Sagen Sie mal, Herr Bims?

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Teil 87: Corona, die zweite

Ein ganzes Land kehrt ganz langsam wieder aus der Corona-Schockstarre zurück. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, welche Beobachtungen haben Sie denn während der Corona-Krise gemacht?“

Im Zuge der Corona-Krise wurde unser Chef, der alte Witzbold, kürzlich gefragt: „Wieviele Leute arbeiten eigentlich bei Ihnen im Verlag?“ Antwortet der doch glatt: „Ich schätze mal ungefähr die Hälfte.“ Gut okay, mich kann er damit nicht gemeint haben. Ich komm einmal im Monat in die Redaktion, mach ein paar dumme Sprüche und leiere mir für meine Kolumne ein paar Witzchen aus den Rippen. Da ich aber als Einziger ohnehin nur einen Hungerlohn erhalte, steht auch meine Existenz nicht auf dem Spiel. Von daher bin ich zurzeit so etwas wie der Gute-Laune-Bär im Verlag, der die anderen Mitarbeiter mit Zitaten aus seinem Fußballsprüche-Repertoire aufmuntert, wie z.B.: „Wir dürfen jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken!“ (Lothar Matthäus), „Es geht weiter, immer weiter…“ oder „Eier, wir brauchen Eier!“ (Oliver Kahn). Trotzdem kommt auch ein berufsmäßiger Spaßvogel wie ich ins Zweifeln, was richtig und falsch ist, wenn man sieht, wie viel persönliches Leid durch den Lock-Down hervorgerufen wurde. Besonders kotzt mich an, dass die Krise eben nicht die Großen wie Amazon, Microsoft, BMW, Adidas oder Facebook erwischt, sondern die Kleinen. Die Unterschicht wird komplett abrasiert, ganz zu schweigen von der Unterwelt. Wie soll man denn an Gras aus Holland kommen, wenn alle Grenzen dicht sind? Oder denken wir doch nur an die vielen Einbrecher, die während Deutschlands Selbstisolation keinen einzigen Bruch landen konnten. Oder die vielen Nutten, die seit Wochen keinen…, Sie wissen schon, was ich meine. Die komplette Unterwelt ist in Aufruhr, kann aber nicht einfach so auf Kurzarbeit umstellen. Ich frage deshalb: Wer zahlt diesen Leuten Corona-Soforthilfen?

STELL DIR VOR, ES IST CORONA UND UNSER OB BETREIBT SOCIAL DISTANCING
In den letzten Wochen wurde vermehrt die Frage laut: „Wo ist denn eigentlich unser neuer OB abgeblieben?“ Das kann ich Ihnen ganz einfach beantworten. Wenn Kessels Vorgesetzte, Mutti Merkel, „Social Distancing“ verordnet, dann bleibt unser OB gefälligst zuhause bei seiner Ramona und hält sich erst recht von „Social Media“ fern. Machen wir uns nichts vor, sein Vorgänger mit „i“ hätte während der Corona- Krise jede volle Stunde via Home-Office eine theatralische Botschaft an seine Bürger geschickt. Die Frage ist nur, ob man damit die allgemeine Hysterie nicht noch weiter angeheizt hätte. Zugegeben: Auch mich hat anfangs die pure Panik erfasst, sobald ich die entgleisten Gesichter von Jens Spahn, RKI-Chef Lothar Wieler oder dem Super-Virologen Christian Drosten gesehen habe. Abstand halten, Menschenansammlungen vermeiden – das sind Dinge, die mir in den Wochen in Mark und Blut übergegangen sind. Bis ich dann das Foto aus der Uniklinik Gießen gesehen habe, als sich Jens Spahn und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier mit einem guten Dutzend Leuten in einen völlig überfüllten Aufzug gequetscht haben. Eigentlich wollte ja auch das Coronavirus noch mitfahren, aber da leider kein Platz mehr war, musste es auf den nächsten Aufzug warten. Glück gehabt, Herr Spahn! Gleichwohl kann man über die Gefährlichkeit des Virus durchaus ins Zweifeln geraten, wenn selbst unser Gesundheitsminister seine eigenen Warnungen nicht ganz so ernst nimmt.

DER GUTE ALTE BLOCKWART KEHRT ZURÜCK
Deshalb ist auch aktuell – dank Corona – die Zeit der Bürokraten und treuen Untertanen gekommen, die ganz alleine im Auto noch einen Mundschutz tragen und sofort die Polizei rufen, sobald sich in der Nachbarschaft mehr als zwei Personen im Garten versammeln. Das sind vermutlich die Gleichen, die jeden Abend um den eigenen Block marschieren, um alle Autos im Halteverbot aufzuschreiben und verdächtig aussehende Pflanzen auf dem Balkon ihres Nachbarn zu melden. Nicht etwa, dass einem das selbst etwas bringen würde, außer natürlich die Genugtuung, sich korrekt verhalten zu haben. Auch ich ertappe mich immer öfters dabei, wie ich ein barsches „Ruh im Hof!“ aus dem Fenster brülle, sobald sich Leute auf der Straße unterhalten. In Krisenzeiten sind eben wieder die Blockleiter gefordert, die die Anweisungen des Staates absolut linientreu und penibel genau befolgen. Praktischerweise muss man als heutiger Blockwart nicht mal mehr seine arische Abstammung nachweisen. Das wirft natürlich die Frage auf: Ist man dann rechts oder links? Oder ist man einfach nur eine dumme Petze, die gerne andere Leute anschwärzt? Sie kennen ja sicherlich den Spruch von Hoffmann von Fallersleben: „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“

In diesem Sinne: Passen Sie auf, was Sie alles glauben!

Ihr Bert Bims