigsburg mit der Akademie der Darstellenden Künste. Die Autorin Jasmin Schäfer beschäftigt sich mit der Frage, wie würden sich Kriemhild und Brunhild heute verstehen? Wären sie Freundinnen, die versuchen würden, gemeinsam den Männern das Fürchten lehren, oder doch erbitterte Konkurrentinnen wie einst? Für die Inszenierung werden im Moment noch 5 – 10 Frauen aus Worms gesucht, die darin mitspielen möchten. Untrennbar mit den Festspielen verbunden ist die „Nibelungenhorde“, die in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag auf einer ganz besonders großen Bühne feiert, denn erstmals werden sie auf der Bühne des Wormser Theaters spielen. Im Zentrum der Aufführung „SOS – for human rights“ (29. Juli) steht das Thema Flucht. Ganz in diesem Sinne stehen auch Neuankömmlinge aus Syrien, Afghanistan und Marokko mit auf der Bühne. Unterstützt wird die „musical“-ische Inszenierung von der Lucie Kölsch Jugendmusikschule.

Auch beim Jazz Poetry Slam (16.Juli) steht der Nachwuchs im Rampenlicht. Ebenfalls im Wormser Theater gehört die Bühne jungen Poeten zwischen 14 und 20 Jahren, die unter der bewährten Moderation von Jens Wienand ihre selbst verfassten Texte vortragen werden. Musikalisch untermalt wird der Abend vom Herrmann Art Kollektiv, einem Zusammenschluss bekannter Musiker aus der Rhein Neckar Jazzszene. Ein ganz besonderes Schmankerl erwartet die Zuschauer am 23. Juli, denn dann wird die große Ute Lemper mit „The 9 Secrets“ im Wormser Theater zu Gast sein und zu einer musikalischen Reise in den mittleren Orient einladen. Ute Lemper ist es allerdings wichtig, den Stücken ihren ganz eigenen Anstrich zu geben. „Da ich nicht aus dieser Welt stamme, sollten die Stücke auch auf dem Chanson basieren.“ Zwar hat das Konzert keinen unmittelbaren Bezug zu den Nibelungen, vielmehr sollte man das assoziativ sehen, wie Schadt im Pressegespräch lächelnd erläuterte und ergänzte: „Wir sind stolz darauf, so eine Ausnahmekünstlerin dabeizuhaben.“ Auch eher assoziativ zu betrachten, ist das EWR Festkonzert „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn des Bachchors Mainz. Das Konzert, das im Rahmen von „200 Jahre Rheinhessen“ im Dom St. Peter stattfindet, wird von den Nibelungen-Festspielen unterstützt.

Neben diesem bunten Programm gibt es natürlich noch mehr zu entdecken. Wie in den Vorjahren lädt die Nibelungenlied Gesellschaft zu spannenden Vorträgen ein, während verschiedene Künstler in den „Werkstattgesprächen“ Einblicke in die aktuelle Aufführung gewähren werden. Erstmals wird es vom 16. bis zum 31. Juli jeweils um 19 Uhr eine Einführung zu dem Stück „Gold – Der Film der Nibelungen“ geben. Die rund 20-minütige Veranstaltung findet im Wormser Theater statt und kostet in Verbindung mit einer Festspielkarte 2 Euro Eintritt. Bevor es jedoch mit all dem losgeht, heißt es am 15. Juli „Worms liest die alten maeren“. An verschiedenen Orten werden Wormser Wormser dazu einladen, ihnen bei Rezitationen aus dem „Nibelungenlied“ zuzuhören. Auch zwei WO! Mitarbeiter werden unter den Vorlesern sein und hoffen, auf viele interessierte Bürger zu treffen. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr und endet um 14:30. Der genaue Ablauf dieses Tages wird rechtzeitig bekannt gegeben.

WANN 15. Juli bis 30. Juli 2016
WO Wormser Innenstadt
WIEVIEL Preise sind dem Festspiel-Programmheft oder Internet zu entnehmen: www.nibelungenfestspiele.de