Money, Diamonds und The Wall

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Konzertkritik „Kings of Floyd“ – Tribute to Pink Floyd

2. August 2019 | Herrnsheimer Schloss:

Bereits im letzten Jahr hatte der Herrnsheimer Weinsommer dem Konzertveranstalter Wolfgang Schall ein musikalisches Highlight zu verdanken. Nachdem die Band „Engelstädter: The Magic of Queen“ für viele magische Momente sorgte, war es nun an der Pink Floyd-Tribute-Band „Kings of Floyd“ gelegen, die musikalische Zeitmaschine anzuwerfen und einen ordentlichen Hauch von 70er Jahre Psychedelic in den Innenhof des Herrnsheimer Schlosses zu zaubern.

Bereits mit den ersten Tönen des epischen Prog-Rock Songs „Shine on You Crazy Diamond“ sog die international besetzte Band die knapp 1.000 Zuschauer in den musikalischen Kosmos dieser britischen Band, die bis heute von ihren Fans kultisch verehrt wird. Atmosphärische Keyboardklänge breiteten sich wie ein Klangteppich über den Köpfen der Zuhörer aus, ehe die Gitarre unter den Fingern von Marius Fischer kristallklar daran erinnerte, welch präzise Melodien Pink Floyd- Gitarrist David Gilmour seinem Instrument entlocken konnte. Fischer imitierte nahezu perfekt dessen Spiel. Nach einer gefühlt wohligen Ewigkeit setzte schließlich auch der Gesang des musikalischen Kopfes dieser Tribute-Band, MARK GILLESPIE, ein. Gillespie war an diesem Abend nicht immer das perfekte stimmliche Imitat von Roger Waters, was aber nur die härtesten Fans gelegentlich störte. Vielmehr schaffte es der Engländer damit, den Songs, abseits des simplen Coverns, einen eigenen Charakter zu geben. Da störte es auch nicht weiter, dass dieser mit britischer Lakonie für den einen oder anderen Lacher sorgte – wofür Roger Waters nicht unbedingt bekannt war. Bevor Gillespie das Wort an das Publikum richtete, verging aber noch einiges an Zeit, schließlich nahmen alleine die ersten beiden Songs stolze dreißig Minuten des Abends ein. Nach dem rund viertelstündigen Epos „Shine on You Crazy Diamond“ folgte der Klassiker „Money“, der natürlich mit dem berühmten Geld- und Kassenklimpern und dem signifikanten Basslauf eröffnete, indessen Folge die Fans mit verzückter Begeisterung reagierten. Als man schon glaubte, Gillespie sei der klassische wortkarge britische Frontmann, richtete dieser nach einer Stunde das Wort ans Publikum und erklärte in leicht gebrochener Sprache, dass er seit einer Woche, dank des Brexit, Deutscher sei und deswegen nun auch deutsch spreche. Gillespie ist natürlich schon seit vielen Jahren auf deutschen Bühnen zuhause, sodass er ausreichend Zeit hatte, die Sprache der Dichter und Denker zu lernen. Auf Solopfaden führte ihn sein Weg schon einmal nach Worms, genaugenommen in die Funzel. Nach dieser charmanten Begrüßung erzählte er, begleitet vom eigenen Spiel auf der akustischen Gitarre, in einer Art Sprechgesang von den Herausforderungen des Nachmittags vor diesem Konzert. Herausforderung Nummer eins war, mit den beiden LKWs, die das umfangreiche technische Equipment dieser Band transportierten, durch die enge Gasse zum Schloss zu navigieren. Das ging natürlich nicht gut, sondern endete mit einem kleinen Blechschaden, zu allem Überfluss gab es schließlich noch Probleme mit der aufgebauten Anlage. Zu guter Letzt ging aber alles gut, selbst das Wetter spielte mit, das sich vor Konzertbeginn noch ein wenig zickig zeigte. Nach dieser kleinen Plaudereinlage versank die Band schließlich wieder im musikalischen Universum von Pink Floyd. Mit Einsetzen der Dunkelheit zeigte sich eine weitere Stärke dieser Tribute-Band. Rotierende Lichtspiele, die sich auf Schloss und Bäumen abspielten, zuckende Laser und kleine Filmclips im Background der Band gaben einen Eindruck von der visuellen Überwältigungspolitik, die Pink Floyd auch in diese Richtung einen Legendenstatus gab. Nach knapp drei begeisternden Stunden folgte schließlich der Überhit der Band schlechthin, „Another Brick in The Wall“ aus dem überragenden Konzeptalbum „The Wall“. Bevor es wieder zurück in die Gegenwart ging, sangen zahlreiche Kehlen gemeinsam mit der Band Roger Waters‘ kraftvolle Forderungen, die eine ganze Generation prägten („We don’t need no education,…“) und dabei schmerzlich daran erinnerten, dass Rockmusik einmal die Welt verändern konnte.

Fazit: Auch das zweite Open-Air-Konzert, das Wolfgang Schall gemeinsam mit dem Herrnsheimer Ortsvorsteher Andreas Wasilakis und Lili Simon vom Café Kabinett auf die Beine stellte, zählte zu den musikalischen Höhepunkten dieses Sommers – und das nicht nur in Herrnsheim.